Reich, reicher, unanständig

In Deutschland haben die Super-Reichen, also jene, die abzüglich Schulden über mindestens 30 Millionen Dollar verfügen, in diesem Jahr besonderen Grund zur Freude. Ihr Vermögen hat laut Berechnungen der Schweizer Bank USB um zehn bis zwölf Prozent zugenommen, mehr als in anderen Industrieländern, das der ärmeren Millionäre „nur“ um sechs bis sieben Prozent. Das spricht eindeutig dafür, dass der Nährboden für Vermögenswachstum der Reichen in Deutschland besser ist als anderswo in der Welt. Allein der Vermögenszuwachs der Reichen 2014 würde genügen, um alle Arbeitnehmer das Landes zwei Jahre zu bezahlen, und dabei wäre kein Milliardär ärmer als vor einem Jahr.

In der Bundesrepublik kontrollieren die Super-Reichen rund 23 Prozent des Gesamtvermögens. Um das Verhältnis zum „Normalbürger“ einmal zu veranschaulichen, hieße das: Den paar Super-Reichen in Deutschland gehört Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt allein, während sich rund 80 Millionen Einwohnern mit dem Rest des Landes begnügen müssen.

Hinzu kommt, dass in keinem anderen Land der Welt der Anteil an Riesen-Erbschaften größer ist als in Deutschland. Mehr als jeder zweite Milliardär hat sein Vermögen geerbt, bzw. geerbt und weitervermehrt. Das sind zusammen mehr als jene, als sich Selfmade-Millionäre nennen können. Ein guter Grund, die ausgesetzte Vermögenssteuer rasch wieder einzuführen, ohne damit die Wirtschaft zu beeinträchtigen, aber den Bundesländern jährlich mindestens zehn Milliarden Euro zusätzlich für Bildung, Soziales und andere Leistungen für das Volk zukommen zu lassen.

Das Vermögen ist nicht unbegrenzt. Je mehr „oben“ angehäuft wird, um so weniger steht „unten“ als Kaufkraft zur Verfügung. Und da Autos nun mal keine Autos kaufen (Henry Ford), schneidet sich die Geld-Elite mit ihrer Gier ins eigene Fleisch, wenn statt der Kaufkraft, von der sie profitieren, die sozialen Unruhen wachsen, dem Kapital nahestehende Regierungen abgewählt werden und eine soziale Marktwirtschaft notfalls gewaltsam eingefordert wird. So wie sie die Bundesrepublik bis in die späten Sechzigerjahre groß und stark gemacht hat.

(Übrigens schreibt der „Spiegel“: „Fast zwei Millionen Menschen arbeiten in Deutschland für weniger als fünf Euro pro Stunde. Daran wird auch der Mindestlohn nur wenig ändern. Denn Hungerlöhner stützen die deutsche Wirtschaft.“)

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