Was soll die Wippe auf dem Schlossplatz?

Das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal zur Erinnerung an die Reichseinigung von 1871 vor dem alten Berliner Stadtschloss, eingeweiht 1897 durch Wilhelms Enkel Wilhelm, war seiner Zeit geschuldet. Mit Reiterstandbild, Siegesgöttin zu Kaisers Füßen und den schwungvollen Kolonaden hatte es etwas erhaben Majestätisches. Angesichts eines Jahrtausends kleinstaatlicher Trennung deutscher Stämme und Völkerschaften ein wahrlich respektables Bauensemble. Nun gut, es ist weg und wird gottlob auch nicht nachgebaut. Eine Wippe für die Einheit unseres Vaterlandes soll es nun sein, die daran erinnern will, dass ein vorübergehender – historisch: klitzekleiner – Zeitraum der Trennung beendet wurde. Geht es nicht eine Nummer kleiner? Ohne diesen schaukelnden Zirkuseffekt? „Komm´ auf die Schaukel, Luise“, sang Hans Albers treffend zum Denkmalentwurf.

Als die Einheit von oben feierlich zelebriert wurde, hatte man das einstige Volk der DDR vorsichtshalber nicht gefragt, wenngleich Artikel 65 der damals gültigen Verfassung es geboten hatte: „Entwürfe grundlegender Gesetze werden vor ihrer Verabschiedung der Bevölkerung zur Erörterung unterbreitet. Die Ergebnisse der Volksdiskussion sind bei der endgültigen Fassung auszuwerten“. „Für unser Land“ lautete damals ein Aufruf, dem sich viele Tausend DDR-Bürger angeschlossen hatten, die eine deutsch-deutsche Annäherung auf Augenhöhe forderten. Zudem war es in der DDR ein Straftatbestand, das Land einem anderen Staat einzugliedern. Für Bonn, von wo die Vorgabe für den Anschluss der DDR an die BRD samt Termin der regierenden Ost-CDU vorgegeben wurde, ohne Bedeutung.  Ketzerisch sei darauf verwiesen, dass selbst die Bevölkerung der Krim 2014 die Möglichkeit hatte, sich per Volksentscheid für Russland oder die Ukraine zu entscheiden, wobei 95 Prozent Russland bevorzugten.

Nun soll also eine Wippe daran erinnern, wie die „Ossis“ verschaukelt wurden. Bei aller Freude über die Einheit – ein wirkliches Denkmal, das diesen Namen verdient, sollte an den friedlichen Aufstand der Ostdeutschen erinnern, die erstmals in der deutschen Geschichte eine Revolution siegreich zu Ende gebracht haben. Davon kann im alten Westen keine Rede sein.   

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