Meine Region

Die Landschaft zwischen Berlin und Polen, zwischen Havel, Spree und Oder besitzt eine interessante Kultur-, Industrie- und Kunstlandschaft. Zahlreiche touristische Ziele und Sehenswürdigkeiten werden Jahr für Jahr von immer mehr Gästen aus dem In- und Ausland besucht. Einige will ich auf diesen Seiten vorstellen, denn als „Vorgarten“ der alten preußischen Hauptstadt Berlin wie auch der heutigen Bundeshauptstadt ist das Territorium mit seinen gastfreundlichen Bewohnern allemal für einen beschaulichen Abstecher aus dem Hexenkessel Berlin gut.

Das Grammat-Antiquariat in der Scheune  ist eine besondere Attraktion für  die Besucher der kleinen Gemeinde Ihlow bei Strausberg. Untergebracht in einer attraktiv hergerichteten alten Scheune,  verfügt es über Tausende von Büchern aus allen Bereichen des Lebens und der Kunst, bis hin zu bibliophilen Kostbarkeiten aus vergangenen Jahrhunderten.

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Das Grammat-Antiquariat in der Scheune

In der Gemeinde mit gerade einmal 170 Einwohnern gibt es zudem einen Bio-Bauernhof mit Übernachtungsmöglichkeit und Wochenend-Gastronomie, ein Atelier, eine Kunsthalle, eine Galerie mit dem besonderen Gewicht auf Gartenkunst und die älteste Feldsteinkirche des Barnim (siehe weiter unten).

Grabkollonade in Kunerdorf (Barnim). Die klassizistischen Skulpturen für die Familien von Lestwitz, von Itzenplitz und von Oppen (als Erbbegräbnis 1790 errichtet von Helene Charlotte von Friedland) schufen u.a. die Bildhauer Gottfried Schadow, Christian Daniel Rauch und (im Entwurf) Karl Friedrich Schinkel. Der Kunerdorfer Musenhof – hier schrieb Chamisso „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ – war ein bedeutendes geistig-kulturelles Zentren jener Zeit, in dem die Brüder Humboldts, Schadow, Rauch, Goethes Freund Zelter,  der Landwirtschaftsreformer Thaer aus Möglin und viele namhafte Persönlichkeiten jener Zeit ein und aus gingen. Im Musenhof hatte bis 2015 der Findling-Verlag seinen Sitz, der inzwischen in Werneuchen beheimatet ist.

GräberAußerdem: Galerie & Gartenkunst“ im Atelier Zachariashof in Ihlow. Neun Themengärten sind zu betrachten und etliche Skulpturen. In diesem kleinen schönen Ort wird gerade (Sommefr 2014) ein neuer „Polizeiruf 110“ mit Horst Krause gedreht. Urige, unverbaute märkische Dorflandschaft mit Biohof und alten Feldsteinbauwerken.

GartenIhlowIn Bad Saarow traf sich einst das vornehme Berlin, hier hatte viele Prominente ihren Zweitwohnsitz, hier lebte die Boxer-Legende Max Schmeling mit Ehefrau Anny Ondra. Seit 90 Jahren Träger des Prädikats „Bad“ (1913)  ist Bad Saarow inzwischen wieder zu einem der beliebtesten Ausflugszentren rund um Berlin geworden.

 SAMSUNG DIGITAL CAMERAAllein am Scharmützelsee, nach Fontane auch „Märkisches Meer“ genannt,  tummeln sich im Sommer Tausende Gäste aus Nah und Fern, oder sie nutzen die eleganten Ausflgsdampfer für gemütliche Rundfahrten. Wer es etwas stürmischer will, kann sich auf einem der vielen Seen bei Bad Saarow dem Wasserski widmen.

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Schloss und Pyramide von Garzau bei Strausberg. Erst im vergangenen Jahrzehnt liebevoll restauriert, ziehen die im engen Zusammenhang stehenden Bauwerke bereits viele Besucher an. Das Schloss wurde in den vergangenen Jahren aufwändig restauriert. Der besondereAnziehungspunkt ist die jedoch unweit davon die einzigartige 14 Meter hohe größte Feldsteinpyramide in Deutschland. Ende des 18. Jahrhunderts hatte sie Graf Friedrich Wilhelm Carl von Schmettau, nachdem er das Garzauer Gut erworben hatte, in den  nach englischem Vorbild gestalteten Landschaftspark errichten lassen, um eines Tages dort bestattet zu werden. Doch nachdem der Graf 1806 in der Schlacht gegen Napolen bei  Jena und Auerstedt gefallen war, wurde er  in Weimar beigesetzt.

SAMSUNG DIGITAL CAMERA     Pyramide

Die Pyramide  diente auch als Aussichtsturm, von dem aus   zu besonderen Anlässen Feuerzeichen weithin sichtbar ins Land wiesen. Ein im Jahr 2000 gegründeter „Förderverein Pyramide und Schlosspark Garzau“ übernahm die Rekonstruktion der fast völlig vernichteten Pyramide und des Schlossparks, um sie als   Zeugnis preußischer Gartenkultur in der Zeit zwischen Barock und Romantik auferstehen zu lassen. Das unweit der Pyramide gelegene Schloss in Garzau wurde von Fachleuten aufwändig restauriert und präsentiert sich in klassizistischer  Schönheit. Vorträge und Konzerte ziehen im Sommer viele Besucher in ihren Bann. Vorträge und Konzerte ziehen in den Sommermonaten viele Besucher in ihren Bann.

Pyramide1999  GarzauPyraZum Vergleich: So (oben) sah die Pyramide noch in den neunziger Jahren aus (Foto aus einem der Schaukästen). Und so (unten) ist sie heute ein Besuchermagnet

Wo einst die Templer residierten. Der Ort heißt Tempelberg. Mit dem Ziel, das Land zu besiedeln, lockte Heinrich der Bärtige in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Tempelritter in die Region und übertrug ihnen großzügig Land. So entstand die Komturei Liezen und Tempelberg, die 1244 erstmals urkundlich erwähnt ist. In diese Zeit fällt auch der Feldsteinquaderbau der romanischen Kirche, in deren Gemäuer ein Stein mit dem so genannten Jerusalemkreuz, bestehend aus einem großen und vier kleinen Kreuzen, der Templer eingearbeitet ist. Ein ähnliches Kreuz ist nur noch in der ebenso alten und ähnlich gebauten Feldsteinkirche in Grunow zu finden. Im 18. Jahrhundert wurde das Gotteshaus um einen quadratischen Turmaufsatz und einem zweigeschossigen Südanbau erweitert. Eine Fundgrube für jeden Geschichtsfan.

Tempel1  Tempel3In Tempelberg wurde um 1500 herum der berühmte Hans Kohlhase geboren, dem Heinrich von Kleist als Michael Kohlhaas ein bleibendes Denkmal gesetzt hat. Der Pferdehändler war um 1540 auf dem heutigen Strausberger Platz in Berlin gerädert worden. Der Tempelberger Kohlhaas-Weg sowie ein Gedenkstein erinnern an den aufsässigen Pferdehändler, den Ernst Bloch den „Don Quijote rigoroser bürgerlicher Moralität“ nannte.

Am Ortseingang begrüßt natürlich ein hölzerner Tempelritter die Gäste.

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Die Strausseefähre in Strausberg überquert als Seilfähre den Straussee und verbindet seit 1894 die Innenstadt  mit dem Wohngebiet auf der Waldseite. Die Oberleitungsfähre wird seit 1915 mit 170 Volt elektrisch betrieben. Der Strom wird über eine freigespannte Oberleitung zugeführt. Die Fähre ist ein Wahrzeichen Strausbergs und steht unter Denkmalschutz. Während der Saison wird halbstündlich übergesetzt, wobei bis zu 100 Personen befördert werden können. Die Strecke über den See ist 370 Meter lang, die Fahrzeit beträgt sieben Minuten.

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  SAMSUNG DIGITAL CAMERA   Hirsch

Diese zwei Fotos zeigen die Kirche in Hirschfelde 2011 und 2014.

Viele Kirchen in der Märkischen Schweiz, die zu meiner Region gehört, sind Feldsteinkirchen und gehen in ihrer Bauzeit zurück bis in das späte Mittelalter. Die argt beschädigte Kirche in Hirschfelde ist inzwischen wieder zu einer Zierde des Ortes geworden.

Dorfladen Das Foto zeigt den Dorfladen von Hirschfelde, über den Max (Dieter) Mohr in seinem Buch „Was wir nicht haben, das brauchen Sie nicht“ schreibt

Gegen die alten Feldsteinkirchen ist die Kirche von Karl Friedrich Schinkel in Neuhardenberg (unten) ein kaum zweihundertjähriger „Neubau“.

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DSCI2601  DSCI2604 Turm

Blick auf den Uhrenturm durch einrestliches Mauerwerk vom alten Gut. Der Uhrenturm, ein ehemaliges Gutsgebäude und Wohnhaus sowie (links) die restaurierte Kirche von Gielsdorf (siehe unten)

Der Uhrenturm von Gielsdorf – heute ein Ortsteil des alten AckeGielsdrbürgerstädtchens Altlandsberg – gehört zu den wunderschön restaurierten Bauwerken aus der Vergangenheit. Im vorvorigen Jahrhundert wurde er als Waagehäuschen für das benachbarte Gut errichtet, heute ist der Turm das attraktive Wahrzeichnen der kleinen Gemeinde. (oben rechts ein Blick durch ein geschlossenes Fenster auf die alte Waage.)

Im Oktober 2012 fotografierte ich die in Restaurierung befindliche Kirche von Gielsdorf. Monate später war ich wieder dort und sah dieselbe Kirche samt Umfeld in einem achtenswerten Zustand. Auch so zügig und gründlich kann Bauen erfolgen. Jetzt hat Gieldorf einen neuen kulturellen Mittelpunkt für musikalisch-literarische Veranstaltungen sowie Ausstellungen und natürlich einem Gottesdienst in schmuckvoller Umgebung. Glückwunsch den Gielsdorfern!

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Zwei Fotos, entstanden im Oktober 2014 (links) und im April 2012 in Gielsdorf, einem Ortsteil von Altlandsberg 

Auch das Fahrradhaus in Altlandsberg spricht für die Begeisterung der Profis, die das Geschäft zur Zufriedenheit eines großen Kundenkreises führen.

Fahrrad2Gleich gegenüber hat ein Liebhaber der etwas größeren Fortbewegungsmittel ein Prachtexemplar, eine alte Dampfspeicherlok aus Hennigsdorf, in seinen Vorgarten gestellt. Es ist wohl das weltweit am meisten verbreitete Motiv aus Altlandsberg, das sich der deutsch-kanadische Geschäftsinhaber hat einfallen lassen.

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Hier startete die Gruppe Ulbricht in die Nachkriegsäre. In diesem Haus in der Buchholzer Straße in Altlandsberg, Ortsteil Bruchmühle, bereitete die Gruppe Ulbricht Anfang Mai  1945 ihren Einsatz als Führung für die neu entstehende Ostzone vor. Walter Ulbricht prägte damals den Spruch, den Wolfgang Leonhard („Die Revolution entlässt ihre Kinder“) als Mitglied dieser von Stalin geschickten KPD-Gruppe festhielt: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“
 

GruppeUlbrEine Tafel am Haus erinnert an die ersten Tage der Gruppe Ulbricht am Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland

UlbrichtTafel

 

Künstlerkolonie Reichenow.  DSC_0311

Die Wohn- und Arbeitsstätte für Künstler und artverwandte Berufe in Reichenow (450 Einwohner), etwa 50 km nordöstlich von Berlin, besteht aus einem alten Gut und ist nach eigenen Angaben 120 Metern lang mit zwei Nebengebäuden und einem Gelände von 20.000 Quadratmetern. 28 einzelne Räume, unterschiedlich in Größe und Format, darin Werkstätten, Studios und Ateliers, sind an 44 Akteure vermietet, darunter Grafik-Designer, Architekten, Filmschaffende, Theater- und PerformancekünstlerInnen, Bildhauer, Artisten, Objekt-Designer, Zeichner, Heilpraktikerin, Therapeutinnen und Handwerker. Zeitweise vermietet werden eine Probe- und Veranstaltungshalle, ein vereinsinternes Gästehaus und das Lokal Delicati mit saisonalem Wochenendbetrieb. Nebenan das restaurierte Schloss Reichenow.

DSC_0310Gleich nebenan: Bis 2013 Hochzeitshotel Schloss Reichenow, inzwischen aufwändig renoviert und einer neuen Nutzung harrend

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Auf dem riesigen Freigelände der Künstlerkolonie ein „Unvollendeter“?

Kolonisten-Skulptur in Vevais. Eine überraschende wie ansehenswerte Keramik-Skulptur der ortsansässigen Bildhauerin Inge Müller in Vevais, einem Ortsteil von Bliesdorf, erinnert an das Leben die Einwanderer, die als verfolgte Hugenotten aus Frankreich in Preußen eine neue Heimat gefunden haben und mit ihren Leistungen und ihrer Kultur das Land bereicherten.

SkulpturMit wenig Hab und Gut waren die Familien Mitte des 18. Jahrhunderts wochenlang unterwegs, um sich schließlich mit großzügiger örtlicher Unterstützung als so genannte Kolonisten anzusiedeln und zu helfen, das Oderbruch in eine fruchtbare Landschaft zu verwandeln. Bis hin zum steinigen Weg und zu den Namen der ersten Siedler gibt die Keramik-Gruppe Auskunft über eine zutiefst menschliche Aktion unserer Ahnen. Mehrere örtliche Firmen haben geholfen, dieses nicht alltägliche und so deteilreiche Kunstwerk zu einem interessanten Blickfang zu gestalten und sich jener Menschen zu erinnern, die nach ihrem schweren Schicksal mit offenen Armen in Preußen aufgenommen und integriert wurden. Eine nachahmenswerte Idee, der Zugewanderten unter unseren Vorfahren zu gedenken und auch heute jenen Gefühle der Menschlichkeit und Solidarität entgegenzubringen, die aus ihrer Heimat vertrieben werden und anderswo ein bisschen Glück für ihre Familien suchen.

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