Gebremster Schaum

Erinnerungen an meine Begegnungen mit Achim Mentzel
(15. Juli 1946 – 5. Januar 2016):

Wie ging es mit „Achims Hitparade“ in die deutsche Einheit?

Als Moderator von „Achims Hitparade“ in der Noch-DDR bekam ich viele Einladungen in westdeutsche Volksmusiksendungen, lud deren Moderatoren in meine Sendung ein. Wir waren ein Herz und eine Seele, wie eine große Familie. Meine Sieger gingen in die Volksmusik-Hitparade des ZDF, deren Sieger kamen zu mir, sogar Carolin Reiber kam und ich war bei ihr. Als dann der Ruf erscholl, „Wir sind ein Volk“ und die Familie zusammen gefunden hatte, da war alles vergessen, waren wir nur noch Konkurrenten. Das ZDF teilte uns schriftlich mit, dass wir jetzt in einem Land leben und von gegenseitigen Besuchen in den Volksmusiksendungen Abstand nehmen sollten. Da war mir klar, die Sender im Westen wollten das Ost-Publikum, aber nicht uns Moderatoren. Die ersten Jahre sagte ich mir, bleib locker, die Spreewald-Gurken sind auch wieder im Kommen.

Wie kam die Freundschaft mit Oliver Kalkofe zustande?

Als Kalki mich öffentlich zur Schnecke machte und sogar empfahl, die Leute mögen den Hundefänger rufen, wenn sie mich sehen, war meine Frau stinksauer. Lass dir das nicht gefallen, sagte Gitti. Ich lachte und meinte: So viel Werbung muss man sich erst einmal verdienen. In meiner nächsten Sendung schrieb ich in die Dekoration „Kalki ist doof!“ Der sah es und rief mich an. Seitdem haben wir eine Menge zusammen im Fernsehen gemacht und werden sicher noch einiges veranstalten. Meine Frau durfte Kalki einmal ans Schienbein treten, da waren die Wogen geglättet.

Viermal verheiratet, 8 Kinder, zahlreiche Enkel… War das nicht anstrengend?

Vielleicht war ich zu jung, als ich mich in die Turbulenzen der Liebe stürzte. Dreimal so gut wie abgebrannt, das schafft einen Menschen. Im Grunde habe ich erst mit 33 die Partnerin fürs Leben gefunden. Gitti lernte ich 1979 bei einem Auftritt im Kraftwerk Boxberg kennen. Vielleicht hatte sie die nötige Energie, mich zu zähmen. Jedenfalls war sie im richtigen Augenblick am richtigen Ort. Als Ingenieurin für wissenschaftliche Arbeitsorganisation hatte sie vielleicht auch das Zeug, etwas mehr Ordnung in mein Leben zu bringen.

Von dem alten Rocker Mentzel ist im Fernsehen nicht viel zu sehen?

In den Fernsehsendungen war ich quasi immer nur gebremster Schaum. In meinen Bühnenprogrammen verlangt das Publikum nicht nur immer wieder meinen ersten Hit („Gott sei Dank ist sie schlank…“), sondern auch Rock pur. Da fliegen schon mal die Fetzen. Ich fühle mich dann jedes Mal in Zeiten versetzt, als unsere erste Band in den sechziger Jahren Auftrittsverbot bekam, weil sie zu sehr den Rolling Stones und den Beatles nacheiferte oder an spätere Auftritte mit Nina Hagen in „Fritzens Dampferband“.

Wie ist es mit dem Abnehmen?

Nein, ich will wieder meine zwei Zentner, bin jetzt etwas darunter. Ab zwei Pfund drüber wird aufs Abendessen verzichtet. Mehr nicht. Vor ein paar Jahren habe ich mit meiner Frau eine Diät gemacht, da war ich nicht mehr zu genießen, schrecklich. Nie wieder, ich war nicht mehr Achim Mentzel!

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Ein Kommentar

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