Archiv der Kategorie: Meine Region

Der Stammtisch

Sie sitzen schon seit Jahren
am Stammtisch im Cafe Monique
und reden mit Inbrunst und Eifer
Obszönes und von Politik.
Sie reden vom großen Frieden
und analysiern jeden Krieg,
stehn stets auf der Seite der Guten
und begießen deren Sieg.

 

So wetzen sie die Zungen
bei Klarem und Gerstensaft,
verdammen den Ehrgeiz der Jungen,
die im Leben noch nichts geschafft.
Doch fordert ihr sie zu Taten,
da fehlt es an Wollen und Schwung.
Es schützen sie ihre Wehwehchen
vor kühner Aufopferung.

 

So sitzen sie seit Jahren
am Stammtisch im Cafe Monique
und reden mit Inbrunst und Eifer
Obszönes und von Politik.
Wer kann ihre Namen nennen?
Es lohnt der Mühe nicht.
Am Stammtisch könnt ihr sie erkennen,
denn sie haben kein Gesicht.
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Der alte Mime

Auf der Bühne war er ein König,
Hamlet, Othello und Lear.
Zwei Vorstellungen gab er täglich,
an Feiertagen auch vier.
Die Moral der großen Dichter
brachte er den Menschen nah.
Das Publikum war begeistert,
wenn es den Mimen sah.

 

Er hieß Walter Schmidt
und wohnte
drei Treppen
im Hinterhaus.
Eine alte Dame fegte
jeden zweiten Tag
bei ihm aus.

 

Die Jahre gingen vorüber,
das Publikum wurde alt,
dessen wundersame Verehrung
dem großen Künstler einst galt.
Seine Rollen wurden spärlich,
das Feuer war aus ihm heraus.
Die Gagen waren ärmlich,
immer früher kam er nach Haus.

 

Er hieß Walter Schmidt
und wohnte
drei Treppen
im Hinterhaus
Die alte Dame fegte
auch ohne Lohn
bei ihm aus.

 

Der Kreislauf hat seine Grenze,
der König von einst war tot.
In der Zeitung ganz klein die Annonce,
neben knalliger Werbung in Rot.
Von seinen Kollegen vergessen
fand die Beerdigung statt.
Die einst in den Logen gesessen,
übersahen des Künstlers Schachmatt.

 

Er hieß Walter Schmidt
und lag nun
im billigen Fichtensarg.
Und nur eine uralte Dame,
folgte ihm still
bis zum Grab.

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Die Blattmacher

An einem verregneten  Sonntag,
die Straße war still und leer,
da klingelt es an der Wohnung
bei Hans-Peter Meyer – Friseur.
Kaum hat er die Tür geöffnet
bracht  Blitzlicht über ihn ´rein.
Er hatte keine Chance,
eine Frage hinaus zu schrei´n.

 

Sind Sie der Hans-Peter Meyer?
Der Friseur nickte nur.
Und wie ist das mit der Steuer –
aha, Sie stellen sich stur?
Wie wurde das Geld gewaschen
vom Mädchen-Handel  Fernost?
Was sagt Ihre Gattin zu allem?
Oder ist sie  mit im Geschäft?

 

Die Zeitungen drucken in Balken
das Bild Meyers und von seinem Haus.
Die Nachbarn erzählten der Presse:
Mensch, der ging bei uns ein und aus!
Seit Tages ist Meyer verschwunden,
der Staatsanwalt sagte nur:
Das war eine dumme Verwechslung.
Doch von Meyer fehlt jede Spur

 

Meyers Geschäft ist längst pleite,
im Haus wohnt die geschiedene Frau.
Und Meyer selbst, dessen Freunde
den Umgang mit ihm vermieden,
ist an einem langen Strick
im Wäldchen am Stadtrand verschieden.
Schade, sagte ein Chefredakteur,
aber die Story war gut geschrieben!

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Die Grillen

Im Garten lag dereinst ´ne alte Brille
mit einem Glas nur und das war sehr stark.
Da kam des Wegs ´ne ziemlich junge Grille
die sah hindurch, erblasste und erschrak.

 

Wie ist das Gras so riesengroß geworden,
ein jeder Halm so dick fast wie ein Baum?
Der sonst so zirpgewandten fehlt´s an Worten,
sie will sich ihrem Grillrich anvertrau´n.

 

Sieh an, da kommt auch schon Herr Grille
durchs Gras gehoppelt, wie das Grillen tun.
Er nähert sich der starken alten Brille,
in ihrem Wärmestrahl sich auszuruh´n.

 

Da lähmt der Schreck der beiden Grillen Glieder,
entsetzt schau´n sie durchs dicke Glas sich an.
Das ist nicht meine Frau im engen Mieder!
Und das ist nicht mein kleiner zarter Mann!

 

Die riesenhafte Größe beider Grillen,
in der sie ihren Partner nun geseh´n,
erweckte gleichermaßen ihren Willen,
einander künftig aus dem Weg zu gehen.

 

Was bleibt zu sagen diesen dummen Grillen,
die falsch erkannte Größe hat entzweit?
Wählt ihr den Partner aus nach freiem Willen,
dann setzt die Brille ab und nehmt euch Zeit.

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In der Asservatenkammer der DDR

Der Geheimtipp aus „The Guardian“

Es ist, als rieche man die DDR. Wer von René Schmidt in Garzin bei Strausberg durch sein einzigartiges Museum geführt wird, definiert möglicherweise Sammelleidenschaft neu. Im Obergeschoss seines geräumigen Hauses nahe dem Haussee hat er auf mehr als 100 Quadratmetern in mehreren Räumen zusammengetragen und thematisch sortiert, was  landauf, landab in den euphorischen Tagen des Beitritts der DDR zur Bundesrepublik im hohen Bogen weggeschmissen wurde, als hätte man sich nicht schnell genug von der Vergangenheit trennen können.

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René Schmidt, leidenschaftlicher Sammler und Direktor seines eigenen Museums in Garzau-Garzin, Am Haussee 3

Doch irgendwann beginnt das Erinnern an Kindheit, Jugend und Arbeitsleben in einem Staat, den es nicht mehr gibt, der jedoch Generationen geprägt hat – insgesamt rund 25 Millionen Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche. Ein Rundgang durch die Sammlungen ist wie ein Zurückschauen auf das eigene Leben – nostalgisch, nicht sehnsuchtsvoll, amüsiert und mitunter auch erstaunt. Und – um auf die Frage eines Besuchers aus den alten Bundesländern, der seinem Sohn die Asservatenkammer zum Fall DDR zeigte, an den Museumsdirektor einzugehen  – nein, man wünscht sich die DDR nicht zurück, doch ihr Equipment hängt einem an und macht sich mit der Bemerkung Luft: „Das hatten wir auch…!“  

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Oben links der Kleincomputer KC 85/2, der ab 1984 im VEB Mikroelektronik Mühlhausen gebaut wurde

Da ist die alte Nähmaschine von Veritas aus Wittenberge oder die noch viel ältere von Singer bis Dürrkopp, die als Erbstücke in Tausenden Haushalten im sozialistischen Zeitalter als Raritäten gepflegt und vor allem genutzt wurden. Was die Unterhaltungsbranche zwischen Berlin, Dresden und Ilmenau alle paar Jahre an Neuheiten, vom Musikschrank bis zum Miniradio, präsentierte, was die Kameraindustrie, von der „Pouva Start“ und „Perfekta“ bis zur  anspruchsvollen „Exa“- und „Practika“-Reihe auf den Markt brachte – René Schmidt hat es gesammelt und stellt es aus. Und da ist einer der ersten Computer aus volkseigener Produktion.

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Natürlich hat der Sammler, dem zu vielen seiner Exponate immer wieder ein witziger Kommentar entschlüpft, auch nicht das blaue und rote Pionierhalstuch vergessen, das einem in Kinderjahren stolz zum Hals heraus hing, zudem die berühmte Dreicksbadehose, eine ABV-Uniform, Handpuppen für das Kasperletheater, Kinderspielzeug,  Bücher, Zeitschriften, Speisenkarten…

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Mitte links die berühmte Dreicksbadehose für 1,30 Mark, nach der René Schmidt lange suchen musste. Rechts die Klistierspritze ENEMA 140 aus dem VEB Gummiwerke Berlin. Unten im Foto rechts neben der hölzernen Waschmaschine die TS 66, die  Wäscheschleuder und Entsafter in einem ist

Mit Kennerblick hat René Schmidt oft auch aus dem Sperrmüll gerettet, was für die Neuausstattung von Haus und Hof in Tausenden Familien im vereinten Deutschland im Wege war. Da fehlen auch nicht die Porträts von Pieck über Ulbricht bis Honecker, die in Bürgermeisterämtern und LPG-Büros hingen. Leider fehlt dem Sammler noch ein Amtsstubenporträt von Ministerpräsident Stoph. Doch vieles andere entschädigt dafür: Getränke in den Originalflaschen, Konserven mit ihren reizlosen Etiketten („aber immer noch verwertbar“), Reinigungsmittel von Ata bis Fay, Küchen- und Waschmaschinen, Simson-Mopeds, Uhren und und und…

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Im linken Foto in der Mitte ganz links die berühmte „Pouva Start“, ein Fotoapparat für Anfänger aus dem Jahr 1951. Rechts ein Blick auf die funktionsfähige Eisenbahn, für die René Schmidt verschiedene Spurweiten von Piko Sonneberg bis Zeucke Berlin verwendet hat

Sonderbarerweise war es die englische Tageszeitung „The Guardian“, die erstmals in einem größeren Artikel diese Ausstellung als Geheimtipp bezeichnete. Die Journalistin Nell Frizzel war mit ihrem Partner über den Europaradweg R1, von Buckow kommend, nach Garzin gelangt, wo ein kleines Schild einlud ins „DDR & Nostalgie-Museum, Eintritt frei“. Der 54-jährige René Schmidt führte die Journalistin durch die seit 2007 aufgebaute Ausstellung. Bald darauf sang der „Guardian“ ein Loblied, das von einem geordneten Chaos schwärmte und der schönsten Entdeckung auf dem Weg zwischen Polen und Berlin.

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In der Freiwilligen Feuerwehr, in der René Schmidt ebenfalls aktiv ist, wurde aus einem vierrädrigen „Trabi“ ein sechsrädriges Feuerwehreinsatzfahrzeug gebaut, das immerhin mit 200 Liter Wasser unterwegs sein kann

Sonntags von 8 bis 18 Uhr ist der Museumsdirektor bereit, Gäste durch das Panoptikum der Kuriositäten und Beweismittel an einen untergegangenen Staat zu führen. Oder einfach vorher mal anrufen.

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Brekers versteckte „Anmut“

Auf Spurensuche in der Schorfheide

Jede Zeit hat ihre Künstler. Das 20. Jahrhundert zweifelsfrei Arno Breker (1900-1991), des Führers liebsten Bildhauer. Breker hat das Bild des Herrenmenschen in Stein gehauen und in Bronze gegossen, ganz so wie die Künstler der Antike ihre Götter. Seine Skulpturen waren oberflächlich ohne Fehl und Tadel, nicht einmal Charakterzüge der Porträtierten konnten seine Werke beeinträchtigen. Es war beängstigend, der nach den ästhetischen Idealen der Nazis geformten Rasse nicht zu entsprechen. Vielleicht war das auch der Grund, warum es – frühestens nach dem Untergang des Dritten Reichs, an dessen künstlerischen Schaltstellen der Auserwählte maßgeblich mittat – abwertend hieß: Lieber vom Leben gezeichnet als von Breker porträtiert.

Anmut 1938 Breker  Schreitende 1940 Breker  Eos 1942 Breker

Brekers „Anmut“ (1938), „Schreitende“ (1940) und „Eos“ (1942), wie sie aus dem Großen Döllnsee geborgen wurden

Hitlers zweiter Mann Hermann Göring hatte in seinem Herrensitz Carinhall in der Schorfheide unter der Unmenge in ganz Europa zusammengeraubter Kunst, von der bis heute vieles unauffindbar ist, auch einige „Brekers“ stehen. 1990 bargen Marine-Taucher fünf Statuen aus dem Großen Döllnsee. Es waren Brekers „Anmut“ von 1938, „Schreitende“ von 1940 und „Eos“ von 1942. Außerdem die Waldgruppe „Mädchen mit Hirschkuh“ von Hans Krückeberg und ein Bronzeabguss der „Venus von Medici“ aus den Uffizien in Florenz. Der alte Arno Breker stellte sofort finanzielle Ansprüche mit der Behauptung, Göring hätte die Skulpturen nie bezahlt. Über diese Forderung starb der Bildhauer.

Jagd und Macht zu allen Zeiten

Auf der Suche nach den geborgenen Skulpturen Brekers führte mich kürzlich der Weg in das Schorfheide-Museum im Jagdschloss Groß Schönebeck, das auf den Grundmauern einer alten Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert und einem späteren Renaissancebau in den Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts unter Preußens Friedrich Wilhelm IV. seine heutige Gestalt erhielt. In der ständigen Ausstellung „Jagd und Macht“, in die auch eine Max-Schmeling-Ausstellung integriert ist, die den Boxer als leidenschaftlichen Jäger zeigt, wurde ich fündig.

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Aus Max Schmelings privatem Fotoalbum. Der Boxer wohnte mit seiner Frau, Filmstar Anny Ondra, acht Jahre in Bad Saarow am Scharmützelsee. Unten: Ein Teil der private Trophäensammlung Max Schmelings

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Mädchen mit Hirschkuh Krückeberg

Im Schorfheide-Museum in Groß Schönebeck ist die „Fundsache“ aus dem Großen Döllnsee ausgestellt: „Mädchen mit Hirschkuh“ von Hans Krückeberg

Etwas verschämt in der Museumsscheune versteckt, findet man – eine Leihgabe der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten – Brekers lebensgroße Figuren stehen, so, wie man sie aus dem See geholt hat. Sie stehen so eng hinter einer Wand, dass es kaum möglich ist, sie ganz zu fotografieren. Da mag ein wenig Absicht dabei sein, zumal das Museum sehr viel über die Privilegien der preußischen Herrscher, der Weimarer Republik, des Dritten Reichs und der DDR-Zeit im größten zusammenhängenden Waldgebiet Mitteleuropas zu erzählen hat.

Brekers letzte braune Wirkungsstätte

Breker hatte zu seinem 40. Geburtstag das ehemalige Rittergut Jäckelsbruch bei Wriezen von Hitler persönlich geschenkt bekommen. Im großen Park mit dem Schloss baute für ihn der Architekt Friedrich Tamms ein Atelier, dass seit 1989 unter Denkmalschutz steht, während das ehemalige Herrenhaus den Krieg nicht unbeschadet überstand und abgerissen wurde. In Wriezen selbst gehörte ihm ein großes Industriegelände mit Gleisanschluss und Kanalhafen, die „Steinbildhauerwerkstätten Arno Breker GmbH“.

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Historische Einfahrt zum ehemaligen Rittergut Jäckelsbruch bei Wriezen, Blick auf das Breker-Atelier

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Brunnen auf dem Markt von Wriezen von Horst Engelhardt (unten ein Detail)

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Im Atelier Jäckelsbruch arbeitete seit 1976 der Bildhauer Horst Engelhardt (1951-2014, ein Meisterschüler von Werner Stötzer). Zu dessen herzerfrischender Kunst gehört der ebenso eindrucksvoll wie geistreich gestaltete Brunnen auf dem Wriezener Markt. Wie kaum eine andere seiner Skulpturen hatte es das Für und Wider herausgefordert und ist heute eine Attraktion für die vor 250 Jahren noch an der Oder gelegenen Stadt geworden, deren Bewohner einst vom Fischfang lebten. Bekannt ist auch seine Büste des Pioniers der Agrarwissenschaft, Albrecht Daniel Thaer, an dessen Wirkungsstätte in Möglin. Seit dem Tod des Künstlers nutzt heute dessen Sohn, der Bildhauer Jörg Engelhardt, das Atelier.

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Die Künstlerin und Bildhauerin Uta Morgenstern gehört zu den Bewohnern des ehemaligen Breker-Anwesens

In einem wohnlich ausgebauten Gebäude, das zu Brekers Zeiten u.a. als Garage diente, hat neuerdings die Bildhauerin Uta Morgenstern ihre Wirkungsstätte. Mit Arno Brekers Kunstverständnis haben die heutigen Bewohner und Künstler außer der Adresse nichts gemein.

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Alte Skulpturen im Park des ehemaligen Rittergutes Jäckelsbruch

Der Jesus von Neutrebbin

Tage zuvor unternahm ich einen Spaziergang über den Friedhof an der  Kirche von Alttrebbin, in der ich mir ein besonderes Kunstwerk ansah. (siehe: https://klaustaubert.wordpress.com/2015/10/13/koenigliches-neutrebbin/) Dabei stieß ich zufällig an einer Grabstätte auf eine lebensgroße, aus weißem Kalkstein geformte ausdrucksstarke Jesusfigur mit der leicht angedeuteten segnenden Hand, die sich von den üblichen barocken Trauerfiguren abhebt. Auf der Suche nach dem Bildhauer fand ich heraus, dass es sich um Arno Breker handelt, der diese Figur 1940 für die Grabstätte eines begüterten Ehepaares schuf, das es durch Gänsemast zu einigem Wohlstand gebracht hatte.

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Kirche mit Friedhof Neutrebbin, rechts die Jesus-Statue von Arno Breker

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich Breker nach Bayern und später  nach Düsseldorf zurückgezogen. Seinem Kunsthandwerk blieb er treu, wenngleich ihm die namhaften Nazis ausgegangen waren, deren Köpfe er für die Ewigkeit behauen hatte. Doch es mangelte nicht an Aufträgen. Zahlreiche Industrielle von Abs und Henkel  über die Quandts, bis Oetker und Schickedanz hielten den Bildhauer zu guten Preisen bei Laune, zumal er von den Alliierten nur als „Mitläufer“ im Dritten Reich eingestuft worden war.

Sicher hat Breker in der zweiten Hälfte seines Lebens noch manches geschaffen, was jeder Kritik standhält und für einen wie auch immer geläuterten Breker steht. Beispielsweise das Heinrich-Heine-Denkmal auf Norderney, die Porträtköpfe von Salvador Dali und Ernst Fuchs, Jean Cocteau, Jean Marais und Ernst Jünger, von Adenauer und Erhard, Richard Wagner und Gerhart Hauptmann. Dennoch ist es  ganz gut, einiges von ihm aus seiner unrühmlichen Schaffensperiode wenigstens gut zu verstecken.

 

 

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Wandlitzer Impressionen – Natur und Technik unter einem Dach

Erlebnisreiches „Barnim Panorama“ in Wandlitz

Wer das Museum in Wandlitz besucht, sollte nicht unter Zeitdruck stehen. Was die Gemeinde im Herzen des Naturparks Barnim in den vergangenen Jahren mit dem „BARNIM PANORAMA Naturparkzentrum – Agarmuseum Wandlitz“ – so der exakte Name – auf die Beine gestellt hat, fasziniert mit seiner Themenvielfalt und der ausgefallenen Sammlung vom Traktor bis zur fußbetriebenen Bohrmaschine, von der alten bäuerlichen Puppenstube bis zur hundertjährigen Milchzentrifuge. Hinzu kommen in Vergessenheit geratene Nutzpflanzen, zum Beispiel Buchweizen, und anderen alte Kulturpflanzen im Freilichtbereich hinter dem Museum.

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Der 2013 eingeweihte Neubau mit einer bizarren Innenarchitektur, die die sechs Themenbereiche mehr verbindet als trennt und einen harmonischen Überblick über Land und Leute vermittelt, beginnt mit einer Multimediashow. Vor einem großflächigen Panorama erlebt der Besucher in 300 Sekunden den Wandel einer Region von der Eiszeit bis zur heutigen Kulturlandschaft, in die vor rund 8000 Jahren der Mensch einzugreifen begann.

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Das Besondere an der Konzeption des Museums ist die Verbindung zwischen Naturpark und der Sammlung des ehemaligen Agrarmuseums Wandlitz. Letzteres hatte in den Fünfzigerjahren mit einer Heimatstube begonnen, sich  bis zu einem Regionalmuseum entwickelt, in der Ausstellungen wie „Vom Ich zum Wir“ die – von den Bauern widerwillig hingenommene – Kollektivierung der Landwirtschaft im heutigen Land Brandenburg gelobpreist wurde. Es war, von den wertvollen Sammelstücken abgesehen, oft genug eine sozialistische Propagandaschau.  

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Mit der freien Entfaltung der „Museumskräfte“ und den neuen Führungsgremien der Gemeinde entstand mit Unterstützung von Land, Bund und EU schließlich nach langen Debatten etwas ganz Neues. Unter dem Leitgedanken „Geformte und genutzte Landschaft“ werden die Themen Natur, Landwirtschaft und Technik in ihrer harmonischen Verbindung nachvollziehbar. 

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Famulus RS 1436 Nordhausen 1963

Mit besonderer Sorgfalt ist die Entstehung der Bodenverhältnisse dieser Landschaft dargestellt. Der Boden, über den wir achtlos schreiten, ist voller Leben, er ist als Bestandteil einer weitreichenden Biologie Nahrungsspender und Spekulationsobjekt zugleich. Einfallsreich sind viele Details zu musealen Ausstellungsstücken geworden. So gehört zum Blick aus einem oberen Fenster über den Wandlitzer See ein vier Meter langer Bohrkern, der die Vielschichtigkeit des Bodens vom Grunde des Gewässers erkennen lässt.

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Mit Traktoren vom uralten Lanz-Bulldog bis zum letzten gebauten ZT 323 aus Schönebeck ist die „Traktoren-Herde“ ein Highlight der Schau. Nicht minder interessant sind die alten Dreschmaschinen, die Mähdrescher vom russischen „Stalinez“ bis zum E 512 aus Neustadt/Sachsen die Vielzahl unterschiedlicher Pflüge aus längst vergangenen Zeiten und die ost wunderlich anmutenden Haushaltsgeräte der Vergangenheit, an die sich ältere Besucher selbst nur noch vage erinnern werden.

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Eine Sonderausstellung innerhalb des Museums ist der „Waldsiedlung Wandlitz“ gewidmet, die den Namen der Gemeinde lange Zeit beeinträchtigt hat, wenngleich die berühmt-berüchtigte Wohnsiedlung der SED-Spitzenfunktionäre nie zu Wandlitz gehörte, sondern immer schon zu Bernau. „Eine Landschaft der Macht“ ist das Ausstellungskapitel überschrieben. Ein Film des damaligen Jugendsenders Elf99 des DDR-Fernsehens zeigt, wie im November 1989 erstmals Journalisten – ich gehörte auch dazu – die Waldsiedlung betreten durften und mit verharmlosenden Geschichten über das tatsächliche Luxusleben und die Privilegien der Machtelite über den Tisch gezogen werden sollten. An Beweisen mangelt es  in diesem bis 9. November geplanten Sonderausstellung nicht.

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Alles in allem: Zwei Stunden vergingen wie im Pflug (pardon: Flug). Bei einer guten Tasse Kaffee im Foyer und mit ein paar guten Büchern aus dem reichen Angebot zum Thema verlässt man, um eine schöne Erfahrung reicher, das „BARNIM PANORAMA“.

Stalinez Tula 1952

Patriot 1960 Weimar

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siehe auch: https://klaustaubert.wordpress.com/2014/04/27/streiflicht-schorfheide/

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