Eine Gewissensfrage

Wie ein großer Mann die deutschen Steuerzahler rühmte

Wo sind wir Deutschen hingeraten? Mehr als 35.000 Mitbürger haben sich in diesem Jahr 2014 wegen  Steuerhinterziehung selbst angezeigt. Allein in Baden-Württemberg sind es mehr als 8.500.

In der Korruptions-Skala nehmen wir weltweit einen leidigen Mittelplatz ein, Steigerung nicht ausgeschlossen. Unser Ansehen muss über lange Zeit derart gelitten haben, dass wir kaum wiederzuerkennen sind. Kaum jemand singt oder kennt noch die Volksweise, die selbst der Preußenkönig liebte und in das Potsdamer Glockenspiel der Garnisonkirche einbauen ließ: „Üb immer Treu und Redlichkeit…“?

„Diese Redlichkeit“, so schrieb ein berühmter Mann, „ist in unsrer Zeit um so mehr zu bewundern, je seltener sie ist; ja, sie scheint allein noch in Deutschland zu bestehen.“

Nein, kein Kabarettist hat das ironisch festgestellt, es war Niccolo Machiavelli, und das ist schon fünfhundert Jahre her. Er begründete seine These von der deutschen Redlichkeit damit, dass „die Deutschen nie großen Umgang mit ihren Nachbarn gehabt“ haben, und sie „konnten weder die Sitten der Franzosen, noch der Spanier, noch der Italiener annehmen, jener drei Völker, die die Verderbnis der Welt bilden.“

Der Begründer der Politikwissenschaft beklagte, dass die „Rechtschaffenheit der Völker“ größtenteils verschwunden sei und schrieb: „In Deutschland dagegen findet man diese Rechtschaffenheit und Frömmigkeit noch in hohem Maße.“ Zum Beweis führte er die Steuern an. Brauche man in Deutschland Geld für öffentliche Zwecke, behebe die Behörde oder der Rat von allen Einwohnern ein oder zwei Prozent von ihrem Vermögen.

Niccolo MachiavelliNiccolo Machiavelli 1469-1527

Wie das Ganze abläuft, beschreibt Machiavelli so: „Ist nun dieser Beschluss verfassungsmäßig genehmigt, so erscheint ein jeder vor den Steuereinnehmern, leistet einen Eid, die gebührende Summe zu zahlen, und wirft soviel in einen dazu bestimmten Kasten, als er nach seinem Gewissen schuldig zu sein glaubt, ohne ein anderes Zeugnis als sein eigenes. Hieraus kann man schließen, wie viel Redlichkeit und Frömmigkeit noch bei diesem Volke herrscht.“

Vieles hat sich seitdem verändert. Erheblich verkümmert ist offenbar das von Machiavelli gepriesene Gewissen vieler Steuerzahler.

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Eingeordnet unter Satire

2 Antworten zu “Eine Gewissensfrage

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