Görlitz – ein Bilderbuch der Baugeschichte

Ein Spaziergang durch Jackie Chans tausendjähriges „Görliwood“

Die Geschichte der Stadt Görlitz ist neben allen politischen und gesellschaftlichen Ereignissen gleichsam eine Spur der Steine durch die Jahrhunderte. Von der mittelalterlichen Handelsmetropole an der Via Regia bis hin zum bevorzugten Wohnort für Beamte, Pensionäre und begüterte Geschäftsleute reicht ihr Ruf. Schon im 19. Jahrhundert bekam Görlitz den Beinamen „Pensionopolis“, weil es vor allem bei preußischen Beamten als Alterssitz beliebt war. Auch heute ziehen zahlreiche Pensionäre, ünerwiegend aus den alten Bundesländern, in die Altstadt von Görlitz. Von Kriegen weitgehend verschont, ist die Stadt harmonisch gewachsen und stellt heute mit rund 4000 schützenswerten Bau- und Kunstwerken das größte zusammenhängende Flächendenkmal in Deutschland dar.  

Görlitz wurde 1071 erstmals von König Heinrichs IV. in einer Urkunde erwähnt, welche die Übergabe des slawischen Dorfes „Goreliz“ als Geschenk an den Bischof von Meißen bestätigt. Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts entwickelte sich an der Via Regia, der privilegierten Handelsroute von Spanien bis Moskau, eine Ansiedlung von Kaufleuten rund um die Nikolaikirche. Um 1200 entstand im Bereich der heutigen Altstadt eine Stadtanlage.  

Die heutige Ober- und Niederlausitz stand ab 1075 unter der Herrschaft der böhmischen Herzöge und späteren Könige, die mit Unterbrechungen bis 1635 damit auch Stadtherren von Görlitz waren. 1636 wurde Görlitz zusammen mit der Oberlausitz, deren Stände sich im Dreißigjährigen Krieg den aufständischen Böhmen angeschlossen hatten, zum Ausgleich für Kriegsschulden des Kaisers an das Kurfürstentum Sachsen vergeben.  

Zu den bis heute gepflegten humanistischen Leistungen zählt die im Jahr 1779 in Görlitz gegründete „Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften“ als eine der ältesten regionalen deutschen Gelehrtengesellschaften, die zur größten bürgerlichen Gesellschaft ihrer Art in Deutschland heranwuchs.

Eine neue politische Zuordnung gab es nach den Befreiungskriegen. Da das Königreich Sachsen auf Seiten des Franzosen-Kaisers am Krieg teilnahm und erst nach der Niederlage Napoleons zu den Alliierten überlief, wurde es 1815 vom Wiener Kongress ausgeschlossen und musste große Gebietsverluste hinnehmen. So gelangten Görlitz und große Teile der Oberlausitz an Preußen. Diese Zugehörigkeit hatte erheblichen Einfluss auf die politische und gesellschaftliche Entwicklung der Stadt. 1833 wurde das preußische Stadtrecht eingeführt. Unter dem ersten Oberbürgermeister Gottlob Ludwig Demiani, nach dem ein Platz benannt ist, gelangte die Stadt zu neuer Blüte.

Neben den historischen Fakten sind die Bauwerke dieser östlichsten Stadt Deutschlands ein Bilderbuch der Kunstgeschichte, in dem lückenlos die Bauepochen seit dem späten Mittelalter nebeneinander und bisweilen durcheinander aufgereiht sind. Selbst nach Jahrzehnten der Vernachlässigung der alten Bausubstanz sowie eines drohenden und schließlich verhinderten Abrisses zu DDR-Zeiten sind die vielen Profan- und Sakralbauten in einer außerordentlichen architektonischen Qualität erhalten bzw. wiederhergestellt worden. Damit ist Görlitz geradezu ein dreidimensionales Lehrbuch der Architekturgeschichte, ein städtebauliches Kunstwerk von höchster Vollkommenheit, wie es in Deutschland kein zweites Mal zu finden ist.

Das harmonische Miteinander von Gotik, Renaissance und Barock, von Historismus, Gründerzeit und Jugendstil ist auf Schritt und Tritt erlebbar. Wo Requisiteure für historische Filme aufwändig Kulissen bauen lassen, um der Wirklichkeit vergangener Zeiten nahezukommen, nutzen Filmgesellschaften von Hollywood bis Babelsberg das originale Flair von „Görliwood“, um sich den Kulissenbau zu ersparen.

Ein Spaziergang durch die Stadt ist wie der Besuch einer Ausstellung zur Bau- und Kunstgeschichte.

Gö1Hotherturm

Der Hotherturm gehörte zu den 30 Basteien der Stadtmauer von Görlitz und ist die letzte noch erhaltene Eckbastion vor Ort. Entstanden ist der zweigeschossige Turm mit seinem dreiviertelrunden Grundriss in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Gö3AufFelsengebaut

Die alte Stadtbefestigung wurde einst gebaut, als sei sie aus dem felsigen Untergrund, dem so genannten Lausitzer Granitmassiv, herausgewachsen.

Gö4ÜberdieNeiße

Blick über die Neiße in das polnische Zgorzelec

Gö6aPeterskirche

Weithin sichtbar die Pfarrkirche St. Peter und Paul als Wahrzeichen der Stadt. Sie gehört zu den ältesten Kirchenbauten, die  viele andere Kirchen in Sachsen baulich beeinflusst hat.

Gö6RestaurantMühle

Wenn Görlitz die östlichste Stadt Deutschlands ist, dann ist die Vierradenmühle an der Neiße die östlichste Gastwirtschaft. Sie war seit dem 14. Jahrhundert  eine von drei großen Getreidemühlen der Stadt und diente Tuchmachern und Gerbern als Walkmühle. Im Restaurant kann man durch einen gläsernen Fußboden eine Turbine bei der Stromerzeugung beobachten. Bei schönem Wetter wird natürlich auf der Terrasse, hoch über der Neiße serviert.

Gö7Gassen

Auch in den alten kleinen Gassen stehen Häuser aus unterschiedlichen Bauepochen nebeneinander und vermitteln ein Bild des Wandels der Baukunst über die Jahrhunderte.

Gö8Neptunbrunnen

Der Neptunbrunnen auf dem Untermarkt geht auf das Jahr 1756 zurück und wurde vom Steinmetz Johann Georg Mattausch nach einer Zeichnung von Johann Friedrich Wilhelm von Charpentier gefertigt.

Gö9abrechtsDreifalt

Rechts, neben dem Rathausturm, der Turm der Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt. Im Jahr 1234 als Kirche des Franziskanerordens gegründet, stammt der heutige Kirchenbau aus dem 14. Und 15. Jahrhundert. In der Kirche befinden sich einzigartige Kunstwerke. Währe3nd des Arbeiteraufstandes am 17. Juni 1953 in der DDR fand auf dem Obermarkt eine Kundgebung mit 30.000 Menschen statt. Der Aufstand wurde, wie überall im Land, durch die sowjetische Besatzungsmacht und von Staatssicherheit und Volkspolizei niedergeschlagen.

Gö10Dreifalt

Blick in das Hauptschiff der gotischen Dreifaltigkeitskirche mit einer Orgel von 1873 aus der berühmten Werkstatt von Friedrich Ladegast, dessen Instrumente im Wiener Musikverein, in der Schlosskirche zu Wittenberg, im Schweriner Dom und anderswo im In- und Ausland stehen. 

Gö11SinnierenderChristus1500

Die Statue des sinnierenden Christus aus dem Jahr 1500 gehört zu den besonderen Kostbarkeiten der Dreifaltigkeitskirche.

Gö12EvangFrauenkirche

Die evangelische Frauenkirche ist eine dreischiffige Hallenkirche im spätgotischen Stil. Die Kirche lag einst vor den Toren der Stadt, heute inmitten des Zentrums. Die Grundsteinlegung fand 1459 statt. Im Herbst 1989 war sie vor der politischen Wende in der DDR Ausgangspunkt der Friedensgebete in der Stadt.

Gö13BlicküberObermarktmitReichenbacherTurm

Blick über den Obermarkt mit dem 51 Meter hohen Reichenbacher Turm. 1376 wurde der Turm zum Schutz des westlichen Stadttores erstmals urkundlich erwähnt. 1782 wurde die gotische Turmspitze, zu der 165 Stufen führen,  durch eine kupferne Barockhaube ersetzt. Der Turm wird durch die Städtischen Kunstsammlungen betrieben, die auf sieben Etagen Ausstellungen veranstaltet. Bei guter Sicht reicht der Blick von oben bis in das Riesengebirge. 

Gö14Napoleonhaus

Das so genannte Napoleon-Haus. Vom Balkon in der ersten Etage hat Napoleon Bonaparte während seines europäischen Feldzuges 1813 Truppenparaden abgenommen.

Ansichten, in denen die Geschichte der Stadt über die Jahrhunderte erkennbar ist

Gö16Rathaus

Das Görlitzer Rathaus erinnert mit den goldenen Städtenamen Bautzen, Lauban, Löbau, Kamenz und Zittau an den 1346 zusammen mit Görlitz gegründeten Oberlausitzer Sechsstädtebund. Die Gemeinsamkeit der Städte sollte den Landfrieden vor allem gegen das adlige Raubrittertum sichern. Dies war auch im Sinne von Kaiser Karl IV., der die Städte mit zahlreichen Privilegien unterstützte. Die Städte konnten sich in der Folgezeit erfolgreich gegen den Adel durchsetzen, wobei durch ihre wirtschaftliche Prosperität auch ihr politischer Einfluss wuchs.

Der Flüsterbogen befindet sich auf dem Untermarkt und geht auf Anfang des 16. Jahrhunderts zurück. Das beliebte spätgotische Portal besteht aus Krabben, mittigen Kreuzblumen und jeweils einer seitlichen Maske. Durch die Konstruktion des gewölbten Bogens werden Schallwellen gut weitergeleitet. Wer an einem Ende seinem Gegenüber etwas ins Ohr flüstert, wird am anderen Ende verstanden, ohne dass der möglicherweise in der Mitte Stehende davon etwas hört. Für viele Touristen eine Möglichkeit, den Effekt praktisch auszuprobieren.Gö19aJustitia

Das alte Rathaus in Görlitzer Untermarkt mit der weltbekannten Rathaustreppe, einem Kleinod der Renaissance, wurde 1369 erstmals erwähnt. Die freistehende Justitia auf einer gekrönten Säule aus dem 16. Jahrhundert galt als Wahrzeichen der hohen Gerichtsbarkeit des Rates. Weil die Gerichts-Dame keine Augenbinde trägt, behaupten die Görlitzer nicht ohne Stolz, ihre Justitia sei nicht blind.

Gö19AstronUhraltesRathaus

Der alte Rathausturm wurde 1742 durch Blitzeinschlag zerstört. Beim Wiederaufbau wurden zwei Uhren auf der Marktseite angebracht. Die untere Uhr ist in der Mitte des Zifferblattes mit dem Kopf eines Kriegers besetzt. Die darüber befindliche Mondphasenuhr ist Teil des Lunarkalenders.

Die ehemalige Ratsapotheke am Untermarkt zählt zu den bekanntesten Bürgerhäusern in der historischen Altstadt. Der Renaissancebau trägt auf der dem Markt zugewandten Seite zwei Sonnenuhren. Bis 1832 war die Rathausapotheke die einzige Apotheke der Stadt. Im Jahr 1999 begannen die umfangreichen Sanierungsarbeiten im und am Gebäude. Dabei wurde auch das alte schmuckvolle Eingangsportal freigelegt, das über Jahrzehnte zugemauert war. 

In der Landskron-Brauerei am Ufer der Neiße wird seit 1869 Bier gebraut. Damit gehört sie zu den ältesten produzierenden Industriedenkmälern in Deutschland. Das Bier reift 40 Tage lang, länger als üblich, in 18 Metern tiefen Gärungsräumen von 1869, die unter Denkmalschutz stehen. Der typische Gründerzeitbau eignet sich auch gut als Filmkulisse. So drehte Jackie Chan hier Szenen seines Filmes „In 80 Tagen um die Welt“, wobei die Gassen des alten Ziegelbaus als New Yorker Hafenviertel dienten. Der Name Jackie-Chan-Gasse erinnert an die Dreharbeiten.

Das berühmte Jugendstil-Warenhaus Görlitz ist eines der besterhaltenen Warenhäuser aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. 1912 begann der Neubau in Stahlskelettbauweise. Nach neun Monaten Bauzeit wurde das Kaufhaus im September 1913 eröffnet und bis 2009 als Warenhaus betrieben. Nach Aussagen des neuen Besitzers soll das Kaufhaus ab 2018 in alter Schönheit wieder eröffnet werden. Der Regisseur Wes Anderson drehte im Warenhaus 2014 Szenen für seinen Film „Grand Budapest Hotel“.

Gö26Börse

Das Team für den Film „Grand Budapest Hotel“, darunter die Schauspielerin Tilda Swinton und die Schauspieler Willem Dafoe und Ralph Fiennes, quartierte sich während der mehrmonatigen Dreharbeiten im benachbarten Hotel Börse ein.

Gö28Straßburg-Passage

Im Dezember 1908 erfolgte nach sechsmonatiger Bauzeit die feierliche Eröffnung der ebenfalls im Jugendstil errichteten 115 Meter langen Straßburg-Passage zwischen Berliner- und Jakobstraße. Dieses bis heute beliebte Einkaufszentrum der Görlitzer hatte selbst in der DDR als „HO-Passage“ ihren Ruf bewahrt. Nach 1990 übernahm der Enkel des Firmengründers Wolfgang Straßburg die Passage und schuf in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege ein historisches Einkaufszentrum, das den Erfordernissen moderner Verkaufskultur entspricht und sich bei den Kunden und Besuchern großer Beliebtheit erfreut.

Gö29CafeBerlinerStr

Seit April 2012 lädt am sogenannten „Tortenstück“ das traditionsreiche Cafe Central mit seinen zwei gemütlichen Etagen wieder zum Besuch ein.

Gö30abSpätklassiz

Blick auf ein spätklassizistisches Geschäftshaus, vor dem sich die „Muschelminna“ – hier noch in Winterverkleidung – erhaben streckt. Der Entwurfe stammt von Robert Toberentz, einem Breslauer Bildhauer. In der Kunstgießerei Lauchhammer wurde die Bronzefigur gegossen und 1887 auf dem Postplatz eingeweiht. Die „Muschelminna“ wurde 1942 für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. Erst 1987 erhielt der Dresdener Bildhauer Friedemann Klos den Auftrag, nach historischen Fotos ein neues Modell zu schaffen. Den Bronzeguss übernahm wieder die Kunstgießerei Lauchhammer, und seit dem 1. Mai 1994 steht die Nachbildung der ursprünglichen Brunnenfigur auf dem Sockel und krönt das architektonische Ensemble.

Gö31HistorPostamt

Zwischen den Jahren 1851 und 1855 wurde auf der Ostseite des Postplatzes, der damals noch ein unbefestigter Rummelplatz war, das erste Postgebäude errichtet. Doch 1887 bekam das Postamt einen repräsentativeren Neubau. Der prunkvolle und mit figürlichem Schmuck verzierte Klinkerbau sollte das wilhelminische Kaiserreich repräsentieren.

Gö31iPostplatz

Im Jahr 1865 zog das Königliche Kreisgericht in den Neubau auf dem Postplatz. Die sachliche Klinkerfassade gegenüber dem Postamt deutet auf die von Schinkel geprägte preußischen Baukultur. Hinter dem Gericht befand sich einst das Gefängnis, auf dessen Hof bis etwa 1900 Hinrichtungen mit dem Handbeil stattfanden.

Gö32JugendstilBahnhof

Bis zum Zweiten Weltkrieg war der am 1.September 1847 eröffnete Jugendstil-Bahnhof Görlitz ein bedeutender Knotenpunkt im deutschen Fernverkehr. Heute ist der Bahnhof Görlitz nur noch ein Regionalknoten im Personennahverkehr . Auch den Fernverkehr in der einst bedeutsamen Relation (Paris–)Dresden–Breslau(–Warschau) gibt es seit 2004 nicht mehr.

Gö33Gymnasium

Aus einer Bildungsstätte des Franziskanerklosters für Konventsmitglieder wurde infolge der Reformation im Jahr 1530 eine evangelische Lateinschule, die sich Philipp Melanchton verpflichtet fühlte. Der heutige Bau geht auf Karl Friedrich Schinkel zurück, der 1837 mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV.  die alten Klostermauern besichtigte. Dabei fiel die Entscheidung für einen kompletten Neubau der Schule am Standort des Klosters. 1854 wurde der Grundstein für das im Stil des Historismus errichtete Gymnasium gelegt. In der DDR war die Schule nach dem antifaschistischen Künstler Johannes Wüsten  benannt. Seit 1993 heißt sie wieder Augustum und hat den Status eines Gymnasiums mit musischem Profil.

Gö34MarienplatzmitdickemturmFrauenturm

Der 46 Meter hohe Dicke Turm oder Frauenturm auf dem Marienplatz ist ein Teil der historischen Görlitzer Stadtbefestigung. Er wurde im Rahmen der Stadterweiterung 1250 errichtet. Seine Mauerstärke beträgt im unteren Teil bis zu 5,34 Meter. Da die Stadt während der Hussitenkriege im 15. Jahrhundert treu zur Krone stand, wurde ihr vom römisch-deutschen Kaiser Sigismund ein Stadtwappen verliehen. Das Sandsteinrelief am Turm stellt dieses Wappen zusammen mit den zwei Figuren Maria und Barbara dar. Von den ehemals vier großen Wach- und Wehrtürmen sind außerdem noch der Nikolaiturm und der Reichenbacher Turm erhalten.  

Gö37ältestesRenaissancehausDeutschl

Der Schönhof ist das älteste Renaissance-Bauwerk in Görlitz. Das Haus in der Brüderstraße wurde nach einem Stadtbrand im Jahr 1526 von Ratsbaumeister Wendel Roskopf dem Älteren gebaut. Im 15. und 16. Jahrhundert diente es als Repräsentationsgebäude für fürstliche Gäste. Bis heute sind im Obergeschoss noch bauliche Reste einer mittelalterlichen Toilettenanlage mit Wasserspülung zu sehen. 2006 wurde das Haus nach umfassender Restaurierung Sitz des Schlesischen Museums zu Görlitz.

Gö39Handwerk

Alte Handwerkskunst vor dem Hintergrund des schönsten Renaissansbaus der Stadt. Wie eine Szene aus dem späten Mittelalter.

Gö41Nikolaiturm

Der Nikolaiturm, Bestandteil der einstigen Stadtbefestigung, prägte bereits vor der ersten Stadterweiterung im Jahr 1250 das Bild der Stadt. Nach dem Stadtbrand 1717 wurde die ehemals schlanke, steile Spitze durch eine barocke Haube ersetzt. Der Zugang zum Turm erfolgte über die Stadtmauer bzw. über eine außen liegende Treppe. Erst 1752 entstand der ebenerdige Eingang durch die 2,86 Meter dicke Mauer. Von 1969 bis 2015 wurde der Bau von Görlitzer Heimatforschern als Ausstellungs- und Aussichtsturm bewirtschaftet, so wurde eine umfangreiche Sammlung historischer Schlösser, Beschläge und Leuchten aufgebaut. Seit Herbst 2016 betreiben der Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec e.V.  und das Kulturhistorische Museum Görlitz  gemeinsam den Turm.

Gö42HausKirschgrün

Ein Hingucker ist auf jeden Fall die Werbeagentur „Kirschgrün“. Und welche Farbe hat das wunderbar erhaltene Gebäude? Nicht wundern: In der von zwei Damen geleiteten Agentur liebt man Kopfarbeit, die Hand und Fuß hat.

Gö44Bauepochen

Ein Blick über die Stadt, wobei viele unterschiedliche Bauepochen erkennbar sind.

Gö43JesusBäckerei

1992 kaufte Bäckermeister Tschirch zwei Häuser am Nikolaigraben um eine Filiale zu eröffnen. Den Namen „Jesusbäckerei“ hat sich der Bäckermeister nicht ausgedacht, zumal er die Geschichte des Hauses damals nicht kannte. 1489 wurde am Nikolaifriedhof ein Kapellchen gebaut, das 1625 neben den Eingang der Bäckerei versetzt wurde. Da entstand der Name „Kapellenbackhaus“. Es brannte mehrmals ab und wurde immer wieder neu aufgebaut. „Jesusbäcker“ nennen nun die Görlitzer den Bäcker, neben dessen Haustür ein nachgestalteter Bildstock eine Station des Passionsweges Christi darstellt. Alljählich am Tag der Kreuzigung Christi hält die Gemeinde auf dem Weg zum Heiligen Grab in Andacht vor dem Bildstock inne. Dabei reicht der Bäckermeister den Gläubigen ein Salzbrot, auch  „Tränenbrot“ genannt, als Wegzehrung.

Gö46Jägerkas

Die Jägerkaserne am südlichen Rand der Görlitzer Nikolaivorstadt  wird heute von städtischen Ämtern genutzt. An diesem Standort befanden sich bis in die 1840er Jahre Teile der  Stadtbefestigung – darunter der sogenannte Bauzwinger und der Stadtgraben. Nachdem die städtischen Wehranlagen abgetragen worden waren, um das Wachstum der Stadt nicht zu unterdrücken, forderte der preußische Staat die Stadt auf, den Verlust an Wehranlagen durch eine massive Kaserne zu kompensieren. Zwischen 1854 und 1858 errichtete die Stadt schließlich die heutige Jägerkaserne für das 1. Schlesische Jäger-Bataillon Nr. 5. 1990 begann die Stadt mit der denkmalpflegerischen Sanierung und Umgestaltung zu einem modernen Bürokomplex, der heute als zweites Rathaus die technischen Dienste der Stadt beherbergt.

Gö48Kaisertrutz

Im Jahr 1490 wurde das „große Reichenbacher Rondell“, das später den Namen Kaisertrutz erhielt, als eine Bastion der doppelzüngigen Stadtmauer  zur Sicherung der von Westen durch die Stadt verlaufenden Handelsstraße Via Regia gebaut. Im Dreißigjährigen Krieg  kam der Kaisertrutz zu seinem Namen. Die Stadt wurde von den Schweden besetzt und trotzte während einer mehrwöchigen Belagerung den kaiserlichen und sächsischen Truppen. 1932 wurden die Abteilungen Stadtgeschichte und Ur- und Frühgeschichte der Oberlausitz  des damaligen Kaiser-Friedrich-Museums im Kaisertrutz eröffnet. 1948 erfolgte die Wiedereröffnung des Kaisertrutzes. Die archäologische Ausstellung wurde zugunsten der neuen Gemäldegalerie verlegt. Von 1998 bis 1999 wurde unter den Fundamenten ein mittelalterlicher Holzbrunnen aus dem 13. Jahrhunderts entdeckt.

Gö49Filmkulisse

Aus propagandistischer Hoch-Zeit  der DDR stammte der Film zum 100. Geburtstag Ernst Thälmanns, der 1985 gedreht wurde. Für eine Szene des Wahlkampfes Anfang der Dreißigerjahre wurde eine Mauer in der Görlitzer Bergstraße entsprechend hergerichtet. Die Görlitzer haben sich an den Schriftzug gewöhnt, während die jüngeren unter ihnen kaum noch etwas mit dem Namen anzufangen wissen.

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