Die Rettung

 

Tag für Tag fährt ein Mann im Rollstuhl
zum Fluss mit dem steilen Hang,
träumt Geschichten aus großen Romanen,
sein Alltag ist einsam und lang.
Er träumt von Heldentaten,
die der Dichter ihm geschenkt.
Denn ein Unfall hat sein Leben
in unheldische Bahnen gelenkt.

 

Als er eines Tages wie üblich
die gewohnte Tour unternahm
und das Ufer des Flusses erreichte,
einen gellenden Schrei er vernahm.
Ein Kind schrie verzweifelt um Hilfe,
es rang mit des Wassers Flut.
Da vergaß der Mann im Rollstuhl
sein eigenes höchstes Gut.

 

Er fuhr an den Rand des Ufers,
kein Zögern gab es für ihn,
er stürzte um den Rollstuhl
und ließ in die Fluten sich ziehn.
Des Schwimmens mit Händen kundig,
bewältigte er die Gefahr
und zog den Jungen ermattet
bis an das Ufer gar.

 

Er selber blieb hilflos liegen,
als wenn ein Fisch er sei
und träumte vom Glück seines Lebens,
das längst noch nicht vorbei.
Die glänzende Rettungsmedaille –
er hat sie nie angetan.
Viel wichtiger ist ihm gewesen,
war er für sich selbst getan.
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Eingeordnet unter Satire

2 Antworten zu “Die Rettung

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