„Wenn hinten, weit, in der Türkei…“

Etwas mehr als neun Millionen ausländische Bürgerinnen und Bürger leben in Deutschland. Neben anderthalb Millionen Türken sind es rund eine dreiviertel Million Polen, über eine halbe Million Italiener, knapp ebenso viele Rumänen sowie jeweils ein paar Hunderttausend Russen, Syrer, Serben, Bulgaren, Ungarn und Spanier und viele Tausend Angehörige anderer Völker Europas und darüber hinaus. Die Mehrheit von ihnen hat sich den Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebräuchen der gastgebenden Deutschen angepasst und lebt problemlos unter und mit ihnen.

In der Regel nimmt sich keine Regierung der Welt, deren Bürger in Deutschland leben, heraus, ihren Wahlkampf bis in unser Land zu tragen. Eine Ausnahme bildet der bald jenseits aller demokratischen Prinzipien allein herrschende Türkenpräsident, der seine Machtgelüste mit seinen Vasallen wie eine üble Krankheit über die Länder Europas zu verbreiten gedenkt. Dabei missachtet er schamlos das über ihn 1998 gesprochene Gerichtsurteil,   das ihm wegen Volksverhetzung zeitlebens verbietet,  Politik zu betreiben. Da er das mit den Gerichten inzwischen auf seine Weise geregelt hat, unter anderem durch die Suspendierung von 3000 Richtern und Staatsanwälten, die zudem um ihr privates Vermögen gebracht wurden, muss er eine Anklage momentan nicht fürchten.

Leider findet dieser „Patriot“ bei seinen Landsleuten, die sich in Deutschland wohler als in ihrem eigenen Land zu fühlen scheinen, viele offene Ohren, so dass sie auf das Gastrecht inmitten einer demokratischen Gesellschaft pfeifen. Sie glauben den Lügen ihres Ersatz-Propheten, dass Deutschland ein undemokratischer Staat sei, der den Terror bis in die Türkei trage. Der Gipfel der Unverfrorenheit: Deutschland praktiziere Nazi-Methoden. Begründung: Die deutsche Regierung stelle sich schützend vor einen deutsch-türkischen Journalisten, der in Wahrheit seinem Berufsethos entsprechend nichts als die Wahrheit verbreitet und gerade deshalb in der Türkei des Terrors und der Agententätigkeit angeklagt wird.

Die Ähnlichkeiten mit der DDR sind verblüffend. Wann immer Gewalt und Unrecht in der DDR von außen angeprangert wurde, ergoss sich aus Ostberlin eine Flut an Beschimpfungen, Unterstellungen, falschen Verdächtigungen und Beleidigungen gegen jene, die zum großen Teil mit besseren Argumenten die Wahrheit auf ihrer Seite hatten. Doch alles hat seine Grenzen. Letztlich glaubte das eigene Volk den Lügen ihrer Führung nicht mehr und jagte die SED zum Teufel. Ein solcher Weg ist folgerichtig und wird in der Türkei nicht anders enden. Hoffen wir, dass es glimpflicher abgeht, als Goethe schreibt: „Wenn hinten, weit, in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen…“.

Mit den gut neun Millionen ausländischen Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland wird das wenig zu tun haben.

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