Toupet or not Toupet – zwei Satiren

Ab sofort bei Amazon  als gedrucktes Buch für 7,44 Eurozu haben: https://www.amazon.de/Toupet-not-Klaus-Taubert/dp/1533318328/ref=sr_1_10?s=books&ie=UTF8&qid=1464159581&sr=1-10&keywords=Klaus+Taubert

Produkt-Information

Niemand kann für seine Geburt. Auch Friedolf nicht, der wenige Jahre nach dem letzten großen Krieg 21 Jahre alt wird und erfährt, wer seine leiblichen Eltern waren. Als sein Foto in die Zeitung lanciert wird – mit schmalem Schnauzer unter der Nase und Toupet bis in die Stirn  ist die Abstammung unverkennbar–, beginnt von vielen Seiten in West und Ost das Werben um die Gunst des Sprösslings, der im Arbeiteraufstand in Ostberlin als angeblich Schuldiger fast unter die Räder kommt.

Der mehrfache Aktivist der sozialistischen Arbeit und verlässliche Träger der Mainelke Hanns Oska Fretjes entdeckt in der Endphase des Arbeiter- und Bauern-Staates in Ostberlin einen geheimen Gang in eine andere Welt -, nach Westberlin. Von Zweifeln befallen, dass Glasnost und Perestroika auch für die DDR eine zeitgemäße Lösung für vielerlei Widersprüche wären, baut er sich in weiser Voraussicht im Westteil der Stadt als sein angeblicher Bruder eine neue Existenz auf – ausgerechnet im Rotlichtmilieu. Dann fällt die Mauer, und Hanns Oska wird im Ostteil ausgerechnet Stadtrat für Verkehr.

Leseprobe:

Auf dem Tisch lagen ein paar alte Illustrierte aus der Zeit des Dritten Reichs, ein Volksempfänger knarrte leise vor sich hin und auf der Kommode standen holzgerahmte postkartengroße Bilder mit dem Führer in Zivil und seiner zeitweiligen Geliebten Geli Raubal.

„So wohnt SEIN Sohn?“, entfuhr es Schmergel, der auf alles vorbereitet war, nur nicht auf eine Armenstube. Und der Untermieter selbst, das schien auf den zweiten Blick die größere Überraschung für Schmergel zu sein: Mittelgroß, auf dem Kopf ein Toupet mit einer großen dunklen Strähne über dem linken Auge, ein schmales Bärtchen, quadratisch gearbeitet, unter der Nase, dazu ein ausgeblichenes hellbraunes Hemd und ein paar schwarze Militärstiefel über den Hosenbeinen.

„Das ist doch nicht möglich! Sie sind… äh, pardon, Schmergel mein Name, von der BTP.“ Der Reporter streckte ihm die Hand entgegen, die Friedolf erhobenen Hauptes kurz ergriff und mit ernster Miene „Raubal“ sagte.

„Raubal? Raubal? Geli Raubal?“

„Sie sagen es, Herr Schmergel. Meine Mutter.“ Die Sprache  kam in einem abgehackten Staccato.

„Verzeihung, war das nicht irgendwie eine Verwandte von Hit…, von, von Ihrem Vater?“

„Irgendwie sind wir doch alle verwandt“, antwortete Friedolf. „Sie kennen doch Darwins Abstammungslehre?“

Sämisch lächelte zufrieden.

„Warum hat man bisher noch nie etwas von Ihnen gehört, Herr Raubal?“

„Mein Vater wollte familiäre Dinge nicht mit seinen großen politischen Zielen und Aufgaben vermischen. Er hat das immer sehr sauber getrennt und die Familie herausgehalten. Mir persönlich hatte er auferlegt, bis zu meiner Volljährigkeit die Öffentlichkeit zu meiden.“

„Ihre Mutter hat sich ja leider das Leben genommen, wie man damals lesen konnte. Wie standen sie zu SEINER späteren Lebenspartnerin, die er im letzten Moment, bevor er… na, Sie wissen schon, noch geheiratet hat?“

„Sie meinen Tante Eva?“

„Tante Eva! Was für ein Wort.“

Schmergel schrieb und schrieb, was er da an sensationellen Dingen erfuhr und fragte weiter: „Wie ist das, wenn ich fragen darf, mit der Erbschaft?“

Friedolf schaute kurz zu Sämisch, der sich lächelnd zurückhielt, und sagte: „Sie haben ja erlebt, was vom Reich übriggeblieben ist. Was soll man da noch erben. Und über die Konten im Ausland verfügt immer noch die SS mit ihren Gesinnungsfreunden. Die wohnen ja auch alle viel luxuriöser als ich.“

„Treffen Sie einige dieser Herren ab und zu?“

„Sie vermeiden es tunlichst, schon aus Angst, ich könnte ihnen das immense Auslandsvermögen streitig machen.“

Nach den vereinbarten zwanzig Minuten Interview, einigen Fotos und der schriftlichen Versicherung, den Wohnort des jungen Mannes nicht preiszugeben, verabschiedete sich Schmergel, nicht ohne dem Sohn vereinbarungsgemäß tausend Mark aus dem Informationsfonds der Redaktion in die Hand gedrückt zu haben.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Unsortiert

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s