Soeben erschienen:

„Als ein gewisser Erich in den Himmel kam“

Eine Groteske und andere Satiren über den (vorläufig) letzten deutschen Diktator, über das Märchen von „Wir sind ein Volk“ und über viele  Ungereimtheiten aus dem deutsch-deutschen Alltag. Zudem: Vorsicht, bissige Kunde für Ostalgiker! Und ein bisschen aphoristischer Nonsens. Der wohlgemeinte Rat: lesen und wegwerfen (vor lachen). In einer Minute bei Amazon (eBook-Edition Kindle) heruntergeladen zum Einführungspreis von nur 2,68 €!

ErichHo

Leseprobe:

Die Story aus dem Löwengarten

Die Geschichte ist sehr alt, ein gewisser Friedrich Schiller hat sie niedergeschrieben und einfallslos „Der Handschuh“ genannt. Der Inhalt ist kaum erwähnenswert, die Verarbeitung antiquiert. Nehmen Sie nur den wenig spektakulären Beginn: „Vor seinem Löwengarten, das Kampfspiel zu erwarten, saß König Franz…“. Wen lockt das hinter dem Ofen vor? „Sensation im Löwengarten!“, „Kampfspiele gingen voll in die Hose!“ oder „Bestien blieben unnatürlich zahm!“ – das wären Schlagzeilen. Und wer ist König Franz…? Hätte es nicht wenigstens Kaiser Franz sein können? Eine Berichterstattung über den Vorfall sähe heute ganz anders aus.

Die Nachrichtenagentur meldet:

Eklat bei Kampfspielen

(dpa) Zu einem Eklat kam es am Wochenende bei den traditionellen Kampfspielen im Löwengarten. In Anwesenheit von König Franz und führenden Persönlichkeiten der Krone ließ eine Besucherin aus ihrer Loge einen Handschuh in die Arena fallen, in der sich ein Löwe, ein Tiger und zwei Leoparden befanden. Besagte Dame aus gehobenen Kreisen wandte sich mit der Bitte an einen Hofangestellten mittlerer Laufbahn, der unbestätigten Quellen zufolge in die junge Frau verliebt sein soll, ihr den Handschuh aufzuheben. Ohne auf die wilden Tiere zu achten, kam dieser der Aufforderung unverzüglich nach. Während das Publikum den Zwischenfall mit Unverständnis verfolgte, zeigte der junge Mann keinerlei Scheu vor den Raubtieren, die vor so viel Dreistigkeit wie gelähmt schienen. Er nahm den Handschuh, verließ den Käfig und warf ihn der Besitzerin ungalant mit der Bemerkung ins Gesicht: „Den Dank, Dame, begehr´ ich nicht!“ +++

Die „Berliner Zeitung“ schreibt auf Seite 5:

Machen die „Kampfspiele“ noch Sinn? Eine Antwort ist überfällig

(BZ/Eig.-Ber.) Da haben wir es wieder – alte Zöpfe gehören abgeschnitten. Ohne Wenn und Aber. Mehrfach schon charakterisierten wir diese anachronistischen Spiele, die an die Blütezeit von Roms Kolosseums erinnern, als Relikt der untergehenden Feudalordnung. Das rudimentäre Festhalten daran wurde unlängst einem jungen Bediensteten aus der Umgebung des regierenden Fürsten fast zum tödlichen Verhängnis.

Eine Mitarbeiterin der Staatskanzlei ließ während der so genannten Kampfspiele angeblich versehentlich einen Handschuh in den Käfig mit den wilden Tieren fallen und forderte von dem Bediensteten, ihr das Utensil zu bringen. Zu einem Fauxpas entwickelte sich die Angelegenheit, als der junge Mann unter Missachtung der Gefahr todesmutig den Käfig mit dem Löwen, dem Tiger und zwei Leoparden betrat, das Kleidungsstück an sich nahm, das Gehege verließ und der jungen Dame mit den Worten „Den Dank, Dame, begehr ich nicht“ ins Gesicht warf.

Vielleicht sollte den Veranstaltern des üblen Spiels mit den Gefühlen von Menschen einmal mehr die gefährliche Unsinnigkeit solcher Events klar werden.

BILD druckt:

Hofschranze in der Höhle des Löwen! Publikum betrogen? Die Bestien waren satt Von Fritz Schill

Sie sitzen wie zum Sprung. Ihre Mordlust ist ungezügelt. Löwen, Tiger, Leoparden! Gerade sollten die Kampfspiele beginnen, da fällt der Handschuh einer jungen Dame aus einer Loge zwischen die Bestien. Ihr Name: Edelgunde (24). Sie fordert den Hofangestellten Delorges (28) auf, ihr den Handschuh zu bringen. Edelgunde (101-61-91) will einen Beweis seiner Liebe erzwingen. Dann geschieht das Unfassbare! Die Besucher halten den Atem an. Delorges betritt furchtlos den Käfig. In den Augen der Raubkatzen funkelt es gefährlich. Im Bruchteil einer Sekunde könnten sie den jungen Mann zerreißen. (Siehe Seite 7: Die schlimmsten Fälle, in denen wilde Bestien Menschen zerfleischten.) Delorges, unbeeindruckt von der Gefahr, ergreift den Handschuh, verlässt den Raubtierkäfig aufrecht und stolz. Das Publikum steht unter Schock, atmet auf, als Delorges die Tür hinter sich geschlossen hat. Dann – Entsetzen auf den teuren Plätzen – wirft Delorges besagter Dame den Handschuh mit den Worten an den Kopf: „Den Dank, du gemeines Weibsstück, kannst du dir sonst wohin schieben!“ Jetzt wird zu klären sein, welches üble Spiel hier getrieben wurde. War die Sache mit dem Handschuh ein Fake? Waren die Tiere so satt, der junge Mann in Wirklichkeit nie in Gefahr und wurde das Publikum getäuscht? Verärgerte Zuschauer fordern ihre Eintrittsgelder zurück. BILD kämpft für Sie.

Die „Bunte“ interviewt die Betroffene:

Ein bisschen Spaß muss sein! Das beherzte Interview der Woche

Verehrte Edelgunde, es wird behauptet, Ihr Handschuh sei nicht zufällig in die Arena mit den wilden Tieren gefallen. Was sagen Sie dazu?

Ich bitte Sie, das war ein reines Vergnü… äh, Versehen. Ich hänge an den Handschuhen, die hat mir der König geschenkt, als ich…, äh, als wir… äh…, also, äh…

Das verstehe ich sehr gut. War das auch der Grund, weshalb Sie einen aufdringlichen Angestellten bei Hofe baten, er möge den Handschuh aufheben?

Nichts anderes als das. Sie sagen es. Und dieser Delorges stand mir sehr nahe, also mehr so in meiner Nähe…

Es heißt, Delorges – Sie kennen ihn offenbar – sei unsterblich in Sie verliebt. Wussten Sie davon?

Also, ich bitte Sie, ich führe doch kein Buch. Ich meine, ich kann doch nicht wissen, wer alles in mich verliebt ist. Woher auch? Da müsste ich ja Dutzende Handschuhe in die Arena werfen… äh, aus Versehen fallen lassen… Und wenn Sie meinen, er sei unsterblich verliebt, dann wundert es mich auch nicht, dass diese süßen Tierchen ihm nichts getan haben. Außerdem sollte man das nicht so hoch sterilisieren, bloß weil der keinen Spaß versteht.

Wird die rüde Rückgabe des Handschuhs an Sie Konsequenzen haben?

Aber nicht doch. Der König selber hat alles mit angesehen. Was könnte ich da noch tun sollen? Außerdem hat ihn der König bereits in die tiefste Provinz versetzt. Ich glaube, er ist bereits auf dem Weg nach München.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Soeben erschienen:

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