Tank immer treu…

Die Ferien stehen vor der Tür, die Benzinpreise hocken in den Startlöchern zum großen Sprung nach oben. Natürlich ist die Nachfrage Grund genug, mit dem Preis etwas zu variieren. Das sollte man auch zugeben und nicht saudumme Ausreden über internationale Tendenzen auf dem Rohölmarkt erfinden. Zum Beispiel steigen jedes Jahr vor Ostern die Eierpreise, ohne dass auf dem Weltmarkt die Hühner teurer werden. Drei Tage vor Himmelfahrt wird das Bier teurer, obwohl der Wasserpreis unverändert ist. Und wenn Regen droht, werden die Schirme… Nein, das nun nicht, aber so ähnlich.

Auch die Bäcker würden ab und zu gern einmal die Brötchenpreise nach oben korrigieren, doch sie fürchten den Wettbewerb und Verkaufseinbußen. Denn wenn schon, dann müssten alle mitziehen, so wie beispielsweise die Tankstellen. Nun ist es aber schwerer, hunderttausend Bäcker unter einen Hut zu bringen und Tag für Tag die Absprachen untereinander zu organisieren. Diesbezüglich sind sie nicht so gut organisiert wie die Mafia oder wie Mineralölkonzerne.

Vierzig Millionen Autofahrer in Deutschland sind darauf angewiesen, was in auffälliger Übereinstimmung allerorten zum Tanken angeboten wird. So gesehen sind sie Geiseln in den schmierigen Händen der Ölmultis. Dieses klebrige Zeug hält zusammen wie Pech und Schwefel. Weil BP so viel für sein Umweltmassaker in der Karibik zahlen muss, sind die anderen, die eine solche Schweinerei  noch nicht angerichtet haben, solidarisch und fahren ein, was in die Scheuer passt. Das erinnert an den uralten Ausspruch des englischen Gewerkschaftsführers Cunning:  „Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“ Nicht mehr lange und wir haben bei den Benzinpreisen die 300 Prozent – verglichen mit den Neunzigerjahren – erreicht…

An den Staat zu appellieren, sich wenigstens in diesem Fall einmal für das Volk stark zu machen, ist vergebliche Mühe. Der zockt an den Zapfsäulen in trauter Gemeinsamkeit mit den Preistreibern händereibend seine Bürger nach der alten Melodie ab: Tank immer treu in Redlichkeit bis an dein kühles Grab…

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Satire

2 Antworten zu “Tank immer treu…

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