Honeckers „Kahlschlag“-Rede

Vor 50 Jahren gingen die Gegner von Reformen in der DDR in die Offensive

 

Auszug aus Erich Honeckers „Kahlschlag“-Rede am 15. Dezember 1965 auf dem 11. Plenum des ZK der SED, die einer von Ulbricht eingeleiteten liberaleren Jugendpolitik ein Ende bereitete und dem „Tauwetter“ auf vielen Gebieten von Kunst und Kultur Einhalt gebot. Der orthodoxe Apparatschik-Flügel um „Kronprinz“ Honecker fürchtete um seinen Einfluss in der Wirtschaft, unter der Jugend, in Kultur und Gesellschaft insgesamt. Im Grunde zielten Honeckers Angriffe, die von seinem Jagdfreund, dem Kreml-Chef Leonid Breshnew unterstützt wurden, auf die von Ulbricht eingeleiteten Wirtschaftsreformen, die sich vom sowjetischen Weg einer strengen zentralistischen Regulierung unterschieden und in einem Land des Warschauer Vertrags der Volkswirtschaft erstmals Möglichkeiten marktwirtschaftlichen Wirkens eröffneten.

Da dieses 11. Plenum eigentlich den Perspektivplan der Volkswirtschaft behandeln sollte, suchte Honecker den Weg über Nebenschauplätze, um Ulbrichts Politik zu unterminieren. Wenige Tage zuvor hatte sich der Hauptakteur der Reformpolitik, der ehemalige Raketenspezialist unter Wernher von Braun und in der Sowjetunion, Erich Apel, das Leben genommen (siehe auch: „Das tragische Ende eines Reformers – Zum Freitod Erich Apels“ und „Das Ende einer Ära – Wie Honecker und Co. Wirtschaftsreformen  in der DDR  verhinderten“).

Anfang der Siebzigerjahre waren mit Honeckers Machtantritt die Reformen endgültig gescheitert. Eine verfehlte Wirtschaftspolitik, die sich über Jahre mit der müsam geschaffenen Substanz über Wasser hielt, führte in Verbindung mit der zentralisierten Bevormundung eines unkontrollierten Parteiapparates zum Scheitern des Experiments „entwickelte sozialistische Gesellschaft“.

Hier der Auszug aus der mehrstündigen Rede Honeckers, die die DDR veränderte: (Zwischenüberschriften und Hervorhebungen im folgenden Rede-Ausschnitt Honeckers entstammen dem „Neuen Deutschland“ vom 16. Dezember 1965)

„Ein sauberer Staat mit unverrückbaren Maßstäben

Unsere DDR ist ein sauberer Staat. In ihr gibt es unverrückbare Maßstäbe der Ethik und Moral, für Anstand und gute Sitte. Unsere Partei tritt entschieden gegen die von den Imperialisten betriebene Propaganda der Unmoral auf, die das Ziel verfolgt, dem Sozialismus Schaden zuzufügen. Dabei befinden wir uns in voller Übereinstimmung mit der Bevölkerung, der DDR und der überwiegenden Mehrheit der Menschen in Westdeutschland. In den letzten Monaten gab es einige Vorfälle, die unsere besondere Aufmerksamkeit erforderten. Einzelne Jugendliche schlossen sich zu Gruppen zusammen und begingen kriminelle Handlungen; es gab Vergewaltigungen und Erscheinungen des Rowdytums. Es gibt mehrere Fälle ernster Disziplinverstöße beim Lernen und in der Arbeit. Studenten, die zum Ernteeinsatz waren, veranstalteten Saufgelage im Stile des westdeutschen reaktionären Korpsstudententums. Die Arbeitsmoral während des Einsatzes war bei einigen Gruppen von Studenten schlecht. Hier zeigt sich wiederum der negative Einfluss von Westfernsehen und Westrundfunk auf Teile unserer Bevölkerung. Wir stimmen jenen zu, die feststellen, dass die Ursachen für diese Erscheinungen der Unmoral und einer dem Sozialismus fremden Lebensweise auch in einigen Filmen, Fernsehsendungen, Theaterstücken, literarischen Arbeiten und in Zeitschriften bei uns zu sehen sind. Es häuften sich in letzter Zeit auch in Sendungen des Fernsehfunks, in Filmen und Zeitschriften antihumanistische Darstellungen. Brutalitäten werden geschildert, das menschliche Handeln auf sexuelle Triebhaftigkeit reduziert.

Den Erscheinungen der amerikanischen Unmoral und Dekadenz wird nicht offen entgegengetreten. Das gilt besonders für den Bereich der heiteren Muse und der Unterhaltung, für einzelne literarische Arbeiten und leider auch für viele Sendungen im „DT 64″. In einigen während der letzten Monate bei der DEFA produzierten Filmen, „Das Kaninchen bin ich“ und „Denk bloß nicht, ich heule“, im Manuskript des Bühnenwerkes „Der Bau“, veröffentlicht in „Sinn und Form“, in einigen Fernsehproduktionen und literarischen Veröffentlichungen zeigen sich dem Sozialismus fremde, schädliche Tendenzen und Auffassungen. In diesen Kunstwerken gibt es Tendenzen der Verabsolutierung der Widersprüche, der Missachtung der Dialektik der Entwicklung, konstruierte Konfliktsituationen, die in einen ausgedachten Rahmen gepresst sind. Die Wahrheit der gesellschaftlichen Entwicklung wird nicht erfasst. Der schöpferische Charakter der Arbeit der Menschen wird negiert. Dem einzelnen stehen Kollektive und Leiter von Partei und Staat oftmals als kalte und fremde Macht gegenüber. Unsere Wirklichkeit wird nur als schweres, opferreiches Durchgangsstadium zu einer illusionären schönen Zukunft — als „die Fähre zwischen Eiszeit und Kommunismus“ (Heiner Müller: „Der Bau“) angesehen. Einige „Philosophen des Widerspruchs“ behaupten, sie hätten die Fähigkeit für sich allein gepachtet, Konflikte aufzuspüren und zu verallgemeinern. Sie tun fast so, als könnten die Menschen durch die Popularisierung von Schwierigkeiten leben und satt werden. …

Kein Platz für spießbürgerlichen Skeptizismus

Im Namen einer „abstrakten Wahrheit“ konzentrieren sich diese Künstler auf die Darstellung von angeblichen Mängeln und Fehlern in der Deutschen Demokratischen Republik. Einige Schriftsteller sind der Meinung, dass die sozialistische Erziehung nur durch die summierte Darstellung von Mängeln und Fehlern erfolgreich sein kann. Sie bemerken nicht, dass die Wirkung ihrer Kunstwerke nach rückwärts zerrt und die Entwicklung des sozialistischen Bewusstseins der Werktätigen hemmt. Wie soll denn eine Ideologie des „spießbürgerlichen Skeptizismus ohne Ufer“ den Werktätigen helfen? Den Anhängern dieser Ideologie, die halbanarchistische Lebensgewohnheiten vertreten und sich darin gefallen, viel von „absoluter Freiheit“ zu reden, möchten wir ganzen offen erklären: Sie irren sich, wenn sie die Arbeitsteilung in unserer Republik so verstehen, dass die Werktätigen die sozialistisch Gesellschaftsordnung aufopferungsvoll aufbauen und andere daran nicht teilzunehmen brauchen, dass der Staat zahlt und andere das Recht haben, den lebensverneinenden, spießbürgerlichen Skeptizismus als alleinseligmachende Religion zu verkünden. Es gibt eine einfache Rechnung: Wollen wir die Arbeitsproduktivität und damit den Lebensstandard weiter erhöhen, woran doch alle Bürger der DDR interessiert sind, dann kann man nicht nihilistische, ausweglose und moralzersetzende Philosophien in Literatur, Film, Theater, Fernsehen und in Zeitschriften verbreiten. Skeptizismus und steigender Lebensstandard beim umfassenden Aufbau des Sozialismus schließen einander aus. Und umgekehrt: Eine von unserer sozialistischen Weltanschauung ausgehende vielfältige, lebensnahe, realistische Kunst und Literatur sind gute Weggefährten und Wegbereiter für die arbeitenden Menschen in unserer Deutschen Demokratischen Republik.

Die aktive Rolle der Kunst und Literatur besteht gerade darin, die Überwindung der Widersprüche auf der Grundlage unserer sozialistischen Bedingungen im bewussten Handeln der Menschen durch die konstruktive Politik von Partei und Staat künstlerisch zu erfassen.

Wir sind selbstverständlich nicht gegen die Darstellung von Konflikten und Widersprüchen, wie sie beim Aufbau des Sozialismus auftreten. Wir sind nicht für eine oberflächliche Widerspiegelung der Wirklichkeit. Uns geht es um den parteilichen Standpunkt des Künstlers bei der politischen und ästhetischen Bewertung unserer Wirklichkeit und damit auch um sein aktives Mitwirken bei der Darstellung der Konflikte und ihrer Lösungen im Sozialismus. Die Orientierung auf die Summierung von Fehlern, Mängeln und Schwächen wird von Kreisen genährt, die daran interessiert sind, gegenüber der Politik der DDR Zweifel zu erwecken und die Ideologie des Skeptizismus zu verbreiten. Zu diesen Kreisen gehört zum Beispiel Wolf Biermann. In einem Gedichtband, der im Westberliner WagenbachVerlag erschien, hat Biermann die Maske fallen lassen. Im Namen eines schlecht getarnten spießbürgerlich-anarchistischen Sozialismus richtet er scharfe Angriffe gegen unsere Gesellschaftsordnung und unsere Partei. Mit seinen von gegnerischen Positionen geschriebenen zynischen Versen verrät Biermann nicht nur den Staat, der ihm eine hochqualifizierte Ausbildung ermöglichte, sondern auch Leben und Tod seines von den Faschisten ermordeten Vaters. Biermann wird systematisch vom Gegner zum Bannerträger einer sogenannten literarischen Opposition der DDR, zur Stimme der „rebellischen Jugend“ gemacht. Davon zeugen Sendungen westdeutscher Rundfunkstationen, Berichte in der westdeutschen Presse und Rezensionen zu seinem in Westberlin erschienenen Gedichtband. Biermann wird dort als ein „äußerst freimütiger und kühner Kritiker des mitteldeutschen Regimes“ gefeiert. Biermanns sogenannte Gedichte kennzeichnen sein spießbürgerliches, anarchistisches Verhalten, seine Überheblichkeit, seinen Skeptizismus und Zynismus. Biermann verrät heute mit seinen Liedern und Gedichten sozialistische Grundpositionen. Dabei genießt er wohlwollende Unterstützung und Förderung einiger Schriftsteller, Künstler und anderer Intellektueller. Es ist an der Zeit, der Verbreitung fremder und schädlicher Thesen und unkünstlerischer Machwerke, die zugleich auch stark pornographische Züge aufweisen, entgegenzutreten. Es stärkt nicht die Autorität des Deutschen Schriftstellerverbandes und anderer Organisationen, wie zum Beispiel des Deutschen Kulturbundes, wenn sie sich nicht mit diesen Machwerken auseinandersetzen.

Die Partei – die führende Kraft

Werktätige haben in Briefen gegen Stefan Heym Stellung genommen, weil er zu den ständigen negativen Kritikern der Verhältnisse in der DDR gehört. Er ist offensichtlich nicht bereit, Ratschläge, die ihm mehrfach gegeben worden sind, zu beachten. Er benutzt sein Auftreten in Westdeutschland zur Propagierung seines Romans „Der Tag X“, der wegen einer völlig falschen Darstellung der Ereignisse des 17. Juni 1953 von den zuständigen Stellen nicht zugelassen werden konnte. Er schreibt Artikel für im Westen erscheinende Zeitschriften und Zeitungen, in denen er das Leben in der Sowjetunion und in der DDR falsch darstellt. Er gibt vor, nur der Wahrheit das Wort zu reden, womit er aber die westlich orientierte „Wahrheit“ meint. Die „Wahrheit“, die er verkündet, ist die Behauptung, dass nicht die Arbeiterklasse, sondern nur die Schriftsteller und Wissenschaftler zur Führung der neuen Gesellschaft berufen seien. Doch der Sozialismus ist und bleibt das Werk der von ihrer marxistisch-leninistischen Kampfpartei geführten Arbeiterklasse im Bunde mit allen anderen Werktätigen, einschließlich der Intelligenz.

Das Filmwissenschaftliche Institut der Deutschen Hochschule für Filmkunst hat in den letzten Monaten eine „bemerkenswerte“ Initiative zur theoretischen Rechtfertigung der Filme geleistet, die prinzipiell kritisiert werden mussten. In seinen Publikationen geht das Filmwissenschaftliche Institut nicht von den Aufgaben des Programms des Sozialismus, von den Problemen der Entwicklung unserer sozialistischen Filmkunst aus, sondern es propagiert unter dem Mantel der Weltoffenheit Filme, die in ihrem Wesen dem bereits dargelegten „spießbürgerlichen Skeptizismus ohne Ufer“, dem Nihilismus, Tür und Tor öffnen sollen.

In einigen Zeitschriften und Zeitungen erschienen in den letzten Wochen Romane und Romanauszüge, die mit unserem sozialistischen Lebensgefühl nichts gemein haben. Dazu gehört zum Beispiel der Roman „Sternschnuppenwünsche“, der als Fortsetzungsroman in der „Jungen Welt“ erschien und der Auszug „Rummelplatz“ aus einem Entwicklungsroman über Menschen in der Wismut von Werner Bräunig in der „Neuen Deutschen Literatur“. In diesem Abschnitt gibt es obszöne Details, gibt es eine falsche, verzerrte Darstellung des schweren Anfangs in der Wismut. Wir fragen die Redaktion der „Neuen Deutschen Literatur“, warum sie sich gerade für diesen Abschnitt aus dem Entwicklungsroman von Bräunig entschieden hat. Ernste Versäumnisse gibt es auch in der Zeitschrift „Freie Welt“, die ihre Aufgabe, das Leben und die Fortschritte in der Sowjetunion allseitig zu popularisieren, in letzter Zeit vernachlässigt und sich dafür der Darstellung der Unmoral in westlichen Ländern zuwendet.

Leider hat sich in den letzten Jahren eine neue Art Literatur entwickelt, die im Wesentlichen aus einer Mischung von Sexualität und Brutalität besteht. Ist es ein Wunder, wenn nach dieser Welle in Literatur, Film, Fernsehen und Zeitschriften manche Jugendliche nicht mehr wissen, ob sie richtig oder falsch handeln, wenn sie dort ihre Vorbilder suchen? Wir sind keine Anhänger des Muckertums und sind selbstverständlich für die realistische Darstellung aller Seiten des menschlichen Lebens in Literatur und Kunst. Aber das hat nichts damit zu tun, dass wir die neuesten Ergüsse der Enthemmung und Brutalität aus dem kapitalistischen Westdeutschland einschleusen lassen, um damit unsere Jugend zu verseuchen. In diesem Sinne legen wir entschieden Wert auf die Sauberkeit auch in der Produktion des Fernsehens und des Films. Hohe Qualität wird heute von jedem gefordert, auch vom Fernsehen, von der Literatur und vom Film unserer Republik.

Über eine lange Zeit hat „DT 64″ in seinem Musikprogramm einseitig die Beat-Musik propagiert. In den Sendungen des Jugendsenders wurden in nicht vertretbarer Weise die Fragen der allseitigen Bildung und des Wissens junger Menschen, die verschiedensten Bereiche der Kunst und Literatur der Vergangenheit und Gegenwart außeracht gelassen. Hinzu kam, dass es im Zentralrat der Freien Deutschen Jugend eine fehlerhafte Beurteilung der Beat-Musik gab. Sie wurde als musikalischer Ausdruck des Zeitalters der technischen Revolution „entdeckt“. Dabei wurde übersehen, dass der Gegner diese Art Musik ausnutzt, um durch die Übersteigerung der Beat-Rhythmen Jugendliche zu Exzessen aufzuputschen. Der schädliche Einfluss solcher Musik auf das Denken und Handeln von Jugendlichen wurde grob unterschätzt. Niemand in unserem Staate hat etwas gegen eine gepflegte Beatmusik. Sie kann jedoch nicht als die alleinige und hauptsächlichste Form der Tanzmusik betrachtet werden. Entschieden und systematisch müssen ihre dekadenten Züge bekämpft werden, die im Westen in letzter Zeit die Oberhand gewannen und auch bei uns Einfluss fanden. Daraus entstand eine hektische, aufpeitschende Musik, die die moralische Zersetzung der Jugend begünstigt.

In der Filmauswahl für die Sendungen des Deutschen Fernsehfunks gibt es besonders in diesem Jahr ernste Fehler. Unter dem Deckmantel der Gesellschaftskritik an den Verhältnissen im Westen wurden Erscheinungen der Unmoral und Dekadenz, der Brutalität der amerikanischen Lebensweise verbreitet.

Es gibt auch Mängel in der Erziehung der Jugend, vor allem der studierenden Jugend. Wir halten es für dringend notwendig, der Jugend das Verständnis für die Geschichte unseres Volkes und für den historischen Kampf der deutschen Arbeiterklasse und ihrer Partei zu vermitteln, sie zum vaterländischen Denken zu erziehen, in der gesamten Jugend die Liebe zur Deutschen Demokratischen Republik zu pflegen und an die Jugend hohe Anforderungen beim Lernen und im Beruf zu stellen. Es ist eine falsche Methode, sich mit jungen Menschen vor allem darüber zu unterhalten, was am Sozialismus alles falsch ist. Diese Methode wird offensichtlich in der Praxis nicht selten angewandt. Kürzlich wurde gesagt, daß bestimmte Erscheinungen bei einem Teil der Jugend auf eine gewisse Leere durch unsere mangelhafte offensive geistige Auseinandersetzung zurückzuführen sind. In diese – wie gesagt wurde – „Hohlräume“ seien dann schließlich feindliche Ideologie und dementsprechendes Verhalten bei uns eingedrungen. Das ist soweit richtig. Aber man kann diese – um bei dem Ausdruck zu bleiben – „Hohlräume“ nicht ausfüllen, wenn man in Diskussionen mit Jugendlichen selbst von der defensiven Fragestellung ausgeht, was ihnen in der DDR oder am Sozialismus alles nicht gefällt.

Unsere zwanzigjährigen Erfahrungen bei der Erziehung der jungen Generation haben bewiesen, dass junge Menschen dann zu überzeugten Sozialisten und aufrechten Staatsbürgern der DDR werden, wenn man ihnen einen klaren Weg zeigt, ihnen unsere marxistisch-leninistische Weltanschauung nahebringt und ihnen große Aufgaben in der Arbeit und beim Lernen überträgt. Dann schlägt entgegengebrachtes Vertrauen auch in verantwortungsbewusstes Handeln um.

Die ideologischen Ursachen fehlerhafter Erscheinungen und Tendenzen liegen vor allem:

– in einem unzureichend gefestigten marxistisch-leninistischen Weltbild einiger Kulturschaffender, Sie haben oft eine subjektivistische Sicht und Wertung, eine unhistorische Betrachtungsweise des Kampfes unserer Partei und der Volksmassen beim Aufbau des Sozialismus;

– in einer nicht genügend vorhandenen Kenntnis der Wissenschaftlichkeit und Kontinuität der Politik der Partei um die Erfüllung der nationalen Mission der Deutschen Demokratischen Republik;

– in Positionen des philosophischen Skeptizismus, der in Kreisen der Intelligenz besonders in Verkennung des schöpferischen Charakters der Beschlüsse des XX. Parteitages der Kommunistischen Partei der Sowjetunion zu wirken begann. Dieser Skeptizismus wird noch dadurch verstärkt, dass der Gegner die These des „Zweifels an allem, des Zweifels an jeder Autorität“ zu einer Hauptlosung seiner ideologischen Diversion macht.

Der Gegner fordert von den Kulturschaffenden der DDR nicht mehr die Absage an den Sozialismus, die Aufgabe sozialistischen Gedankengutes, sondern nur den „Zweifel an der Richtigkeit unseres sozialistischen Weges“.

Der Skeptizismus hat auch noch eine andere Ursache. Viele Kulturschaffende sind der Meinung, dass Deutschland einen etwaigen Krieg oder Atomkrieg nicht überleben könne. Sie sind bereife zur Verhinderung eines Atomkrieges politische Konzessionen an den westdeutschen Imperialismus zu machen; obwohl nur der entschlossene Kampf gegen die von den westdeutschen Imperialisten und Militaristen betriebene Politik der atomaren Rüstung und des Revanchismus den Frieden und die friedliche Zukunft des deutschen Volkes sichern können.

Das Charakteristische all dieser Erscheinungen besteht darin, dass sie objektiv mit der Linie des Gegners übereinstimmen, durch die Verbreitung von Unmoral und Skeptizismus besonders die Intelligenz und die Jugend zu erreichen und im Zuge einer sogenannten Liberalisierung die DDR von innen her aufzuweichen.

Um über die neuen Probleme beim umfassenden Aufbau des Sozialismus Klarheit zu schaffen, muss vor allem in den Parteiorganisationen der künstlerischen Institutionen und Verbände, an den Universitäten, Hochschulen und Schulen, im Rundfunk, Fernsehen, in der DEFA und In‘ den Presseorganen die ideologische Kampfbereitschaft und die Parteierziehung mit Unterstützung der leitenden Parteiorgane wesentlich verstärkt werden. Den Zirkeln für die marxistisch-leninistische Bildung der Künstler, Wissenschaftler und Studenten ist allseitige Unterstützung zu geben, um das marxistisch-leninistische Weltbild und das Verständnis für die Grundfragen unserer Politik weiterzuentwickeln.

Ernste Versäumnisse in der Entwicklung der ideologisch-politischen Führungsarbeit gibt es besonders seitens der leitenden Genossen des Ministeriums für Kultur, die die Aufgaben der Staatsmacht als Hauptinstrument beim Aufbau des Sozialismus verkennen. Die staatlichen Leitungen im Filmbereich und die Leitung des Deutschen Schriftstellerverbandes haben keinen prinzipiellen Kampf gegen die im Bericht aufgezeigten Erscheinungen geführt. Sie überließen die Entwicklung in ihrem Verantwortungsbereich dem Selbstlauf. Es ist notwendig, dass die verantwortlichen Genossen Schlussfolgerungen für die Verbesserung der Arbeit im ideologischen Bereich ziehen.“

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Dokumentation, Unsortiert

2 Antworten zu “Honeckers „Kahlschlag“-Rede

  1. Pingback: Inhalt | Klaus Taubert

  2. Pingback: Wie die SED die Kunst disziplinierte | Klaus Taubert

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s