Beate-Uhse-Stadt Strausberg

Die weniger bekannte Erfolgs-Geschichte einer bekannten Unternehmerin – Ein Blick in das Flugplatz-Museum

 

Man sollte annehmen, Strausberg – einst Sitz des Verteidigungs-Ministeriums der DDR mit vielen Wohnungen für hohe und höhere ehemalige und heutige Offiziere – und Beate Uhse, das geht nicht zusammen. Und doch geht das besser zusammen als man glaubt.

Beate Uhse, als Beate Köstlin in der Familie einer Ärztin und eines Gutsbesitzers 1919 in Wargenau (Ostpreußen) zur Welt gekommen, hat viele Jahre in Strausberg verbracht und der Stadt zeitlebens die Treue gehalten. Ihre Mutter war übrigens eine der ersten drei Ärztinnen in Deutschland und gewissermaßen eine Wegbereiterin sowie Vorbild für die Tochter.

????????????????????????????????????Flugplatz Strausberg mit dem gegenüber liegenden Museum

????????????????????????????????????Auf Internaten ausgebildet, wurde sie mit 15 bereits hessische Meisterin im Speerwerfen und ging mit 16 ein Jahr als Au-pair nach England, um die Sprache zu lernen. Mit 17 hatten es ihr die Eltern erlaubt, dass sie ihren Traumberuf ergreift und Pilotin wird. An der Reichsmotorflugschule in Rangsdorf bei Berlin erwarb sie als einziges Mädel unter Männern den Pilotenschein. Ab Ende 1937 war sie Einfliegerin im Flugzeugreparaturwerk Alfred Friedrich in Strausberg, für das sie mehr als 700 Schulflugzeuge einflog.

Als junge Frau übernahm sie im Zweiten Weltkrieg die Aufgabe, deutsche Jagdflugzeuge zu den Frontflugplätzen zu bringen. In dieser Zeit fiel ihr Ehemann Hans-Jürgen Uhse, einer ihrer Fluglehrer und spätere Staffelkapitän in einem Nachtjagdgeschwader, den sie mit 20 Jahren geheiratet hatte. Als die Rote Armee Berlin bereits eingekesselt hatte, flüchtete sie mit der allerletzten noch flugtauglichen Maschine zusammen mit ihrem 1943 geborenen ersten Sohn, dem Kindermädchen und mehreren Verwundeten nach Flensburg in Schleswig-Holstein, ihrer künftigen engeren Heimat.

Beate Uhse gilt als Pionierin des fliegerischen Fortschritts in der Luftfahrt, die als junge Frau bereits bahnbrechende Leistungen in einem bis dahin den Männern vorbehaltenen Beruf vollbrachte.

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1994Strausb

Beate Köstlin als 17-jährige Flugschülerin in Rangsdorf und als fast 75-jährige Unternehmerin  Beate Uhse 1994 nach der Landung  mit ihrer Maschine in Strausberg

Das Andenken an die Kunstfliegerin wird in dem zum Flugplatz Strausberg gehörenden Museum mit vielen Details gewürdigt. Die Modelle zahlreicher Fluggeräte, die Beate Uhse eingeflogen und übergeführt hat, sowie Details aus ihrem Leben sind anschaulich dargestellt. Die erfolgreiche Unternehmerin aus Flensburg, die weltweit den ersten Sex-Shop gründete, war bis zu ihrem Tod im Jahr 2001 Strausberg sehr verbunden. 1994 landete sie mit knapp 75 Jahren ihre Maschine genau 50 Jahre nach ihrem letzten Überführungs-Flug in Strausberg, wo sie von den Bewohnern herzlich willkommen geheißen wurde. Übrigens: Wenn schon nicht die Stadt, so könnte doch der Flugplatz einen Namen gebrauchen, warum nicht „Beate-Uhse-Flugplatz“? In einer Stadt, in der mit Sigmund Jähn der erste Deutsche im  Weltraum zu Hause ist, wäre eine Erinnerung an eine Pionierin der Luftfahrt nur angemessen.

Neue Attraktion vorgestellt

DSC_0423

Das erneuerte alte Schmuckstück AN-2 verlässt die Montagehalle…

DSC_0457

...und wird auf den Flugplatz transportiert, wo sie…

DSC_0460…unmittelbar unter dem Tower ihren neuen Platz für die Besichtigung durch Museumsbesucher erhält

Das alles ist nur ein Ausschnitt aus dem sehenswerten, 2008 eröffneten Flugplatz-Museum, das im Mai 2015 um eine weitere Attraktion bereichert wurde. Auf der Freifläche vor dem Tower wurde eine AN-2 aufgestellt, deren Geschichte seit den Fünfzigerjahren eng mit dem Flugplatz verbunden ist. Das 1968 in Polen mit sowjetischer Lizenz hergestellte Fluggerät war ursprünglich für die Landwirtschaft konzipiert worden. Die ausgestellte Maschine diente jedoch der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) auf dem Flugplatz Schönhagen zur Ausbildung. Nach der Wiedervereinigung wurde sie für Rundflüge bzw. Personentransporte genutzt. Im August 2013 musste sie nach einem Start auf dem Flugplatz Bienenfarm in Richtung Heringsdorf wegen Triebwerksausfall auf einem Acker notlanden, wobei sie sich – mit glimpflichen Ausgang für die angeschnalltenPassagiere – überschlug.

Horst Hörmann vom Förderverein Flugplatzmuseum ergriff die Initiative, um das Wrack für das  Museum wieder aufzubauen, zumal Maschinen dieses Typs über Jahrzehnte auf dem Flugplatz Strausberg zum Einsatz gekommen waren. Seit 2013 haben Flugzeugexperten und interessierte Laien  ihre „Anna“, wie die AN bei Fliegern heißt, in einen originalen Zustand versetzt, damit sie beim Flugplatzfest zum 775. Stadtjubiläum von Strausberg vorgezeigt werden konnte. Landrat Gernot Schmidt, Kreistagsvorsitzende Sibylle Bock und Bürgermeisterin Elke Stadeler zollten in kurzen Ansprachen allen Beteiligten hohe Anerkennung. Andreas Gagel übernahm als neuer Eigentümer die Dokumentation samt Bordbuch.

  DSC_0436Ehrung der Experten, die sich für den Wiederaufbau der Maschine Verdienste erwarben

Zwar nicht mehr flugfähig aber ausstellungswürdig auf jeden Fall, vollzog die „Anna“ am 21. Mai 2015 ihrem „Roll out“. Auch der erste Deutsche im Weltall, Sigmund Jähn, Ehrenbürger der Stadt, und viele weitere Gäste spendeten dem Förderverein des Museums mit ihrer Anwesenheit Achtung und Anerkennung.

DSC_0418Die Strausberger Bürgermeisterin (l.),die Chefin des Kreistages und der Landrat von Märkisch-Oderland erlebten das „Roll out“ der AN-2 mit

JähnAuch Sigmund Jähn war interessierter Beobachter beim „Roll out“

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