Königliches Neutrebbin

Es gibt nicht viele Orte, deren Gründung auf königliches Geheiß erfolgte. Neutrebbin im Oderbruch gehört dazu. Nach der Umleitung der Oder in den Jahren von 1748 bis 1753 war so viel fruchtbares Land gewonnen worden, dass etwa fünfzig neue Dörfer entstehen konnten, einige davon auf Order Friedrichs des Großen, darunter 1754-1757 Neutrebbin. Bald schon bevölkerten 131 Familien das langgestreckte typische Kolonistendorf. In den folgenden Jahrzehnten siedelten hier Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibende, die den Ruf der Gemeinde weit ins preußische Land trugen.

DSC_0689Am Ortseingang von Neutrebbin, eines von vielen  vorzüglich erhaltenen Fachwerkhäusern

Zum 150. Jahrestag seiner Gründung wurde im Jahr 1904 ein Denkmal mit der Statue des „Alten Fritz“ aufgestellt, die ab 1952 auf mysteriöse Weise verschwand. 1954 wurde die heutige Statue Friedrichs des Großen in Lauchhammer neu gegossen und auf einen schmuckvollen Sockel gehoben, auf dem der Spruch des Königs steht: „Hier habe ich im Frieden eine Provinz erobert, die mir keinen Soldaten gekostet hat.“

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Originalgetreuer Nachguss des 1904 aufgestellten Denkmals für Friedrich II., den Gründer von Neutrebbin, das 1952 verschwunden war.  Das Original stammte von Heinrich Wefing. Die Kopie schuf Roland Rother.  Oben: Die von Karl Friedrich Schinkel beeinflusste Kirche von Neutrebbin

Eine besondere Attraktion ist die 1817 eingeweihte Dorfkirche, deren Architektur von Karl Friedrich Schinkel überarbeitet worden war. Beachtenswert sind die im Jahr 2005 aufgehängten Bildtafeln, die eine vollzählige Kopie des berühmten spätgotischen Isenheimer Altars darstellen, der sich im Museum Unterlinden von Colmar im Elsass befindet. Ursprünglich war der Wandaltar, bestehend aus sieben Einzel- und zwei Doppelteilen, wandelbar, so dass je nach Festzeit die Bilder im Altarbereich angepasst werden konnten.

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DSC_0728 Kopie des Isenheimer Altars in der Neutrebbiner Kirche

DSC_0715Kunstvolle Begräbnisstätte auf dem Neutrebbiner Friedhof rund um die Kirche: Von Arno Breker 1940 aus Kalkstein geschaffener schreitender Christus

Heute hängen die einzelnen Teile zu beiden Seiten des Kirchenschiffs. Der Wandaltar ist eine Leihgabe des Textilfabrikanten Alois Fischer, der den badischen Kunstmaler und Bildhauer Franz Bannholzer für die Anfertigung der Kopie gewonnen hatte. Der Künstler, der 2001 gestorben ist, arbeitete 17 Jahre an diesem beeindruckenden Werk. Das Original wird dem Würzburger Meister Mathis Grünewald, auch Gothard-Nithart genannt, für die Zeit des beginnenden 16. Jahrhunderts zugeschrieben.

Übrigens wurde Neutrebbin mit seinen heute knapp anderthalb Tausend Einwohnern im Jahr 1998 als schönstes Dorf Brandenburgs ausgezeichnet.

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