150 Jahre Paul Lincke

2016 jährte sich zum 150. Mal der Geburtstag Paul Linckes, des Schöpfers der Berliner Operette, der 1946 in der Harz-Gemeinde Hahnenklee bei Goslar gestorben ist. In den Musiktheatern hätte das Jahr zu einem Paul-Lincke-Jahr werden können. Die Erinnerungen an den Schöpfer des Welthits „Glühwürmchen-Idyll“ waren ehr bescheiden. 

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Bronze-Statue des Berliner Operettenkönigs auf dem Paul-Lincke-Platz von Hahnenklee, daneben die Gedenktafel

Gedenktafel

Was Johann Strauß für Wien und Jaques Offenbach für Paris, das ist Paul Lincke für Berlin – spätestens seit im Apollo-Theater in der Friedrichstraße am 2. Mai 1899 „Frau Luna“ uraufgeführt wurde. Mit seinem Namen verbindet sich die Geburtststunde der Berliner Operette, deren Siegeszug durch das zwanzigste Jahrhundert über die deutsche Hauptstadt hinaus den Namen des Komponisten um die Welt trug.

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Letztes Wohnhaus von Paul Lincke (mit Rückansicht) in der heute zu Goslar gehörenden Gemeinde Hahnenklee, als Paul-Lincke-Treff gestaltet

Paul Lincke, am 7. November 1866 nahe der Jungfernbrücke in Berlin geboren, ging als Hochtalentierter mit einem Hang zur Militärmusik nach der Realschule zur Stadtmusikkapelle von Wittenberge, wo er als Fagottist ausgebildet wurde und außerdem Tenorhorn, Schlagzeug sowie Klavier und Geige spielen lernte.

Wieder zurück in Berlin, begleitete er musikalisch die Varieté-Programme und lieferte eigene Kompositionen für Couplet-Sängerinnen. 1897 entstand für das Apollo-Theater mit der „Venus auf Erden“ eine kleine Revue, bevor Lincke mit „Frau Luna“ einen Glanzpunkt setzte und die Berliner Operette schuf. Lieder wie „Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft“, das Duett „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“ oder „Schlösser, die im Monde liegen“ wurden über Nacht zu „Gassenhauern“, die die sprichwörtlichen Schusterjungen auf den Straßen pfiffen. Sein Glühwürmchen-Idyll (Glow Worm) aus der Operette „Lysistrata“ von 1902 wurde ein Welthit.

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Blick in den Paul-Lincke-Treff in dessen letztem Wohnhaus, in dem auch an die zahlreichen Preisträger des Wettbewerbs um den Paul-Lincke-Ring erinnert wird

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Ein Foto im Foto: Mit Silbermond auf dem Lincke-Platz und im Lincke-Treff

Später erlebte und bereicherte er während seiner musikalischen Karriere als Komponist und Theaterkapellmeister viele Schauplätze des Musiktheaters. In Berlin arbeitete Lincke an mehreren Musikbühnen, so dem Apollo- und Metropol-Theater. Obwohl ein unverwechselbares Stück von Berlin, triumphierte Lincke zwei Jahre lang auch in Paris, wo er am berühmtesten europäischen Varieté, den Folies Bergére, gefeiert wurde, bis es ihn wieder in sein Berlin zog.

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Klaus-Jürgen Elders kümmert sich mit viel Liebe um das Erbe des Komponisten und öffnet jeden Freitag das kleine gemütliche Restaurant im Lincke-Haus für ein paar Stunden. Hier weilten auch die Träger des Paul-Lincke-Ringes nach ihrer Auszeichnung, zuletzt auch die Gruppe Silbermond

Linckes Melodien haben zwei Weltkriege überdauert und gehören bis heute zum klassischen deutschen Kulturerbe. Der Komponist hingegen musste aus dem zerbombten Berlin, wo auch seine Wohnung mit dem von ihm gegründete Musikverlag getroffen war, in Marienbad Zuflucht suchen, um dann schließlich über das bayerische Arzberg nach Hahnenklee im Harz zu gelangen. Hier vollendete sich am 3. September 1946 sein Leben. Auf dem dortigen Friedhof wurde er beigesetzt. Spätere Versuche, ihn nach Berlin umzubetten, wurden im Zusammenhang mit einem Streit seiner Erben irgendwann aufgegeben.

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Das Grab Paul Linckes auf dem 700 Meter hoch gelegenen Waldfriedhof von Goslar-Hahnenklee

Seit 1955 wird alle zwei Jahre der Paul-Lincke-Ring in Hahnenklee an verdienstvolle Persönlichkeiten der leichten Muse verliehen, seit der Eingemeindung des Ortes 1972 von der Stadt Goslar. Zu den Preisträgern zählen Franz Grothe, Nico Dostal, Udo Jürgens, Ralph Siegel, Rene Kollo, Udo Lindenberg, Peter Maffay, Freddy Quinn, Max Raabe, Clueso und die Gruppe Silbermond. Für das Jahr 2016 war der Komponist, Sänger und kauzig-kluge Moderator Helge Schneider, die „singende Herrentorte“, für den Paul-Lincke-Ring auserwählt worden.

Sie alle weilten im letzten Wohnhaus Paul Linckes, in dem dessen Besitzer Klaus-Jürgen Elders im Gedenken an den großen Komponisten einen Paul-Lincke-Treff mit vielen musikalischen Kostbarkeiten eingerichtet hat, die an den Schöpfer der Berliner Operette erinnern und auch den Trägern des Paul-Lincke-Rings Anerkennung zollen. Verbunden ist der Treff mit einem schmucken kleinen Restaurant, das nur Freitagabend von 20 Uhr bis Mitternacht geöffnet ist und einem sorgsam bestückten gemütlichen Erinnerungssalon gleicht.

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Blick aus einer Ferienwohnung im letzten Wohnhaus des Komponisten

Desweiteren laden drei komfortabele Ferienwohnungen dazu ein, dem Geist Paul Linckes oder wenigstens einem wunderschönen Flecken des Harzes nahe zu sein.

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Ein Kommentar

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