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Der Trick mit der falschen Fibel – Verleger täuscht Kunden

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Im Werbeangebot ist angebliche die Fibel, nach der  die Kinder in der DDR das Lesen in der Schule gelernt haben. „Beliebt und begehrt wie früher“ heißt es völlig zu Unrecht, denn keines der DDR-Kinder  hat bis 1990 diese Fibel gekannt. Es wäre auch zu schön gewesen, wie die Bilder zeigen:

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Tatsächlich gab es bis 1990, als das SED-Regime bereits untergegangen war und die DDR unmittelbar vor dem Beitritt zur Bundesrepublik stand, über Jahrzehnte eine andere Fibel. Nicht „Meine“, sondern ganz kollektivistisch „Unsere Fibel“. Der sozialistische Kollektivgeist wurde auch gleich auf der Innenseite belegt mit einem Fahnenappell mit Halstüchern und gehisster Fahne vor dem Schulunterricht. Sowie auch mit anderen Themen, die den Kindern seit 1974 bis 1990 mit dieser Fibel den sozialistischen Alltag nahebrachten. Ein paar Beispiele:

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Letztere Fibel, die 1989 schon 15 Jahre alt war, als Reprint-Ausgabe neu aufzulegen, würde der falschen Werbung gerecht, aber 9.99 Euro würde wohl kein Mensch dafür ausgeben. Da muss man schon tricksen und so tun, als hätten Millionen von ostdeutschen Erstklässlern mit einer Fibel, die der Untergang der DDR erst möglich gemacht hat und die in den Neunzigerjahren für viele ostdeutsche Schulanfänger galt, das Lesen gelernt. „Warum also die Tradition brechen?“, fragt die Werbung. Und bleibt die Antwort schuldig. Hauptsache der verarschte Kunde bezahlt.

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Das unnütze Billionen-Spiel

Thomas de Maizière meinte – als er zum ersten Mal Innenminister war –, dass es hätte klug sein können, „ein wenig mehr als Ampelmännchen und grünen Pfeil zu übernehmen, die es fast als Einzige aus der DDR in die gesamtdeutsche Republik geschafft haben“.

Er untertreibt maßlos. Vergessen wir in der Aufzählung einmal Angela Merkel aus der Uckermark, die es bis an die Spitze des Kanzleramtes geschafft hat, und kommen zum Wesentlichen. Wären Ampelmännchen und grüner Pfeil tatsächlich das Einzige, das vom Westen übernommen worden ist, könnten wir zufrieden sein und unsere Unfähigkeit bejammern, aus dem Verbliebenen etwas Anständiges gemacht zu haben.

Doch da war nicht viel Rest. Dank Kahlschlag durch die Treuhandanstalt (Von der alten BRD gesteuerte Institution zum Verhökern der DDR-Volkswirtschaft von 1990-1994) gelangten 90 Prozent der ostdeutschen Wirtschaft in westdeutsche Hände. Anerkanntermaßen zu Spottpreisen, mit windelweichen Auflagen und Fördermitteln obendrein. Wo zum Beispiel ist das weltweit geschätzte Kali aus den Gruben bei Merkers geblieben? Es diente dazu, das westdeutsche Unternehmen der BASF „Kali & Salz“ zu sanieren.

Und was wurde aus den vielen Millionen ostdeutschen Versicherungsverträgen? Die gingen als Milliardengewinn an die Allianz. Kohle- und Energieindustrie für 16 Millionen Ostdeutsche teilten die westlichen Energiekonzerne unter sich auf. Die Centrum-Warenhäuser als Konsumtempel des Ostens gehörten im Handumdrehen den westdeutschen Handelskonzernen, ebenso HO-Läden nebst Kundschaft, in denen sich westliche Einzelhandelsketten einnisteten und alles Ostdeutsche aus den Regalen fegten.

Wie viele große Ostunternehmen hätten, zunächst mit Länderbeteiligung, gebildet und als Steuerzahler im Osten ansässig bleiben können? Ein Zitat von Hamburgs Ex-Bürgermeister Voscherau 1996 in „Die Welt“ brachte es auf den Punkt: „In Wahrheit waren fünf Jahre Aufbau Ost das größte Bereicherungsprogramm für Westdeutsche, das es je gegeben hat.“ Wenn Wissenschaftler ausgerechnet haben, dass 1,5 bis zwei Billionen Euro als „Aufbauhilfe“ in die neuen Länder geflossen seien, dann lässt sich leicht überschlagen, wie viel davon in die alten Länder zurückfloss und die damals angeschlagene Wirtschaft sanierte – fast alles!

Und da kommt der deutsche Innenminister, der es besser wissen muss, mit Ampelmännchen und grünem Pfeil. Selbst von den so genannten Fördermitteln für die ostdeutsche Wirtschaft, den Bürgern großzügig als Transfermittel aufs Butterbrot geschmiert, flossen laut Harald Ringstorff, lange Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, 80 Prozent an Unternehmen und Unternehmer im Westen zurück.

Das Einzige, was im Osten hinderlich war, das waren die Menschen, die zu Millionen aus ihren Jobs und viele auch aus ihren Häusern flogen. Und da streiten Kleingeister über Worte wie „Anschluss“ oder „Beitritt“, um mit Matthias Platzeck, einen der achtbarsten deutschen Ministerpräsidenten – leider i.R., in die Schranken der Arroganz zu verweisen.

Vielleicht war ja alles auch nur eine lange heimlich geplante feindliche Übernahme? Es wird noch aufzuklären sein.

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