Wie wäre es mit Frau Poppe?

Die Suche nach einem Nachfolger für Joachim Gauck kommt auf Touren. In Parlamentskantinen,  Kanzleramt und Parteizentralen wird bereits auf Teufel komm raus gefeilscht, widersprochen, verteidigt. Per Buschfunk werden Namen wie zum Test genannt. Weiß man bei Schäuble, ob die Sache mit den „hässlichen Männern“ und der Parteispende inzwischen vergessen ist? Könnte von der Leyen auf diesem Job als mögliche Anwärterin auf das Amt der  Bundeskanzlerin aus dem Weg geräumt werden? Wie kann man Steinmeier verhindern, der sich als Außenminister bravurös schlägt und dem Ansehen der SPD auf die Beine helfen würde? Nähme Claudia Roth das Amt vielleicht viel zu ernst? Auch der Name von Gesine Schwan taucht auf, die bereits zweimal als Kandidatin verheizt wurde und endlich die Wahl verdient hätte.

Das Amt sah schon die unterschiedlichsten Leute. Da war Papa Heuss (FDP), der 1933 im Reichstag dem Ermächtigungsgesetz zur Abschaffung der Republik zugestimmt hatte, und Lübke (CDU), der im Apparat Speer Unterkünfte für KZ-Häftlinge bauen half. Da war Heinemann (SPD), der aus Protest gegen die Wiederbewaffnung 1950 als Innenminister zurücktrat. Ihm folgten der sangesfreudige Scheel (FDP), der 1942 erfahren hatte, dass er ohne sein Zutun der NSDAP angehörte und der wanderfreudige Carstens (CDU), der nach einer Schamfrist von der NSDAP zur CDU wechselte. Von Weizsäcker (CDU) half den Deutschen, ihr etwas lädiertes Geschichtsbewusstsein zu überdenken und der rechtsbewusste Herzog (CDU) versuchte das Land mit einem Ruck aufzurichten, während der Ehrlichkeitsfanatiker Rau (SPD) am liebsten versöhnte. Über zwei weitere Präsidenten (beide CDU) ist nichts Nennenswertes zu berichten. Dann kam Gauck, der Gemeinplätze wie Neuigkeiten zelebriert und beschlossen hat, nach einer Wahlperiode die Bezüge des Präsidenten weiterhin ohne adäquate Gegenleistung zu empfangen.    

Sieht man sich in den östlichen Bundesländern um, ist die Decke ziemlich knapp. Ich sehe da Matthias Platzeck, der das Amt des Bundespräsidenten – im Gegensatz zu dem des Ministerpräsidenten, das er aus Gesundheitsgründen aufgab – ruhig und sachlich angehen könnte. Oder Wolfgang Thierse, der Rauschebart vom Prenzlauer Berg,  der selbst den Schwaben ein verlässlicher Landesvater wäre. Oder Wolfgang Tiefensee, der dem heruntergekommenen Leipzig auf die Beine half, Katrin Göring-Eckardt, die diskussionsfreudige Protestantin oder gar Gregor Gysi…?

Mich fragt zwar keiner, doch wenn, hätte ich einen Vorschlag: Ulrike Poppe. Die 63-jährige DDR-Oppositionelle sammelte Lebenserfahrung mit Bärbel Bohley im Stasi-Knast, weil sie der „Initiative Frieden und Menschenrechte“ angehörte. Sie war Mitbegründerin der Bürgerbewegung „Demokratie jetzt“ und führte am Runden Tisch das Ende der DDR-Diktatur mit herbei. Sie war Studienleiterin Politik und Zeitgeschichte an der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg und befasste sich an der Ruhr-Universität Bochum mit Deutschlandforschung. Seit 2009 ist Ulrike Poppe Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur in Brandenburg.

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Meinung

2 Antworten zu “Wie wäre es mit Frau Poppe?

  1. Jens Winkelmann

    Ich habe übrigens Barbara John vorgeschlagen (Vors. des Paritäter Berlin, kümmert sich um die NSU-Opfer, sehr integer! 🙂
    Gruß Jens Winkelmann

    • Auch eine gute Wahl. Bei Ulrike Poppe fasziniert mich, wie sie als Bürgerrechtlerin und Mutter den Stasi-Knast hingenommen hat und vor der Macht nicht eingeknickt ist wie andere, die sich auch Bürgerrechtler nennen und nebenbei die Privilegien des Systems genossen. Viele Grüße Klaus Taubert

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s