Die Don(na) Quichotte von Rodaborn

Wie ein Riesenkonzern eine Kleinunternehmerin in die Knie zwingen will

(Fotos vom jüngsten Besuch von Marcel Taubert)

Wenige Tage vor Weihnachten begeht die erste deutsche Autobahnraststätte in Rodaborn an der A 9 bei Triptis ihren 80. Geburtstag. Die Nachfrage z.B. nach Thüringer Bratwurst und Kaffee (zusammen 4,50 Euro) ist ungebrochen. Das Handicap besteht darin, dass die allmächtige „Tank & Rast“ – ein Konzern mit Milliarden-Umsatz, der fast alle Autobahnraststätten in Deutschland verpachtet, betreibt und verwaltet – etwas dagegen hat. Zu den politischen Vorgaben des Unternehmens, das aus Bundesbesitz 1998 privatisiert wurde, gehört: „Erhalt der mittelständischen Pächterstruktur und deren unternehmerische Freiheit.“ Das aber offensichtlich nur in purer Abhängigkeit.  

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Auf dem Weg nach Bayern…

Wo kommen wir hin, wenn Kleinstunternehmer wie Christa Wagner, die  die Raststätte nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik in froher Erwartung gekauft hat, auf Tradition und Kundenbindung bauen? Schon in geteilten Zeiten war diese traditionsreiche Raststätte ein Geheimtipp für viele Transit-Reisende, die auf Thüringer Rostbratwurst standen. Dieser („Devisen“-)Parkplatz war immer gut besucht und der Grill dicht umlagert. So war das auch weiterhin gedacht.

Leider muss Christa Wagner ihre Waren  notgedrungen per Leiter über einen Zaun an die A-9-Benutzer verkaufen. Die Raststätte wurde beim Ausbau der A 9 durch einen Zaun vom Parkplatz getrennt, und selbst die einst errichtete Brücke von der anderen Seite der Autobahn zur Raststätte befindet sich jetzt außerhalb des umzäunten Parkplatzes. Damit steht Frau Wagner stets gesetzeswidrig auf der Leiter, wenn sie die Wünsche ihrer treuen Kunden erfüllt. 

Natürlich kann „Tank & Rast“, das mehreren Lobbyverbänden angehört, die Frau in die Knie zwingen. Seit Jahren wird das mit mäßigem Erfolg versucht, ungeachtet, dass es dem Ruf des Raststättenkonzerns schadet. Das gibt der Frau im Kampf gegen Windmühlen a la Don Quichotte etwas vom „standhaften Zinnsoldaten“, der irgendwann endlich per Gerichtsurteil erschlagen werden soll.

Schließlich ist die Raststätte, die unter Denkmalschutz und nicht vor Gericht gehört, harte Konkurrenz für die 390 Raststätten der „Tank & Rast“. 20 km nördlich von Rodaborn gibt es die Raststätte Hermsdorfer Kreuz West und 75 km weiter südlich das Brückenrestaurant Frankenwald. Jede Bratwurst der Frau Wagner treibt diese Einrichtungen an den Bettelstab und mindert den Milliarden-Umsatz des Riesen-Kraken. Wer will das schon?   

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Vielleicht gibt es am 20. Dezember, dem runden Geburtstag, in Rodaborn einen Run auf die „unerlaubte“ Raststätte? Warten wir ´s ab.


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