Die weisen Worte eines unvergessenen Politikers – Herbert Wehner

Am 19. Januar 2015 jährte sich zum 25. Mal der Tod des legendären Parlamentariers und SPD-Politikers Herbert Wehner. Über viele Jahre hatte er an der Seite Willy Brandts als Fraktionschef im Deutschen Bundestag die Politik mitbestimmt. Herbert Wehner war einer der wortgewaltigsten deutschen Politiker des 20. Jahrhunderts. Der „Zuchtmeister“ der SPD, wie ihn manche nannten, gehörte 34 Jahre zum Bonner Parlament und handelte sich in dieser Zeit 78 Ordnungsstrafen für seine „ungebührlichen“ aber mitunter so treffenden Zwischenrufe ein. Berühmt sind in diesem Zusammenhang seine eigenwilligen Sprachschöpfungen, seine von vielen Kolleginnen und Kollegen gefürchteten Geistesblitze.

Dafür einige Beispiele:

„Abgeordnete sind nur ihrem Gewissen unterworfen! Dies gilt nicht für Minister, die haben keines!“

(Am 4. Mai 1956 über Mitglieder aus dem Kabinett Adenauer)

„Sie werden noch die Maulsperre kriegen. Das ist auch eine Krankheit.“

(Am 30. Januar 1970 zu Jürgen Wohlrabe, CDU/CSU)

„Übelkrähe“

(Am 14. Oktober 1970 zu Jürgen Wohlrabe, CDU/CSU)

„Sie sind ein Spöckenkieker.“

(Am 23. August 1971 zu Hermann Höcherl, CDU/CSU)

„Ihr Charme und mein sozialisti­sches Herz, das passt zusammen.“

(Am 19. Januar 1972 zu Margot Kalinke, CDU/CSU)

„Sie reden, als hätten Sie Theaterrezensent werden wollen.“

Wrangel (CDU): „Theaterrezensent ist ein ehrenwerter Beruf.“

Wehner: „Des­halb sind Sie es auch nicht geworden.“

(Am 26. April 1972 zu Olaf Baron von Wrangel, CDU/CSU)

„Sie machen heute Ihre Reifeprü­fung in Demagogie.“

(Am 21 Juni 1972 zu Paul Mikat, CDU/CSU)

„Schönen Dank. Herr Präsident, dass Sie erwacht sind.“

(Am 6. April 1973 zu Bundestagsvizepräsident Hermann Schmitt-Vockenhausen, SPD)

„Waschen Sie sich erst einmal! Sie sehen so ungewaschen aus.“

(Am 20. März 1975 zu Reiner Möller, CDU/CSU)

„Hodentöter“

Am 11. Mai 1976 zu Jürgen Todenhöfer CDU/CSU)

„Der Mann ist eine völlige Null!“

(Am 10. November 1977 zu Friedrich-Adolf Jahn, CDU/CSU)

„Sie haben höchstens ein Hinterteil, aber kein Gegenteil.“

(Am 16. März 1978 zu Albrecht Hasinger, CDU/CSU)

„Wenn man Sie sieht, vergeht einem die Lust am Kinderkriegen.“

(Am 25. Januar 1979 zum Michael Gloß, CDU/CSU)

„Lassen Sie mich doch in Ruhe, Sie Gnom.“

(am 8. November 1979 zu Volker Rühe, CDU/CSU)

„Nun lassen Sie mich doch ausre­den, Sie Düffel-Doffel da.“

(Am 20. März 1980 zur CDU/CSU-Fraktion)

„Morgenstunde hat Schaum im Munde.“

(Am 2. Juni 1981 zu Erich Riedl, CDU/CSU)

„Sie verwechseln wohl den Bundes­tag mit der Oktoberwiesn, Sie Fla­schenkopf!“

(am 12. November 1981 zu Erich Riedl, CDU/CSU)

„Nehmen Sie wenigstens die Hand aus der Tasche! Sie Taschenspieler.“

(Am 19. Januar 1982 zu Manfred Abelein, CDU/CSU)

„Sie sind doch ein misslungener Con­ferencier.“

(Am 14.Dezember 1982 über Bundestagsvizepräsident Richard Wurbs, FDP)

 

Wie weit vorausschauend Herbert Wehner als ehemaliger kommunistischer Spitzenfunktionär, der während des Zweiten Weltkrieges aus dem berüchtigten Hotel Lux in Moskau in die Emigration nach Schweden geschickt wurde und dort zur deutschen Sozialdemokratie wechselte, die Situation im Ostblock und speziell in der DDR einschätzte, belegt ein Interview, das Günter Gaus mit ihm 1964 führte. Darin sagte er:

„Das SED-Experiment wird fürch­terlich enden, mit einem moralischen Katzengejammer und einer sittlichen Vernichtung derer, die einmal aus ehrlichen Absichten kommunistische oder sozialistische Vorstellungen sol­cher Art zu realisieren versucht ha­ben.“

{Am 8. Januar 1964 im Gespräch mit Günter Gaus im ZDF)

 

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