Einladungs-„Kunst“ der SED

Für viele ihrer pompösen Festlichkeiten, propagandistischen Aufmärsche, Empfänge und Großveranstaltungen beschäftigte das SED-Zentralkomitee und die Bezirksleitungen der SED Künstler, die ihre Einladungen gestalteten. Hier eine  kleine Auswahl, die auch zeigt, dass es auf Kosten nicht ankam.

Zum Beispiel bei dieser aus reinem Kupfer getriebenen Einladungskarte der SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). Sogar der „Nischel“, also der Kopf von Karl-Marx, wurde nicht vergessen.

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Weitere Einladungen zeigen den zum Marx-Engels-Platz umgetauften Schlossplatz nach Abriss des Berliner Stadtschlosses der Hohenzollern, bevor der Palast der Republik gebaut wurde. Im Hintergrund sind neben dem Fernsehturm (1969) noch das Rote Rathaus und sogar die Marien-Kirche neben dem ehemaligen Hotel Stadt Berlin zu sehen.

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Der Palast der Republik bot ab 1976 Gelegenheit,  mit dem „Palazzo Protzo“ oder „Erichs Lampenladen“ auf allen folgenden Einladungen richtig zu protzen. Dahinter verbargen sich viele nicht mehr sichtbare historische Bauwerke der Berliner Innenstadt. Als Umrahmung und zur Auflockerung der Moderne dienten gerade noch Schinkels Brückenfiguren bzw. seine  alten schönen Laternen.

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Bei Einadungen zu propagandistischen Großveranstaltungen und -aufmärschen durften natürlich die roten Fahnen nicht fehlen. Palast der Republik, Staatsratsgebäude und Haus des SED-Zentralkomitees bildeten gewissermaßen eine Einheit. Kenner der Geschichte wissen, dass Karl Liebknecht am späten Nachmitag des 9. November 1918 die sozialistischen Republik nicht vom Balkon des Schlosses ausgerufen hat, der deswegen in das Staatsratsgebäude eingebaut wurde. Er stand vor dem Schloss auf einem Auto, als er seinen berühmten Ausruf vornahm. Vom Balkon des Schlosses hingegen hatte Kaiser Wilhelm II. 1914 die Mobilmachung für den Weltkrieg verkündet.

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Mitunter fehlten die Fahnen, dafür wurden die Einladungen  in Gold auf farbigem oder auf weißem Hintergrund gedruckt. Erlaubt war, was den Herrschenden gefiel. Hauptsache golden!

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Kleinere Empfänge – beispielsweise für den sowjetischen Außenminister Andrej Gromyko nach dem Sturz Ulbrichts – gab Honecker in kleineren, historisch und baukünslerisch sehenswerten Gebäude, zum Beispiel im gediegenen Palais Unter den Linden, dem einstigen Kronprinzenpalais. Auch der Fernsehturm war ein Statussymbol der DDR, mit dem Ulbricht und Honecker richtig vor ihren Gästen angeben konnten, zumal er aus ihren Arbeitszimmern gut zu sehen war. Vor dem Bau des Palastes der Republik (rechts)  der Fernsehturm  noch in Verbindung mit dem Hochhaus des Hotels Stadt Berlin.

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Manchmal ging es auch ganz ohne die gewaltigen Bauten der Moderne rund um den Schlossplatz, da mussten auf offiziellen Einladungen beispielsweise für ausländische Gäste die alten ehrwürdigen Bauwerke aus der Geschichte Berlins herhalten, z.B. die Staatsoper, die „Kommode“, die Universität und sogar das in den Achtzigerjahren wieder aufgestellte Reiterstandbild Friedrichs des Großen von C. D. Rauch, das bis dahin in Potsdam versteckt war.

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Doch wie auch immer, man hatte alles im Griff, bis eben 1989, da half es auch nicht mehr, wenn eine Hand die andere wusch. Von da an gab es nur noch Ausladungen mit wunderschönen lebendigen Bildern. Goldig.

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