Ein Meilenstein Schinkels: Die Berliner Bauakademie

Klaus Taubert

Der Abriss des DDR-Außenministeriums zu Beginn der Neunzigerjahre macht es möglich, die 1832 bis 1836 von Karl Friedrich Schinkel errichtete Bauakademie am alten Standort zwischen Spree und der ebenfalls von Schinkel stammenden Friedrichswerderschen Kirche wieder aufzubauen. Der große Baumeister des Klassizismus bewohnte als Chef der preußischen Baubehörde bis zu seinem Tod im Jahr 1841 die oberste Etage  der Bauakademie.   Ab 1844 befand sie hier das Schinkel-Museum .

Bauakademie

Schinkels Bauakademie auf einem Gemälde von 1838

Ein Förderverein setzt sich seit 1994 für den Neuaufbau der Bauakademie an historischem Ort, gegenüber dem ehemaligen Stadtschloss und künftigem Humboldtforum, ein. Inzwischen wurde ein Eckteil detailgetreu aufgebaut, der Rest der Fassaden in Form eines „Planenhauses“ mit Kulissenmalerei hinzugefügt (siehe Foto). Das Denkmal Schinkels, das lange auf der Museumsinsel stand, hat seinen alten Platz vor der Akademie wieder erhalten. Seit 2008 ist der von Lenné gestaltete Schinkelplatz in alter Form wieder hergerichtet.

Das 46 mal 46 Meter quadratisch gestaltete Akademiegebäude gilt als ein Meilenstein in der Baugeschichte: Als Vorläufer der heute modernen Skelettbauweise, der so genannten Stockwerksfabriken. Ein Backsteinbau, 21 Meter hoch, viergeschossig und mit flachem Dach. Die ziegelverblendete Fassade war mit Streifen aus violetten Glasursteinen bestückt, die durch tragende Wandpfeiler und horizontale Stockwerksgesimse gegliedert waren. Das Bauwerk war auf Wiederholbarkeit angelegt, es markiert in vielerlei Hinsicht die Vorstufe des industriellen Bauens. Schinkel  hat übrigens die Terrakotten für Fenster und Portale, die den Charakter des Hauses als Bauschule unterstreichen und „Momente in der Entwicklungsgeschichte der Baukunst“  versinnbildlichen sollen, selbst entworfen. Die beiden Flügeltüren sind aus Eisen gegossen und enthalten je acht Medaillons mit den Köpfen berühmter Künstler und Architekten. Im Erdgeschoss befanden sich einst 12 Geschäfte.

SchinkelsBauak

Wie lange noch? Die Bauakademie als „Planenhaus“ mit Kulissenmalerei. Nur die vordere rechte Ecke ist echt. Links der neue Bau des Auswärtigen Amtes, rechts die Friedrichswerdersche Kirche.  Aufgenommen aus der 1. Schlossetage im Juni 2015.

1879 wurde die Bauakademie zusammen mit der Gewerbeakademie zur Königlich Technischen Hochschule zu Berlin, einem Vorläufer der heutigen Technischen Universität. Ferner diente es bis 1945 als Hochschule für Politik, gab dem Meterologischen Institut der Friedrich-Wilhelm-Universität ein Zuhause, wurde für museale Zwecke genutzt und beherbergte in seinen Kellerräumen während des Zweiten Weltkrieges Kunstwerke aus umliegenden Museen. Im Februar 1945 durch Bombentreffer ausgebrannt, sollte die Akademie bald wieder instandgesetzt werden.

90 Prozent des Rohbaus waren bereits fertiggestellt, 192 Fenster standen bereit, 12.500 Keramikteile lagerten auf dem Baugelände, und selbst die Kronleuchter waren nachgefertigt. Am 21. November 1953 war Richtfest. Zufrieden hatte die Baufachwelt aufgenommen, was Walter Ulbricht als stellvertretender Ministerpräsident vor der neu gegründeten DDR-Bauakademie im Dezember 1951 betonte: „Möge der Wiederaufbau des zerstörten Schinkelschen Gebäudes der Bauakademie symbolisch dafür sein, welch hohe Achtung die Leistungen der Meister der deutschen Baukunst bei uns genießen und wie stark der Wille zur schöpferischen Weiterentwicklung der Architektur ist.“ Das Versprechen hielt nicht lange vor. 1957 kam der plötzliche Baustopp. Am 13. März 1961 – ausgerechnet am 180. Geburtstag Schinkels – wurde in der SED-Führung beschlossen, den Bau abzureißen.

Die Empörung war groß. Die Neue Zürcher Zeitung beschwor damals: „Möge ein internationaler Hagel von Protesten doch noch eine Sinnesänderung erwirken!“ Doch Walter Ulbricht, der zuvor schon das Stadtschloss der Hohenzollern hatte sprengen lassen, wollte an dieser Stelle vor seinem Fenster im Haus des SED-Zentralkomitees ein imponierendes Außenministerium.

BauakademDie Bauakademie kurz vor ihrem Abriss

1962 wurde die Bauakademie abgetragen. Viele Originalteile wurden eingelagert, denn zunächst hieß es zur allgemeinen Beruhigung, das Haus werde nahe dem Märkischen Museum neu aufgebaut. Die Bauakademie wurde zum Tabu. In DDR-Büchern über Schinkel und die Berliner Baugeschichte wurde das Bauwerk ausgespart. Es sollte vergessen werden. Bald schon bedienten sich Architekten ebenso wie prominente Privatpersonen der historischen Kleinodien. Als Anfang der Siebzigerjahre große Mengen von Terrakottareliefs aus dem Besitz von DDR-Politikern, unter ihnen DDR-Außenminister Lothar Bolz, über den Staatlichen Kunsthandel verkauft werden sollten, wurde dies von engagierten Künstlern verhindert. Viele dieser Teile befinden sich in den Depots der Museen. Da zahlreiche Originalteile der Bauakademie erhalten geblieben sind bzw. wiederentdeckt wurden, ist die Originalität des wiedererstehenden Bauwerks in hohem Maße gegeben. Die Baukosten für die Wiedererrichtung der „Nationalen Bauakademie“ werden von Fachleuten mit 62  Millionen Euro veranschlagt. Aus einem Wettbewerb, an dem sich 78 Büros und Arbeitsgemeinschaften beteiligten,  gehen vielfältige Möglicheiten für die künftige Nutzung des Gebäudes hevor.

SchinkelplatzEnsemble rund um den Schinkelplatz mit Spree, Bauakademie, Friedrichswerderscher Kirche, Kommandantenhaus, Palais Unter den Linden und Hedwigs-Kathedrale

Für eine spätere Nutzung beispielsweise möchte der Berliner Senat ein internationales Zentrum für innovative Bauwissenschaft und Baukultur an dieser historischen Ort wissen.  Das Auswärtige Amt meldete ein noch unverbindliches Interesse an der Nutzung von Flächen in der wieder aufgebauten Bauakademie an. Gegebenenfalls in einer Größe von etwa 4.000 Quadratmetern, also zwei Fünfteln der Gesamtfläche, für die vom Ministerium betreuten internationalen Stiftungen. In einem solchen Fall könnte sich die Bundesstiftung Berliner Schloss/Humboldtforum, deren Hauptvorhaben bis 2019 auf dem benachbarten Schlossplatz vollendet werden soll, mit der Betreuung des Wiederaufbauvorhabens befassen.

BerlinSchloss45Im Zweiten Weltkrieg war Berlins Mitte zwar durch Bombardements heftig in Mitleidenschaft gezogen worden, doch nach Meinung von Experten war die Bausubstanz – im Foto unten rechts die quadratische Bauakademie, darüber das Schloss – noch soweit vorhanden, dass alles hätte erhalten werden und in neuem Glanz erstehen können.

(siehe auch: http://wp.me/p3pGuo-HN)

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