Dunkler Fleck auf Sachsens weißer Weste

Zu den Repräsentanten unseres Staates kann man stehen wie man will, die Gedanken sind frei. Aber in einer Gemeinschaft von Menschen, die sich Gesetze gibt und aus ihrem Grundgesetz heraus moralischen Ansprüchen verpflichtet ist, sollten ein paar Regeln zur Achtung der Menschenwürde gelten. Das meine ich in Richtung Sachsen, dem so genannten Freistaat, in der ein paar Handvoll Krakeeler glauben so frei sein zu dürfen, unseren ersten Repräsentanten, den Bundespräsidenten, lauthals zu beschimpfen und zu beleidigen. Doch die Menschenwürde, die sie verletzten, war in erster Linie ihre eigene.

Ich habe Sachsen schon anders erlebt. Als der oberste DDR-Repräsentant und Chef der herrschenden Partei in seinen sächsischen Wahlkreis kam, um ein paar unbedeutende, ja langweilige Reden zu halten, standen die Bürgerinnen und Bürger dicht gedrängt an den Straßen und jubelten. Sie schwenkten Winkelemente und überboten sich gegenseitig mit Willkommensrufen, um ihr unerschütterliches  Vertrauen zu bekunden – wie die Zeitungen schrieben und das Fernsehen zeigte. Und sie fragten auch nicht, wie die Wahlergebnisse von neunundneuzigkomma zustande kamen.

Nicht wenige waren stolz, wenn sie ihrem obersten Staatsführer die Hand schütteln durften, wenngleich sie zu Hause bekundeten, nicht an das zu glauben, was er ihnen erzählte und dass sie ihn in Wirklichkeit für einen Volksverräter hielten. Ja, zu Hause waren sie mutig, oder am Biertisch, wenn sie sicher waren, dass kein Ungebetener in der Nähe war. Denn sie waren auch sehr, sehr vorsichtig. Sie trauten dem System nicht, das Menschen wegen ihrer politischen Gesinnung hinter Schloss und Riegel brachte und außer Landes verkaufte. Sie hielten in Schule und Ausbildung, beim Studium, am Arbeitsplatz oder im Sport- und Kulturverein ihren Mut zurück und mit ihren wahren Meinungen und Ansichten hinterm Berg. Weil sie genau wussten, dass mit einer Diktatur nicht zu spaßen war und Demokratie in jedem Sinne ein Fremdwort war. 

Angesichts der miesen Auftritte jener Krakeeler von Sebnitz, das eigentlich für seine wunderschönen künstlichen Blumen berühmt ist, fragt man sich: Haben die Schreihälse zu Hause nichts zu sagen? Entspringen ihre abscheulichen Tiraden einem Minderwertigkeitskomplex, der sich öffentlich Bahn bricht, wissend, dass der Staatsgewalt menschenrechtlich die Hände gebunden sind? Sind es Demokratie, also Recht und Freiheit, die diese Radaubrüder so mutig macht, ihren Frust unflätig Gassi zu führen? Macht sie die Meinungsfreiheit so frei, ausfällig und beleidigend Menschen gegenüber zu sein, die ihnen zu dieser Freiheit verholfen haben?

Vielleicht sind Überzeugungs- und Aufklärungsversuche in vielen dieser Fälle vergebliche Mühe. Da fällt mir nur Georg Christoph Lichtenberg ein: „Es gibt manche Leute, die nicht eher hören, als bis man ihnen die Ohren abschneidet.“

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