Die Sache mit dem Holzweg

Honeckers Streichungen – Was er hatte sagen wollen

25 Jahre nach dem Fall der Mauer in Berlin soll in dieser Dokumentation die Rede veröffentlicht werden, die der Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, zum Festempfang aus Anlass des 40. Jahrestages der DDR am Abend des 7. Oktober 1989 im Großen Saal des Palastes der Republik halten wollte. Die Rede, insgesamt 8 DIN A-5-Seiten, steckte in der Innentasche seines Jacketts. An der Tafel hatten mit ihm Michail Gorbatschow sowie die Staats- und Parteiführer aller anderen sozialistischen Länder und anderer mit der DDR befreundeter Staaten Platz genommen.

Abend071089PdR

Honecker hatte wenige Minuten zuvor die Demonstrationen und Proteste Tausender Frauen, Männer und Jugendlicher auf der Rückseite des Palastes und deren Rufe „Gorbi, hilf!“ und „Wir wollen raus!“ gesehen. Dichte Polizei- und Stasi-Ketten hinderten die friedlich demonstrierenden Massen am Zugang zum „Haus des Volkes“. Da ich die haargenaue Kopie des Originals der Rede kurz vor der Veranstaltung zum Vergleichen bekommen hatte, kann die Kürzung der Rede nur unmittelbar vor dem Festempfang durch Honecker selbst geschehen sein. Er verlas nur die Einleitung und den Schluss der Rede. Die für ihn wichtigsten politischen Aussagen schienen ihm im Hals stecken geblieben zu sein. Fünf Seiten seiner Festansprache blieben in seinem Jackett stecken. Auch jener Satz, der alle im Westen auf den Holzweg verweist, die den Sozialismus für gescheitert erklären.

Hier der originale Text seiner Rede und im Anschluss daran die tatsächlich ausgebrachten Begrüßungsworte.

Rede1  Rede2

Rede3  Rede4

Rede5  Rede6

Rede7  Rede8

Und hier die tatsächliche Rede Erich Honeckers:

Liebe Freunde und Genossen!
Meine Damen und Herren des Diplomatischen Korps!
Liebe Gäste!
Es ist mir eine große Freude, Sie anlässlich dieses festlichen Empfangs zu Ehren unseres Nationalfeiertages recht herzlich zu begrüßen.
Wir möchten Ihnen allen, verehrte ausländischen Gäste, recht herzlich danken, dass Sie an den Feierlichkeiten aus Anlass des 40. Jahrestages der Deutschen Demokratischen Republik auch im fünften Jahrzehnt ihrer Existenz ein bedeutender, zuverlässiger Friedensfaktor im Zentrum Europas sein wird. Unsere Freunde in aller Welt seien versichert, dass der Sozialismus auf deutschem Boden, in der Heimat von Marx und Engels, auf unerschütterlichen Grundlagen steht.
Ich bitte Sie, mit mir das Glas zu erheben und zu trinken auf
  • die internationale Solidarität und Zusammenarbeit,
  • den Frieden und das Glück der Völker,
  • auf den 40. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik.
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Tietelbild Geschichten

 

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Ein Kommentar

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