Die Ballade vom Krieg

Atelier

Von Marcel Taubert

mit Fotos vom Krieg von seinem Großvater Willi Taubert (geb. 1908), aufgenommen 1942 auf dem Weg nach Stalingrad

OpaOma

Die Monarchen zweier Staaten
waren einmal gut beraten,
in ihren beiden Nachbarländern
des Volkes Stimmung zu verändern.
Sie sahen ihre Macht entschwinden
und mussten eine Lösung finden
für viele Unzulänglichkeiten,
die Ärger und Verdruss bereiten.

1 Brückenbau

Die Wirtschaft schrumpft, die Kaufkraft sinkt,
die Korruption zum Himmel stinkt.
Die Dicken werden immer fetter,
die Dünnen suchen einen Retter.
In dicht besiedelten Regionen,
da sah man schon die beiden Drohnen
unter schaurigen Gesängen
als Puppen hoch am Galgen hängen.
2 Schäden

Selbst wirklich mächtige Magnaten
drängten schon in beiden Staaten,
dass der Monarchen Köpfe rollen,
wenn die nicht können oder wollen.
So traf man sich inkognito
an einem Orte irgendwo
und überlegte mühsam nun:
Was soll passiern, was ist zu tun?

3 Flieger

Ich habs, rief einer von den beiden,
wir müssen uns zunächst entscheiden
für das, was in der Not uns eint:
Wir brauchen jeder einen Feind.
Ja, nahm der andre auf den Faden,
so lass uns unsren Völkern raten,
die Schuld bei anderen zu suchen,
so kann nach Herzenslust man fluchen.

4 Brand

Doch wer soll unser Feind wohl sein,
fiel einem von den beiden ein.
Die Lösung kam wie von alleine:
Ich bin der deine, du der meine.
Gesagt, getan – man fuhr nach Haus
und schüttete dem Volk sich aus:
Die Schuldigen, die sind da drüben!
Die wollen Rache an uns üben!

5 Besatzung

Die wolln uns morden, wolln uns meucheln!
Sie konnten jahrelang nur heucheln!
Vergessen waren Brüder, Schwestern,
das ist der alte Schnee von gestern!
Sie tragen Schuld an unsrer Not,
das Beste wär, man schlüg sie tot!
Die Völker  riefen bald nach Waffen:
Wir werden diese Brut schon schaffen!

6 Brückenbruch

Die  Herrscher waren hell begeistert,
denn die Misere schien gemeistert.
Nachdem der erste Schritt getan,
kam es den beiden darauf an,
den Eigennutz nicht zu vergessen
mit Provisionen – angemessen!
Die Wirtschaft boomt, die Kaufkraft steigt,
das Leben sich zum Wohlstand neigt.

7 Kanone

Vergessen war die Korruption,
das hieß jetzt Kooperation.
Man baute Kriegsgerät in Massen,
Bunker und Versorgungstrassen,
Flug- und Truppenübungsplätze,
Luftraumüberwachungsnetze,
legte Minenfelder an,
neue Gleise für die Bahn.

8 Panzerbrücke

Auch schuf man bombensichre Brücken,
begradigte Versorgungslücken
und legte sich Reserven an
für den Notfall dann und wann.
Die Industrie in beiden Staaten
boomte mit üppigen Steigerungsraten.
Selbst die Magnaten waren selig
und riefen lautstark: Hoch der König!

9 Pferdetot

Und auch die Aktionäre lachten,
wenn sie an ihren Reibach dachten.
Solchermaßen aufgerüstet
ein jeder Herrscher sich gern brüstet,
er habe die beste der Armeen,
wer es nicht glaubt,  der wird  schon sehn!
Das üble Spiel  nahm seinen Lauf
und niemand hielt den Wahnsinn auf.

10 Schlamm

So kam dann auch, was kommen muss –
am Morgen fiel der erste Schuss.
Wie auf  Kommando schlug man los,
das Morden wurde riesengroß.
Die Fronten wogten hin und her,
mal siegte der, mal siegte der.
Die Rache wurde fürchterlich,
der kleine Mann war außer sich.

12 Panzertote

 
Wer früher keine Fliege schlug,
bekam des Blutes nicht genug.
Im Hinterland die Bosse schaffen
derweil immer neue Waffen,
die an der Front auf beiden Seiten
zum Heldentod die Jungs begleiten.
Auf beiden Seiten auch nicht minder
sind Opfer Greise, Frauen, Kinder.

13 Pferdeschnee

 
Der Krieg ist Jahre schon Geschichte,
verstummt auch sind die Hassgerüchte.
Die alten Wunden sind geleckt,
die Narben sorgsam abgedeckt.
Verträge wurden abgeschlossen
mit denen, die man einst beschossen.
Man denkt schon wieder nur an morgen
und plagt sich mit den Alltagssorgen.

9a KRIEG

 
Die Kaufkraft sinkt, die Wirtschaft siecht,
nach Korruption es wieder riecht.
Auch die Magnaten wieder Grollen,
es müssten langsam Köpfe rollen.
Den Oberhäuptern beider Staaten
tats Not erneut sich zu beraten.
Alsbald sie auch zusammen kamen
mit neuen Köpfen, Titeln, Namen.

14Schlitten

 
So traf man sich inkognito
an einem Orte irgendwo
und überlegte mühsam nun:
Was soll passiern, was ist zu tun?

15gRÄBER

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Eingeordnet unter Satire

2 Antworten zu “Die Ballade vom Krieg

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