Lob den Kinderreichen

Frankreich wird Deutschland überholen – wenigstens in der Bevölkerungszahl

In Deutschland ist es tatsächlich soweit gekommen, dass sich das Volk ganz allmählich selber ausrottet. Dank kinderlieber Zuwanderer zögert sich das noch ein gutes Stück hinaus. Das kann sich bei abnehmendem Bevölkerungszuwachs von außen allerdings sehr schnell ändern. Dann käme ein böses Erwachen, denn in Deutschland verzichten immer mehr Frauen auf Nachwuchs. Jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 Jahren hat – bei steigender Tendenz – keine Kinder. Nach Berechnungen des französischen Ökonomen Thomas Piketty wird im Jahr 2050 Frankreich – derzeit 66 Millionen Einwohner – die größte Einwohnerzahl in der EU haben, mehr als Deutschland mit heute 80 Millionen Einwohnern. Mit Maßnahmen wie Kita-Ausbau, Betreuungs- oder Elterngeld wollen die Berliner Regierungs-Koalitionäre den Geburtenrückgang stoppen, doch der Versuch geht völlig am Thema vorbei.

Vor mehr als zweihundert Jahren schrieb der schottische Nationalökonom Adam Smith: „Die unter vornehmen Frauen so häufige Unfruchtbarkeit ist unter den Frauen niederen Standes sehr selten. Die Üppigkeit entflammt zwar vielleicht in dem schönen Geschlechte die Begierde nach dem Genusse, aber sie scheint auch immer die Kraft des Gebärens zu schwächen, ja häufig ganz zu zerstören.“ Leben deutsche Frauen zu üppig? Man beachte: Besonders ausgeprägt ist die Kinderlosigkeit in den Stadtstaaten, in denen die Lebenshaltungskosten hoch sind und immer mehr kinderarme „Besserverdiener“ sich den Luxus einer geräumigen Stadtwohnung leisten können. In Hamburg hatte in den zurückliegenden Jahren fast jede dritte Frau keinen Nachwuchs. Was dabei der Genuss nicht verhindert, das regelt die Pille, Beelzebubs Gegenentwurf zur Enzyklika Humanae vitae. Aber offenbar ist der reine Genuss anderswo nicht der einzige Grund für Kinderarmut.

„Wie die reichliche Belohnung der Arbeit den gemeinen Mann zur Fortpflanzung ermuntert“, schreibt der Schotte, „so spornt sie ihn auch zum Fleiße an.“ Andererseits, so Smith in der emotionslosen Sprache des Ökonomen, „geschieht es, dass die Nachfrage nach Menschen, gerade wie die nach jeder anderen Ware, notwendig auch die Erzeugung von Menschen reguliert: sie beschleunigt sie, wenn sie zu langsam vor sich geht, und verzögert sie, wenn sie zu rasch fortschreitet.“ Bei fünf Millionen Menschen, die ohne staatliche Zuschüsse nicht  leben könnten, also Millionen Famiien, die im Bereich von Armut leben, liegt ein Rückgang des Fortpflanzungswillens auf der Hand. Mit gutem Zureden und Kita-Plätzen ist das Problem nicht zu packen, solange übermäßig viele Milliarden dort gehortet werden, wo der Boden diesbezüglich kaum noch fruchtbar ist.

Ein  Rückblick in die neuzeitliche Geschichte mag die Auswirkungen des Geburtenrückganges erhellen. Hätten sich die Familien mit nur einem Kind, höchstens jedoch mit zwei Kindern begnügt, wären wir arm wie Kirchenmäuse. Wir hätten keinen Johann Sebastian Bach, der die Musik für Jahrhunderte prägte. Als er in Eisenach geboren wurde, hatte seine Mutter vor ihm schon sieben Kinder  zur Welt gebracht. Wir müssten auf Mozarts Opern verzichten, wäre Wolfgang Amadeus in Salzburg nicht als siebtes Kind in der Familie eines Vizekapellmeisters geboren worden. Wir hätten auch keinen Richard Wagner und keine Bayreuther Festspiele, weil ihr Schöpfer das neunte Kind seiner Eltern war. Es gäbe auch keinen Ludwig van Beethoven und hundertfünfzig Jahre später keinen „King of Pop“, denn Michael Jackson war das siebte von neun Kindern.

Hätte vor vierhundert Jahren ein gewisser Rembrandt van Rijn als neuntes Kind eines Müllers und einer Bäckerstochter nicht die Farbenpracht dieser Welt erblickt, gäbe es möglicherweise kein Niederländisches Goldenes Zeitalter der Malerei. Und wäre vor gut zweihundert Jahren in der Familie Darwin in Shrewsbury nicht ein gewisser Charles als fünftes von sechs Kindern geboren worden, wüssten wir bis heute nicht, dass wir zusammen mit den Schimpansen einer Großfamilie entstammen, die evolutionär Beachtliches auf die Beine gestellt hat. Auch andere Größen der Wissenschaft verdanken ihr Dasein überaus kinderlieben Eltern, darunter Marie Curie, jüngstes von fünf Kindern, Otto Hahn, der als viertes Kind Hähnchen im Korbe war, und Alfred Nobel, die Nummer drei in der natürlichen Erbfolge.

Nörgler könnten einwenden, aber ein Johannes Kepler, der die Planentenbahnen erklärt und berechnet hat, wäre uns nicht verloren gegangen, denn der wurde als erster von sieben Geschwistern geboren. Aber, würde ich einwenden, sein Vater war das vierte Kind von Sebald Kepler, dem Bürgermeisters von Weil. Was wäre aus den Planetenbahnen geworden, wenn es ihn nicht gegeben hätte…? Immanuel Kants kategorischen Imperativ würde unser Gewissen nicht belasten, Friedrich Schillers „Bürgschaft“ hätte der bedingungslosen Freundschaft kein Denkmal gesetzt, wir hätten auf Karol Wojtyla alias Papst Johannes Paul II. verzichten müssen, ein Benedikt XVI. hätte nicht zurücktreten können, es gäbe keinen Konrad Adenauer, keinen Richard von Weizsäcker, keinen Helmut Kohl und nicht einmal einen Joschka Fischer.

Tacitus schrieb über unsere germanischen Vorfahren: „Je mehr Angehörige, je größer die Zahl der Anverwandten, desto angesehener ist das Alter: Kinderlosigkeit bringt nicht den mindesten Gewinn.“  So war das vor zweitausend Jahren. Hat nicht der Begriff Kinderreich hier seinen Ursprung? Im Laufe der Zeit sind wir Menschen offensichtlich anspruchsloser, auf jeden Fall ärmer geworden. Erst- und Zweitgeborene bevölkern die Lehreanstalten, sitzen in Akademien und greifen bereits für Mittelmäßiges Kunstpreise ab. In der Politik begnügen wir uns mit Angela Merkel, der Erstgeborenen einer braven Pfarrersfamilie, und mit Sigmar Gabriel, dem einzigen Kind eines Kommunalbeamten und einer Krankenschwester. Man muss sich einmal vorstellen, was aus einem vierten, fünften oder gar neunten Kind dieser Familien hätte werden können.

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