Auch in Rüdersdorf „kammer gut“

Eine Kommune stellte eine Weltoperette auf die eigenen Bretter

Am Sonntag dem 19. Juli 2015 – der Wetterbericht hatte neben Starkregen und Sturm sogar Hagel prophezeit – waren die rund 300 Plätze vor der Freilichtbühne im Museumspark von Rüdersdorf voll besetzt. Angekündigt war die letzte der fünf Aufführungen einer der weltweit meistgespielten Operetten: „Im weißen Rössl“ von Ralph Benatzky. Der Regisseur des musikalischen Lustspiels, Stephan Wapenhans, verkündete eingangs, mit den Mächten übereingekommen zu sein, dass es die nächsten Stunden nicht regnen werde. Alles, was er versprochen hatte, traf ein. Auch viel Spaß und Freude an der Inszenierung, die zu den gelungensten gehört, die ich – zum vierten Mal beim „Rössl“ – bisher erlebt habe.

Das lag nicht nur an dem verheißungsvollen Namen Patrick Lindner, der nach einer guten Stunde als Kaiser Franz Joseph II. per Schiff über den Wolfgangsee (hier ein Rüdersdorfer Kanal direkt am Freilichttheater) eintrudelte und vehement empfangen wurde, es lag am ganzen Ensemble. Mit hochkarätigen Stimmen besetzt, seien hier Ilonka Vöckel als Wirtin, Stephan Wapenhans als Zahlkellner Leopold, der urkomische Erwin Bruhn als Berliner Unternehmer Gisecke und Leticia Thate als seine quirlige Tochter sowie Ansgar Matthes als Rechtsanwalt, Frank Fiegler als knausriger Professor und Sandra Miklautz (die auch die Choreographie besorgte) als Tochter Klärchen hervorgehoben.

Bis hin zum Stubenmädchen über den Gärtner, vom Piccolo bis zur Briefträgerin war kaum auszumachen, wer der Operette beruflich oder als Hobby frönt. Hervorgehoben sei die großartige Ensembleleistung mit viel Esprit, Witz und überraschenden choreographischen Einfällen. Professionell eingebaut waren die Seniorentanzgruppe Neuenhagen, die Showgruppe Rüdersdorf International, und selbst die Schuhplattler aus München passten gut in die launige Umgebung des Wirtshauses im Salzkammergut. Die Einbeziehung der örtlichen Laienkünstler in das Stück war ein Gewinn, die sparsam gehaltene Orchesterbesetzung (musikalische Leitung Stefanie Bremerich) kein Nachteil.

Örtliche Unternehmen, so  die Baufirma Schröder, haben für das Bühnenbild gesorgt und anderweitig dem ganzen Unternehmen zum Glanz verholfen, so dass in fünf Vorstellungen mehr als 1500 Besuchern voll auf ihre Kosten kamen. Bürgermeister André Schaller, der in seinem Dank niemanden ausließ, übergab nach einer kleinen Dankesrede zum Schluss neben Blumen das Versprechen, für ähnliche Events auch im kommenden Jahr wieder zu sorgen.

Ich möchte das Projekt an dieser Stelle würdigen, weil es nicht selbstverständlich ist, dass eine Kommune so viel Power entwickelt, um Events auf die Beine zu stellen, von denen man nicht nur in der eigenen Gemeinde spricht.

SAM_0585Das Publikum bei der fünften und letzten Vorstellung

SAM_0618Urkomisch: Erwin Bruhn als Berliner Unternehmer mit großer Klappe

SAM_0662Als Wirtin Josepha bedient Ilonka Vöckel (eine Schülerin von Ingeborg Hallstein) den Kaiser (Patrick Lindner)

SAM_0683 Begeisterte das Publikum als Regisseur und Zahlkellner Leopold (Mitte)

SAM_0593Mit Leidenschaft auch dabei als PiccoloEnrico Rietmüller, als Stubenmädchen Jana Franzke und als Gärtner Christian Piesk (linke Seite)

SAM_0595Die Melodien wurden von vielen im Publikum leise mitgesummt

SAM_0607Viel Beifall gab es auch für den „Rechtsverdreher“ Ansgar Matthes

SAM_0689Im nächsten Jahr wird das Publikum einen Maßstab anlegen, den es hier geholt hat

SAM_0714Der Dank von Bürgermeister André Schaller zog sich eine ganze Weile hin, weil es eine Menge zu würdigen gab

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Auch in Rüdersdorf „kammer gut“

  1. Jan D. Jach

    Sehr geehrter Herr Taubert,
    danke für Ihre fundierte und positive Kritik. Die Macher des Operettensommers in Rüdersdorf engagieren sich seit 4 Jahren für dieses Genre und haben letztes Jahr mit „Messeschlager Gisela“ ein sehr sehenswertes Stück des Autors Gerd Natschinski, auch in seinem Beisein, auf die Bühne gestellt.
    Wir würden uns sehr freuen wenn sie das Geschehen in Rüdersdorf weiter journalistisch begleiten und weisen auf die Produktionen „DSCHUNGELBUCH“ vom PELE Musicalcamp und auf die Regionalrevue „Liebe unterm Glockenturm“ hin.
    Jan D. Jach
    Kulturbüro Rüdersdorf

    • Ich bemühe mich, interessante Ereignisse, Aufführungen, Laienkunst mit Anspruch usw. zu entdecken. Und wenn es mir gefällt, halte ich mit meiner Meinung nicht zurück. Ich muss nur immer rechtzeitig erfahren, was, wann, wie los ist. Dann gerne.

  2. Pingback: Inhalt | Klaus Taubert

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