Winkelmann, das war´s

Mit 87 Jahren starb Mitte April 2015 in Berlin der ehemalige Abteilungsleiter Internationale Verbindungen im ZK der SED und langährige Botschafter der DDR in der UdSSR, Dr. Egon Winkelmann. Ich habe ihn oft erlebt und seinen freundlichen, unorthodoxen Umgang mit Journalisten geschätzt. Er war nie belehrend, beantwortete Fragen nie nebenbei, spielte die Rolle eines SED-Funktionärs also ziemlich schlecht. Das machte ihn sympathisch. Er war übrigens der Nachfolger des in Libyen 1978 zusammen mit Werner Lamberz bei einem Hubschrauberabsturz tödlich verunglückten ZK-Abteilungsleiters Paul Markowski. 1981 wurde Winkelmann Botschafter in Moskau, bis er 1987  abgelöst und auf den weniger bedeutenden Posten des Generalsekretärs der Liga für Völkerfreundschaft „abgeschoben“ wurde. Wenige Jahre nach der friedlichen Revolution traf ich ihn und erfuhr, unter welchen Bedingungen sein Rausschmiss aus dem diplomatischen Dienst erfolgte. Für Honecker war der Sohn eines Landwirts, der als junger Redakteur beim Mitteldeutschen Rundfunkt arbeitete und nach mehreren Studien in der Außenpolitik landete und zunächst Botschafter in Nordkorea war, zu sehr von den Reformen des Generalsekretärs der KPdSU Michail Gorbatschow infiziert.

WinkelmannBotschafter Dr. Egon Winkelmann mit Kosmonaut Alexej Leonow, der als erster Mensch frei im Weltraum schwebte, 1986 in Moskau

Mit großem Interesse las ich seine Aufzeichnungen in dem Buch „Moskau, das war´s“, das in den Neunzigerjahren im Verlag Edition Ost erschienen ist und in dem die Rolle Honeckers dargestellt wird, der sich vor „Perestroika“ und „Glasnost“ regelrecht ekelte. Vielleicht sollten die Biografien auch solcher Persönlichkeiten wie Egon Winkelmann, die sich trotz innerer Widerstände und Ablehnungen mit eiserner Disziplin der reinen Lehre von einer angeblich angestrebten besseren Welt verpflichtet fühlten, mehr Beachtung geschenkt werden. Manch einer würde interessante Parallelen finden und möglicherweise Schlussfolgerungen ziehen. Dann hieße es nicht nur: Winkelmann, das war´s!

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Winkelmann, das war´s

  1. Jens Winkelmann

    Danke für den freundlichen Text zu meinem Vater. Jens Winkelmann (auch unter twitter (Jens7berlin)

  2. Pingback: Inhalt | Klaus Taubert

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