Das Ende eines Tyrannen

Diktator Ceausescu wurde im Dezember 1989 entmachtet und hingerichtet – Eine Dokumentation

Im Dezember 1989 wurde der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu (1918-1989) gestürzt und in der Nacht vom 25. zum 26. Dezember 1989 von einem Militärtribunal zum Tode verurteilt und hingerichtet. Er gehörte zu den „Arbeiterführern“ im Warschauer Pakt, die am längsten an der Macht waren (seit 1965) und diese in unverantwortlicher Weise auf Kosten eines armen Volkes missbrauchten. Während des Zusammenbruchs des so genannten sozialistischen Weltsystems hat sich auch Rumänien unter vielen Tausend Opfern von dem Tyrannen befreit und sucht seitdem einen Weg in die Zukunft.

Wenige Jahre zuvor wurde der Diktator noch von aller Welt hofiert, das amerikanische „Time“-Magazin glorifizierte ihn für seinen Titel, westliche Politiker, darunter auch der Bundesrepublik, gewährten ihm alle Ehren. In der DDR hieß es 1985 vor einem Staatsbesuch in seiner Biografie noch märchenhaft: „An der Spitze der Partei und des Staates fördert Nicolae Ceausescu mit Entschlossenheit eine Politik zur Beschleunigung des ökonomischen und sozialen Fortschritts Rumäniens, zur intensiven Entwicklung und Modernisierung der Produktivkräfte, zum Aufschwung von Wissenschaft, Bildung und Kultur, zur Gestaltung und Leitung der Gesellschaft, zur Vertiefung der sozialistischen Demokratie…“

NicolaeTitel  des amerikanischen „Time“-Magazins

Am 7. Oktober 1989 saß er im Berliner Palast der Republik am Tisch mit Gorbatschow, Honecker und vielen anderen Staatsmännern und Parteiführern, um den 40. Jahrestag der DDR zu feiern. Tage zuvor hatte erdie unverantwortlichen Aktionen, die in den letzten Tagen gegen die Deutsche Demokratische Republik, unseren Verbündeten und Freund, unseren Klassenbruder, unternommen worden sind“ verurteilt. Doch schon kurze Zeit später, am 23. Dezember 1989, heißt es im „Neuen Deutschland“: Die DDR-Regierung „begrüßt mit Genugtuung den Sturz des CeausescuRegimes und die Bildung einer Front für das Wohl des Vaterlandes…“ Rasante Zeiten!

Das rumänische Fernsehen strahlte in der Nacht zum 26. Dezember eine Filmaufzeichnung aus, in der der Exdiktator und dessen Frau kurz vor der Hinrichtung zu sehen waren. Der Video-Film zeigte, wie Ceausescu aus einem Schützenpanzerwagen der Armee steigt und mit seiner Frau auf der Anklagebank des Militärsondergerichts sitzt. Danach folgten Bilder von den beiden nach der Hinrichtung. Die französische Nachrichtenagentur AFP fertigte zu diesem Film ein Protokoll, das die DDR-Nachrichtenagentur ADN am 27. Dezember wie folgt veröffentlichte:

Ceausescu/Prozess/Dokumentation 1 (6 Teile)

Auszüge aus dem Protokoll des Prozesses gegen Nicolae Ceausescu und seine Frau

Bukarest (ADN). Die Rumänen erlebten in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch im Fernsehen die Übertragung einer Aufzeichnung von dem Schnellverfahren, das vor einem außerordentlichen Militärtribunal gegen Nicolae und Elena Ceausescu stattfand, die 25 Jahre lang ihre absoluten Herrscher waren. In einem Bericht der französischen Nachrichtenagentur AFP heißt es, das waren ergreifende Bilder von zwei alten Leuten, die noch wenige Tage zuvor allmächtig waren und denen allmählich klar wurde, dass sie am Schluss dieses Schnel1verfahrens mit dem Tod zu rechnen hatten.

AFP übermittelte ein anhand der Fernsehübertragung zusammengestelltes Protokoll des Prozessverlaufs: Das Ehepaar betritt einen Raum. Ein Arzt untersucht Ceausescu. Ein Soldat ist in einer Ecke des Raums postiert. Der Arzt sagt: „Ich werde jetzt Ihren Blutdruck messen.“ Der Arzt misst den Blutdruck und fragt: „Was haben Sie zu Ihrem Gesundheitszustand zu sagen?“ Es erfolgt keine Antwort. Dann wendet er sich Elena Ceausescu zu: „Sagen Sie bitte, ob Sie krank gewesen sind, ob Sie ärztliche Betreuung brauchen?“ Sie antwortet: „Ich brauche nichts.“

Nicolae Ceausescu und seine Frau sitzen jetzt hinter zwei rechtwinklig angeordneten Tischen. Man hört die Stimme einer Person, die nie im Bild ist, zweifellos die Stimme des Anklägers des improvisierten Tribunals. „Sie haben die Gelegenheit, sich dazu zu äußern, weshalb Sie im Namen des Volkes so gehandelt haben, wie Sie es taten. Hat die Ver­teidigung etwas zu sagen?“

Man hört eine Stimme sagen: „Aufstehen, dies ist ein Tribunal.“ Ceausescu: „Ich erkenne die Verfassung des Landes an.“ Dieselbe anklagende Stimme fährt fort: „25 Jahre lang hast Du das Volk gedemütigt. 25 Jahre lang hast nur Du gesprochen.“

Ceausescu: „Ich erkenne kein Tribunal an, sondern nur die Große Nationalversammlung. Dies ist ein Staatsstreich.“

Anklage: „Wir urteilen über Sie nach der Verfassung des Landes. Dies ist nicht der Augenblick, uns Lehren zu erteilen. Wir wissen sehr genau, was wir zu tun haben und kennen die Gesetze.“

Ceausescu: „Ich werde auf keine Frage antworten.“

Anklage: „Der Angeklagte und seine Frau kleideten sich luxuriös, gaben glänzende Empfänge, und das Volk musste seinen Ausweis zeigen, um 200 Gramm Salami zu bekommen. Du hast das Volk ausgeraubt und leugnest das sogar heute noch. Er will nicht sprechen, er ist ein Feigling. Wir wissen alles. Meine Herren Vertreter der Justiz, Herr Vorsitzender, ehrenwertes Tribunal, wir werden über Nicolae und Elena Ceausescu richten, die menschenrechtswidrige Akte begangen und gegen das Volk gehandelt haben. Für die Verbrechen, die er begangen hat, und im Namen seiner Opfer beantrage ich die Todesstrafe.“ Dann folgt die Verlesung der Anklageschrift: Völkermord, Schädigung der Volkswirtschaft, abweichlerische Handlungen, Unterminierung der Staatsmacht. (folgt)

271413 dez 89

Ceausescu/Prozess/Dokumentation 2

(ADN). Anklage: „Angeklagter Nicolae Ceausescu, stehen Sie auf.“ (Er steht nicht auf). „Du hast die Anklagen gehört“.

Ceausescu: „Ich werde nur vor der Großen Nationalversammlung antworten, ich erkenne die Anklagen nicht an. Ich werde nur vor der Großen Versammlung sprechen.“

Die Anklage weist den Protokollanten an, mitzuschreiben.

Ceausescu: „Ich werde nichts unterschreiben.“ Anklage: „Sie kennen die Lage im Land. Es fehlt an Medikamenten, an Nahrung, an Strom, an Heizung in den Wohnhäusern. Wer hat den Befehl für den Massenmord in Timisoara gegeben?“ (Schweigen). Der Anklagevertreter zum Protokolianten: „Schreiben Sie, er weigert sich, auf diese Frage zu antworten.“ Dann: „Wer hat befohlen in Bukarest in die Menge zu schießen? Sogar jetzt noch schießt man auf Unschuldige. Wer sind die Fanatiker, die schießen?“

Ceausescu: „Ich werde nicht antworten. Es wurde nicht geschossen auf dem Platz vor dem Palast, niemand wurde getötet.“

Anklage: „Es gibt bis jetzt über 64.000 Tote in allen Städten. Du hast das Volk in die Armut gestoßen. Kluge Menschen, wahre Wissen­schaftler haben das Land verlassen, um Dir zu entkommen. Wer sind die ausländischen Söldner, die schießen? Wer hat sie geholt?“ (Schweigen).

Elena C.: „Das ist eine Provokation.“

Ceausescu: „Ich weigere mich, auf diese Frage zu antworten.“

Anklage: „Sie ist gesprächiger.“

Elena C.: „Ja.“

Anklage: „Das ist also die Wissenschaftlerin, die Analphabetin ist, die nicht sprechen konnte, die nicht lesen konnte.“

Elena C.: „Ich möchte wissen, was meine Kollegen Intelektuellen dieses Landes sagen werden, wenn sie das hören.“

Anklage: „Was hindert Sie zu antworten?“

Ceausescu: „Ich werde nur vor der Großen Nationalversammlung und vor der Arbeiterklasse sprechen. Ich anerkenne nur die Arbeiterklasse. Vor den Vertretern dieses Staatsstreichs werde ich nicht antworten. Sie sind es, die Söldner haben kommen lassen. Wir haben ein anderes Machtorgan. Niemand in diesem Land erkennt Sie an, deshalb kämpft das Volk noch heute.“ Er bezichtigt ausländische Spionage-Agenturen der Einmischung in die inneren Angelegenheiten mit dem Ziel, das Land zu destabilisieren und gegen seine Souveränität und Unabhängigkeit zu kämpfen.

Anklage: „Wofür kämpft das Volk?“

Ceausescu: „Das Volk kämpft für nationale Unabhängigkeit und Souveränität.“

Anklage: „Du hast gesagt, der Staatsstreich sei durch ausländische Agenten ausgeführt worden.“

Ceausescu: „Als einfacher Bürger, in der Hoffnung, dass du eines Tages die Wahrheit sagen wirst…“

Anklage: „Weißt du, dass du aller Vollmachten und Funktionen in Staat und Regierung enthoben worden bist, und Sie auch?“

Beide antworten: „Ja.“ (folgt)

271422 dez 89

Ceausescu/Prozess/Dokumentation 3

(ADN). Anklage: „Du weißt, dass die Regierung abgesetzt worden ist.“

Ceausescu: „Du musst die Gesetzlichkeit respektieren, ich bin der Präsident Rumäniens und Oberkommandierender der Armee. Ich wünsche nichts, ich bin ein einfacher Bürger.“

Anklage: „Einfacher Bürger oder Präsident?“

Ceausescu: „Präsident Rumäniens und Oberkommandierender der Streitkräfte. Ich werde nur vor der Großen Nationalversammlung sprechen.“

Elena C.: „Was für eine Maskerade, jene, die den Staatsstreich organisiert haben.“

Anklage: „Warum hast du das Volk erniedrigt? Die Bauern, die das Brot schaffen, kamen in die Städte, um Brot, zu kaufen. Warum hast du das Volk ausgehungert?“

Ceausescu: „Ich antworte nicht. Aber als einfacher Bürger möchte ich sagen, dass das Volk 200 Kilogramm Weizen pro Person und nicht pro Familie gehabt hat.“

Anklage: „Das stimmt nicht, das ist eine Lüge.“

Ceausescu: „Wie bitte?“

Anklage: „Auf Papier schriebst Du eine Sache, aber die Realität war eine andere. Hast du darüber nachgedacht? Der Plan zur Zerstörung der Dörfer, hast du daran gedacht?“

Ceausescu: „Niemals hat es in den Dörfern so großen Reichtum gegeben wie heute. Ich habe Krankenhäuser errichtet, Schulen, kein Land der Welt hat das alles.“

Anklage: „Letzte Frage, ich habe die Villa eurer Tochter (Zoe) gesehen, sie hatte eine Waage aus Gold, mit der sie das aus dem Ausland geholte Fleisch abwog.“

Elena C.: „Welche Villa? Sie lebt in einer Wohnung wie jedermann. Sie hat nichts. Sie lebte wie alle. Das ist unerhört, welche Schande!“

Anklage: „Ceausescu soll uns nun von seinen Konten auf Schweizer Banken berichten.“

Elena C.: „Beweise, Beweise, Beweise.“

Ceausescu: „Es gibt keinerlei Konto. Sie sind ein Provokateur.“

Anklage: „Gut, gut, es gibt keine Konten, aber wenn sie existieren, sind Sie dann einverstanden, dass das Geld dem rumänischen Staat gehört?“

Ceausescu: „Das ist eine Provokation.“

Anklage: „Unterzeichnest Du die Erklärung?“

Ceausescu: „Ich gebe keinerlei Erklärung ab, das Gericht ist ungesetzlich, ich erkenne nur die Große Versammlung an. Ihr habt einen Staatsstreich unternommen, eines Tages müsst Ihr Euch vor dem Volk verantworten.“

Die Anklage an Elena C.: „Vielleicht bist du kooperativer? Was hast du uns zum Büro Nr. 2 zu sagen (Anm.: Das Büro Nr. 2 war das luxuriös eingerichtete Büro Elena Ceausescus im Zentralkomitee). Was weißt Du über den Massenmord in Timisoara?“

Elena C.: „Nein.“ (folgt)

271429 dez 89

Ceausescu/Prozess/Dokumentation 4

(ADN). Anklage: „Du hast dich nur um Wissenschaften gekümmert, um Polymere.“ (Anmerkung: Elena Ceausescu, Präsidentin der Akademie der Wissenschaften, hatte Befehlsgewalt über eine Gruppe von Chemikern, die Bücher schrieben, besonders über Polymere, welche sie mit ihrem Namen versah).

Ceausescu: „Es wurden Bücher im Ausland veröffentlicht.“

Elena C.: „Ich bin Präsidentin der rumänischen Akademie der Wissenschaften, ich bin Erster Stellvertreter des Premierministers.“

Anklage: „Was weißt Du von Timisoara?“

Elena C.: „Ich werde auf keine einzige Frage antworten.“

Anklage: „Aber über die Jugendlichen, die in Bukarest getötet wurden, was können Sie dazu sagen? Die Terroristen gehören der Securitate an, nicht wahr? Untersteht die Securitate nicht dem Oberkommandierenden?“

Ceausescu: „über den Massenmord in Timisoara?“ Ceausescu will antworten, die Anklage unterbricht ihn.

Anklage: „Mit dir bin ich fertig, ich spreche mit ihr. Wie ist General Milea gestorben? {Anmerkung: Getötet während der Unruhen in Timisoara, gegen die er offenbar nicht vorgehen wollte.)

Elena C.: „Fragen Sie den Arzt und die Leute.“

Ceausescu: „Ich werde die Untersuchung führen.“

Anklage: „Warum hast du Milea angeklagt, ein Verräter zu sein und warum hast du gesagt, er hätte sich umgebracht, um seiner Bestrafung zu entgehen?“

Ceausescu: „Milea war ein Verräter, er ist allein weggegangen und hat sich umgebracht. Die Offiziere haben gesagt, dass er die Befehle zur Wiederherstellung der Ruhe nicht ausgeführt hat.“

Anklage: „Also, man kann ja zusammenarbeiten, Sie sind doch beide Intellektuelle. Mit welchem Geld wurden Ihre Publikationen im Ausland bezahlt?“

Elena C.: „Sicher, versteht sich.“

Ceausescu: „Warum hat uns Milea verraten?“

Anklage: „Elena Ceausescu, leidest du unter Geistesgestörtheit?“

Elena C.: „Das ist eine gemeine Provokation, schämst du dich nicht?“

Anklage: „Ich frage das deshalb, weil Sie, wenn Sie unzurechnungsfähig sind, eine Chance haben. Ich werde einen letzten Versuch machen, stellen Sie Fragen.“

Elena Ceausescu zu ihrem Mann: „Sage nichts, du siehst nicht, dass…“

Ceausescu: „Ich erkenne weder die Absetzung noch sonst irgendetwas an.“

Elena C.: „Keinerlei Tribunal. Ich unterschreibe nichts. Ich habe seit meinem 14. Lebensjahr für das Volk gekämpft, und das Volk, das ist unser Volk.“ Es wird bekanntgegeben, dass sich das Gericht zur Beratung zurückzieht. (folgt)

271431 dez 89

Ceausescu/Prozess/Dokumentation 5

(ADN). Dann wieder die Stimme der Anklage: „Auf der Grundlage der Artikel. 162, 163, 165 und 357 des Strafgesetzbuches befinden wir die Angek1agten für schuldig. Das außerordentliche Militärtribunal verkündet heute, am 25. Dezember, folgendes Urteil, gegen das keine Berufung eingelegt werden kann: Beschlagnahme des gesamten Besitzes und Todesstrafe.“

Der Anwalt der Verteidigung sagt: „Als Vertreter der Verteidigung werde ich meine Arbeit tun, wie ich sie auch für jeden anderen tun würde. Die Front zur Nationalen Rettung hat Maßnahmen ergriffen, durch welche die Regierung und alle Machtorgane abgesetzt wurden. Als Anwalt bin ich der Ansicht, dass die rechtlichen Formen des Verfahrens gegen die beiden Angeklagten korrekt sind. Ob sie unterschreiben oder nicht, wenn es Beweise gibt, können sie angeklagt werden. Wenn sie für sich in Anspruch genommen hätten, nicht zurechnungsfähig zu sein, hätten sie als Geistesgestörte eine Chance gehabt, gerettet zu werden. Sie sind jedoch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte. Angesichts der Beweise konstatiere ich, dass sie schuldig sind. Ich bitte jedoch das Gericht, dass seine Entscheidung nicht einer Abrechnung gleichkommt. Das Gericht ist rechtmäßig, wie auch die Prozessfähigkeit der Angeklagten, Ceausescus und seiner Frau, rechtmäßig ist.“ Es folgt die Aufzählung der Anklagepunkte. Der Anwalt erhebt keinerlei Einwände. Er schließt: „Als Anwalt der Verteidigung wiederhole ich: Ich fordere, dass die Entscheidung nicht einer Abrechnung gleichkommt.“

Anklage: „Es ist sehr schwer, eine Entscheidung zu treffen, wenn die Angeklagten sich selbst vor Gericht weigern, den Völkermord zuzugeben, nicht nur in Timisoara und Bukarest, sondern 25 Jahre Verbrechen. Verbrechen, die sie begangen haben, indem sie das Volk aushungerten, indem sie es der Heizung und Elektrizität beraubten, und vor allem Verbrechen gegen den Geist. Unschuldige Kinder wurden von Panzern zermalmt. Sie haben die Offiziere der Securitate die Uniformen der Armee anziehen lassen, um das Volk gegen die Armee aufzubringen. Sie haben auch alte Menschen, wie Sie selbst es sind, erschießen lassen. Sie haben Sauerstoffleitungen in Krankenhäusern abreißen lassen, haben Blutplasmadepots sprengen lassen.“ (Ceausescu lächelt). „Sie fuhren nach Iran, um sich vor dem Ajatollah zu verneigen. Sie erklären, dass die Front zur Nationalen Rettung nicht legal sei. Aber 1947, bei der Machtübernahme gegen das ehemalige Regime König Michaels von Rumänien war es dasselbe. Der König hatte mehr Würde als Sie. Sie hatten Gelegenheit, in Iran um politisches Asyl zu ersuchen und all Ihre Konten auf den ausländischen Banken zu behalten.“ (Ceausescu 1ächelt.)

Elena G.: „Ja, ja“.

Anklage: „Und jetzt machen Sie sich über das Gericht lustig.“ (Ceausescu blickt in provokatorischer Geste auf seine Uhr.) (folgt)

271443 dez 89

Ceausescu/Prozess/Dokumentation 6 und Schluss

(ADN). Anklage: „Wie lange hat das rumänische Volk Sie ertragen müssen, in der ständigen Angst, jeden Augenblick verhaftet zu werden, in der Angst, unter Drogen gesetzt und in psychiatrische Kliniken gebracht zu werden.“

Elena C.: „Meine Kollegen mögen sagen, ob das wahr ist oder nicht.“

Anklage: „Dein größter Fehler war es, nach den Verbrechen von Timisoara die Massen zu versammeln. Du hast den schändlichen Beschluss gefasst, das Volk zu versammeln.“

Elena C.: „Sie sagen, dass Kinder getötet wurden, das ist nicht wahr.“

Anklage: „Angeklagter Nicolae Ceausescu…“

Ceausescu: „Ich bin nicht angeklagt, ich bin der Präsident Rumäniens und der Oberkommandierende der Streitkräfte, und ich möchte vor der Großen Nationalversammlung antworten.“ Zu seiner Frau gewandt: „Was sagst Du?“ Dann an die Anklage gewandt: „Du verrätst das Volk, du zerstörst die Unabhängigkeit Rumäniens.“

Anklage: „Man kann nicht mit dir diskutieren.“ In diesem Augenblick erhebt sich das nicht sichtbare Gericht. Stühle rücken.

Elena C. : „Nein, Liebling, wir stehen nicht auf. Wir sind Menschen.“

Anklage: „Das außerordentliche Militärgericht verurteilt die Angeklagten einstimmig auf der Grundlage der Artikel 357, 162, 163 und 165 zur Beschlagnahme aller Güter und zum Tode. Verkündet am 25. Dezember 1989.“

Ceausescu: „Ich anerkenne das Urteil nicht…“

Anklage: „Gegen das Urteil kann nicht Berufung eingelegt werden.“

Szenenwechsel: Man sieht eine Art Fußweg aus Beton, dahinter eine Mauer. Davor liegen zwei Leichen. Die Kamera fährt näher heran, und man erkennt den Kopf Ceausescus. An der Mauer sind Blut und Einschüsse erkennbar. Man erkennt deutlich, dass Nicolae Ceausescu einen Kopfschuss erhalten hat.

271445 dez 89

siehe auch: http://der-schwarze-planet.de/wo-ceausescu-hingerichtet-wurde/

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2 Antworten zu “Das Ende eines Tyrannen

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