Lieder und Gedichte

Der Angstverkäufer

(Vertont von den PUHDYS für die LP/CD „Das Buch“)

Es war eine Stadt im Tal der Neumanen.
Die Stadt war bekannt unter vielen Namen.
Port Wohlstand, Bad Reichtum, Hoffnungstal.
Die Stadt lag in Frieden, ihr Ruf war geachtet,
die Händler kamen in Scharen
Auch der mit den Sternen und Streifen am Hut
kam in die Stadt gefahren.

Und er pries seine Ware. Und er war sehr nett.
Und er stellte sich vor als der große Angstverkäufer Jack!

In den Gärten der Stadt sproß Zufriedenheit.
Die Stammtische waren mit Lorbeer drapiert.
Die Bäder gekachelt, die Zäune lackiert.
Der Überfluß lähmte die Aufmerksamkeit,
es gähnte die Langeweile.
Der Mann mit der Angst bot zum Sonderpreis
Geschäfte zum Vorzug bei Eile.

Und er pries seine Ware. Und er war sehr nett.
Und er stellte sich vor als der große Angstverkäufer Jack!

Er versprach Feuersbrunst, Erdbeben und Sintflut
als Zugabe Streik durch die Müllabfuhr
fürs schlaffe Gemüt die passende Kur
Doch sie lachten ihn aus denn sie waren gefeit
durch hohe Versicherungspolicen.
Gegen Hunger und Not, gegen Elend und Tod
hielten sie dem Händler entgegen
.
Und er pries seine Ware. Und er war sehr nett.
Und er stellte sich vor als der große Angstverkäufer Jack!

Was er dann empfahl, war die Krone des Handels.
Und die Kunden die bissen auch an.
Das Geschäft hieß der Krieg, der Feldherr total.
Die Stadt hielt die Sache für durchaus normal.
Im Nu war die Stadt im Tal der Neumanen
gestrichen aus Atlas und Lexikon.
Der alles gewann, zog weiter geschwind
denn es gab noch sehr viel zu tun.

Und er pries seine Ware. Und er war sehr nett.
Und er stellte sich vor als der große Angstverkäufer Jack!
+++

Stoßgebet eines Abgeordneten

Ich bin ganz neutral,
der Verfassung verpflichtet,
über Nebenverdienste
recht gut unterrichtet.
Auch bin ich kein Unmensch
und helfe gern
zum Beispiel meinem alten Konzern.
Der dankt es mir ganz unbürokratisch,
pro Monat ein Scheck,
das geht automatisch.
Ich nehme ihn,
ganz dem Schicksal ergeben,
denn allein von Diäten
kann man nicht leben

Ich bin ganz neutral
und halte mich raus
aus Talk-Show-Runden
und Plauderstunden
über Moral und Ethik,
was soll das beweisen?
Auch wenn sich Reporter die Mäuler zerreißen,
wir wollen uns doch nicht selber bescheißen.
Die Nebeneinkünfte
widerlegen den Schein
der Mensch lebt nicht von Brot allein.
Und damit hat sich wieder ergeben:
ganz allein von Diäten
kann man nicht leben.

Ein Scheck ist neutral,
und Papier ist geduldig,
ich bin doch kein Krösus
und keinem was schuldig,
nur dem Volke verpflichtet,
das mich einst gewählt,
für das man sich schindet
für das man sich quält.
Drum lasst mich im Jenseits vor den Richter treten,
und bis dahin weiter Gott Mammon anbeten.
Es lebe das Volk
und es lebe der Wein,
mit beidem kann man glücklich sein,
dazu noch Gottes reicher Segen,
denn allein von Diäten
kann man nicht leben.

Und bin ich einmal
kein Volksvertreter mehr,
steig ich hinab ins Beamtenheer
und sage als erfahrner Tribun,
so wie das Tausend andere tun:
Allein vom Gehalt
wird man nicht alt!
+++

Talkshow

Biste solo – geh´ in de Disco
Biste pleite – geh´ in de Kneipe
Biste reich – flieg übern Teich
Rieselt der Kalk – geh´ zum Talk

Biste beim Talk
Mach auf kalt
Verlang Johnny Walker
Schmeichle dem Talker
Wenn er ´s probiert
Und dich provoziert
Hau auf den Tisch
Fürchte dich nicht
Auch wenn er dich hasst
Du bist sein Gast
Talker erwarten
Um durchzustarten
Geist und Esprit
Weil laut Regie
Meistens nur Gäste
Mit dunkler Weste
Schwadronieren
Und abkassieren
Ein wirklicher Star
Macht sich rar

Biste solo – geh´ in de Disco
Biste pleite – geh´ in de Kneipe
Biste reich – flieg übern Teich
Rieselt der Kalk – geh´ zum Talk

Wo Promis schweigen
Und Talkshows meiden
Holt man zum Palaver
Ohne Wenn und Aber
Und ganz ohne Schmu
Gäste ohne IQ
Ob das geht?
Na wie man sieht
Seit Jahr und Tag
Im Fernsehen
Jeden Nachmittag
+++

Wunschbild

Am Dorfteich melkt die Bäuerin
Die Lieblingskuh Burglinde
Im Wasser ist es umgekehrt
Deswegen ist es sehenswert
Wie schade, denkt der Blinde
+++

Überzeugung

Der Wetterwart im Fernseh´n spricht:
wenn’s heute schneit, dann regnet´s nicht.
Und scheint die Sonne, meint er keck,
dann ist das schlechte Wetter weg.

Doch neulich, als er dienstfrei hatte,
lag er in seiner Hängematte
und hat aus purer Überzeugung
missachtet die Gewitterneigung.

Hinweggerafft nach kurzem Schmerz
(ich glaub es war am zwölften März),
hat posthum ihn man hoch geehrt,
weil er des Zweifels sich erwehrt.
+++

Das Partysanin

Wollnse berühmt wer´n? Gehnse zur Party
von ´ner bunten Illustrierten oder ´ner reichen Lady.
Gehn se anfangs mit ´nem schwulen Promi hin,
der darf Sie mitbringen, und schon sind se drin.
An seine unverdächtge Seite hängen sie sich dran
und zieh sie sich ganz ungewöhnlich an.
´n Ausschnitt dezent, höchstens bis zum Nabel.
Sagen sie ganz gebildet «formidabl»
mit ´nem Piersing mitten auf der Zunge,
bis der erste Playboy ruft: Junge, Junge!
Trinken Sie vorsichtshalber immer alles mit,
sonst gelten Sie als Spielverderberin.
Greifense Promis nicht gleich in den Schritt,
sonst nennt man Sie eine Hochstablerin.
Denn noch sind Sie nicht aufgenommen hier,
doch die Party hat Sie längst im Visier.
Mit wem ist denn der Dingsbums gekommen?
Die Gesellschaft gerät fast außer sich:
Sonst hat er doch immer nur Männer genommen?
In dem Moment steigen Sie rasch auf´n Tisch.
Sagen Sie laut den Leuten von der Zeitung,
denn das reizt die Jungs mit der Kamera:
„Von dem Foto dulde ich keine Verbreitung!“
Für ein winziges Bildchen sagen Sie dann ja,
„aber wehe es kommt ganz vorn auf die Zeitung!“
Na wohin denn sonst, bei dieser Kleidung!
Man wird sie nach ihrem Namen fragen.
Nun sagen Sie ja nicht, sie hießen Barbara,
sondern Babsi, aber mehr woll´n sie nicht sagen,
oder Muschi oder Vroni oder Tralala.
Nun werden Sie höchst neugierig,
die Damen und Herren Klatsch-Reporter
und auch die Party-Gäste fragen begierig:
Was soll denn das? Und sie rufen empört:
Wer ist denn die? So dass es jeder hört.
Sehn Sie, und wenn Promis das fragen,
dann werden se ganz sicher berühmt.
Nun machen Sie was draus.
Gehen Sie erst mal mit ´nem Reichen
und dann mal mit ´nem Schönen aus.
Dabei entdeckt Sie die Werbebranche
die sucht gerade ein Model für Kenner
denn die wolln ihre fade Food-Melange
verknüpfen mit edlem Festtags-Glamour
So sahnen Sie ab ´ne halbe Million
und schon kennt sie die ganze Nation.
Nun lassen Sie noch ein Bilderbuch schreiben
und plärren ein Lied in die Tontechnik,
dann brauchen Sie nur noch das Geld einzutreiben
und lachen über den Neid der Kritik.
Na, was ist? Wolln Sie berühmt werden?
Ist doch gar nicht so schwer.
Die Sache hat nur einen Haken:
Se dürfen von nichts, aber auch von gar nichts
auch nur en bisschen Ahnung haben
+++

Die Blattmacher

An einem verregneten Sonntag,
die Straße war still und leer,
da klingelt es an der Wohnung
bei Hans-Peter Meyer – Friseur.
Kaum dass er die Tür geöffnet,
brach Blitzlicht über ihn rein.
Er hatte keinerlei Chance,
eine Frage hinaus zu schrein.

Sind Sie der Hans-Peter Meyer?
Der Friseur nickte nur.
Und wie ist das mit der Steuer –
aha, Sie stellen sich stur?
Wie wurde das Geld gewaschen
vom Mädchen-Handel Fernost?
Was sagt Ihre Gattin zu allem?
Ich bin von der Morgenpost!

Die Zeitungen druckten in Balken
das Bild Meyers und von seinem Haus.
Die Nachbarn erzählten der Presse:
Der ging bei uns ein und aus!
Seit Tagen ist Meyer verschwunden,
der Staatsanwalt sagte nur:
Das war eine dumme Verwechslung.
Doch von Meyer fehlt jede Spur

Meyers Geschäft ist längst pleite,
im Haus wohnt die geschiedene Frau.
Und Meyer selbst, dessen Freunde
den Umgang mit ihm vermieden,
ist an einem langen Strick
im Wäldchen am Stadtrand verschieden.
Schade, sagte der Chefredakteur,
aber die Story war gut geschrieben!
+++

Halbwahrheit

Am Mittag wirbt die Kellnerin:
Heut Nacht geht ´s oben ohne
Der Saal war voll
Der Umsatz toll
Der Kellner ein muskulöser Teutone
+++

Verwunderung

Ein Ätsch kam in die Küche
Und stahl dem Koch ein Ei
Erst merkte er es nicht
Dann wunderte er sich:
Waren derlei nicht früher mal zwei?
+++

Altersleisheit

Jahre machen dich,
mit Glück, leiser.
Älter ganz gewiss,
doch selten weiser.
+++

Irgendwo

Satelliten kreisen um die Erde,
Funksignale füllen unser All.
Irgendwo da wird ein Kind geschlagen,
niemand nimmt Notiz von diesem Fall.

Weltraumfahrer fliegen zu den Sternen,
schweben schwerelos im weiten Raum.
Irgendwo erfriert ein Obdachloser,
seine Umwelt aber merkt es kaum.

Vernetzte Computer im Internet
verletzte Gefühle durch on line check
Per Daten-Highway auf Suche nach Liebe
exit für Romantik, die für Memory bliebe

Makrokosmos, Mikroelektronik,
faszinierend ist der Forscherdrang.
Irgendwo stellt sich ein kleiner Einstein
an die Arbeitslosenschlange an.

Tausendmal sind glänzende Erfolge
auch ein Kissen der Bequemlichkeit.
Irgendwas bleibt immer auf der Strecke,
viel zu oft ist es die Menschlichkeit.

Vernetzte Computer im Internet
verletzte Gefühle durch on line check
Per Daten-Highway auf Suche nach Liebe
exit für Romantik, die für Memory bliebe
+++

Der Stammtisch

Sie sitzen schon seit Jahren
am Stammtisch im Cafe Monique
und reden mit Inbrunst und Eifer
Obszönes und von Politik.
Sie reden vom großen Frieden
und analysier´n jeden Krieg,
steh´n stets auf der Seite der Guten
und begießen deren Sieg.

So wetzen sie ihre Zungen
bei Klarem und Gerstensaft,
verdammen den Ehrgeiz der Jungen,
die im Leben noch nichts geschafft.
Doch fordert ihr sie zu Taten,
da fehlt es an Wollen und Schwung.
Es schützen sie ihre Wehwehchen
vor kühner Aufopferung.

So sitzen sie seit Jahren
am Stammtisch im Cafe Monique
und reden mit Inbrunst und Eifer
Obszönes und von Politik.
Wer kann ihre Namen nennen?
Es lohnt der Mühe nicht.
Am Stammtisch könnt ihr sie erkennen,
denn sie haben kein Gesicht.
+++

Gen Gen Gen

Gen, Gen, Gen
Gen, Gen, Gen

Ach gehn ´se mir weg mit den Genen
Die machen mich ganz konfus
Längst hab ich das Zeug in den Venen
Von Gen-Mais und Apfelmus
Mein Kühlschrank ist ein Chemielabor
Darin sind die Gene versteckt
Mal in der echten Salami
Mal im zuckersüßen Konfekt

Wir sind doch alle, alle Gen-besessen
Wir haben alle, alle schon davon gegessen
Weil wir mit Genen haschen ohne Strafverfahren
Drum sind wir nicht mehr die, die wir mal waren

Ich hab ein Auto-Gen
Und mag es halo-Gen
Mein Schatz ist foto-Gen
steckt voller Östro-Gen
Sie liebt es exo-Gen
Denn ich bin hetero-Gen
So sind wir ero-Gen
Und furchtbar homo-Gen
Seit wir zusammen gehen

Gen, Gen, Gen
Gen, Gen, Gen

Ach gehen ´se mir weg mit den Genen
Die machen mich ganz blümerant
Die stecken in jedem Radieschen
In Starkbier und frischem Schmand
Meinem Hund sind die Gene Schnuppe
Der pfeift auf die Pietät
Nur eines ist mir ein Rätsel,
Früher hat er um fünf nie gekräht

Wir sind doch alle, alle Gen-besessen
Wir haben alle, alle schon davon gegessen
Weil wir mit Genen haschen ohne Strafverfahren
Sind wir nicht mehr die, die wir mal waren

Ich hab ein Auto-Gen
Und mag es halo-Gen
Mein Schatz ist foto-Gen
steckt voller Östro-Gen
Sie liebt es exo-Gen
Denn ich bin hetero-Gen
So sind wir ero-Gen
Und furchtbar homo-Gen
Seit wir zusammen gehen
Ach gehn ´se mir doch weg mit den Genen
+++

Das Angebot

Gnädige Frau, ich muss gestehn,
mein Wunsch ist sicher etwas sonderbar,
doch seit ich Sie zum ersten Mal gesehn,
erscheint die Welt mir plötzlich wunderbar.

Nein, nein, es ist nicht Ihre fulminante Robe
und nicht die exquisite Haarfrisur.
Auch nicht ihr Cabrio, wie es gerade Mode,
und auch nicht die brillantgeschmückte Uhr.

Es ist auch nicht die große schmucke Villa,
die Ihr Verblichner hinterlassen hat aus Dank.
Auch nicht das Weingut dort in Dingsda
und nicht die Sümmchen auf den Konten Ihrer Bank.

Mein eigenes Vermögen? Oh, ich bitte,
ich bin ganz selbstlos unvermögend aus Passion.
Ein großes Herz und wunderschöne Träume,
so ist des Künstlers Dasein als Mission.

Wir würden beide uns recht gut ergänzen,
Ihr materielles Polster und mein Mut,
mal wieder ganz von vorne anzufangen –
halt, bleiben Sie, ich mein es doch nur gut…

So sind Sie, diese bourgeoisen Weiber,
nur Kohle, Schmuck und amouröses Spiel im Sinn.
Auf diese Weise kommt die Kunst nicht weiter,
schon wieder ist ein schöner Traum dahin.
+++

Konsequenz

Der Doktor schrieb ihn grippekrank,
da baute er die Gartenbank.
Er hat sie grün gestrichen
und ist auf ihr verblichen.
+++

Gleiches Recht

Zu Hause hing der Segen schief,
nur weil er mit ´ner anderen schlief.
Jetzt hat sie sich besonnen
und auch ´ne Frau genommen.
+++

Diplomatie

Der Bürgermeister von Staats* ist kokett
Ein Besäufnis seines Rates
Das nennt er Staatsbankett

*Gemeinde bei Stendal
+++

Osterlämmer

Osterlämmer hüpfen auf der Wiese,
ausgelassen und sehr lebensfroh,
laben sich an frischen Frühlingsgräsern
und an Butterblumen sowieso.

Osterlämmer üben sich im Reigen,
spielen Vater, Mutter, Lamm und so,
schmieden kleine Pläne für die Zukunft
kuscheln abends sich ins warme Stroh

Osterlämmer haben keine Ahnung,
denn ihr Sein ist nichts als Träumerei.
Überraschend kommt das lange Messer
und ihr kurzes Dasein ist vorbei.

Osterlämmer liegen in der Pfanne,
Kannibalen haben sie zum Fressen gern,
bitten vorher mit dem Blick zum Himmel
um die Gnade ihres auferstandnen Herrn
+++

Der alte Mime

Auf der Bühne war er ein König,
Hamlet, Othello und Lear.
Zwei Vorstellungen gab er täglich,
an Feiertagen auch vier.
Die Moral der großen Dichter
brachte er den Menschen nah.
Das Publikum war begeistert,
wenn es den Mimen sah.

Er hieß Walter Schmidt
und wohnte
drei Treppen
im Hinterhaus.
Eine alte Dame fegte
jeden zweiten Tag
bei ihm aus.

Die Jahre gingen vorüber,
das Publikum wurde alt,
dessen wundersame Verehrung
dem großen Künstler einst galt.
Seine Rollen wurden spärlich,
das Feuer war aus ihm heraus.
Die Gagen waren ärmlich,
immer früher kam er nach Haus.

Er hieß Walter Schmidt
und wohnte
drei Treppen
im Hinterhaus
Die alte Dame fegte
auch ohne Lohn
bei ihm aus.

Der Kreislauf hat seine Grenze,
der König von einst war tot.
In der Zeitung ganz klein die Annonce,
neben knalliger Werbung in Rot.
Von seinen Kollegen vergessen
fand die Beerdigung statt.
Die einst in den Logen gesessen,
übersahen des Künstlers Schachmatt.

Er hieß Walter Schmidt
und lag nun
im billigen Fichtensarg.
Und nur eine uralte Dame,
folgte ihm still
bis zum Grab.
+++

Hurra, ein Arbeits-Los

Ick hab mir´n Arbeits-Los jekoft
bei de Arbeitsagentur, Mensch, die loft!
War gar nich mal so teuer wie jedacht,
beim Boss nur mal de Schnauze uffjemacht.
Det hat uff Anhieb jeklappt,
schon hab ick det Arbeits-Los jehabt.

Bin zur Agentur gleich hin,
womöglich hab ick en Hauptjewinn.
Auf alle Fälle jibt et keene Niete
un ick muss mir nich sorjen um de Miete.
Zur Not muss ick sparsamer leben,
kauf ick den Lachs bei Aldi eben.

Un det Auto mit dem blau-weißen Zeichen
muss einem klenen Japaner weichen.
Tut ja och nich weh. Hauptsache neu
und fürn Tank en bisken weniger Heu.
Det Benzin hol ick mir in Polen
von wejen EU und wejen die Kohlen.

Die Nachbarn – Asozialhilfeempfänger,
wat immer dat ist, aber det schon länger,
gucken janz neidisch durch de Gardinen:
Der arbeitet nicht, wat mag der verdienen?
Vielleicht hat der mehr als wie wir?
Det sachen´se natürlich nicht zu dir.

Aber denken – nee, denken tunset och nicht.
Haben ja kaum Zeit für sich,
denn er jeht malern, für cash auf die Kralle.
Sie steht uffn Strich mang de Mädels alle,
verkleidet als Witwe, det schafft Pietät
und steigert den Umsatz wejen de Frivolität

So kommt janz schön wat in de Kasse,
könnse fast leb´n wie de herrschende Klasse.
Dat mit dem Arbeits-Los is so ne Sache,
seit dat die Sozis ham in ihrer Mache.
Die Lotterie wird immer knausriger,
die Gewinne werden immer lausiger.

Da hilfts, wenn man wat dagegen tut,
damit unsre Wir-AG noch stärker boomt.
So jeht die Post ab mit der Arbeits-Lotterie.
Aber nur janz heimlich, sonst klappt dat nie.
Erzähl´n och Sie nischt weiter,
sonst wird aus dem Arbeits-Los ne Hühnerleiter:
Kurz, beschissen und ziemlich teuer.

Und ick müsste wieder malochen,
en halbet Jahr für die Steuer.
Na, dat wär vielleicht en Arbeits-Los
+++

Der Umweg

Wir haben als Kinder zusammen
im Sandkasten gespielt,
das Unrecht der Erwachsnen
gemeinsam oft gefühlt.
Der Blutschwur jener Tage
war sicher Spielerei,
das Versprechen ewiger Liebe –
aus und vorbei.

Es trennten sich unsere Wege,
du hast sehr bald studiert.
Ich wurde Heizer im Kraftwerk,
hab´ das Leben probiert.
Dein Umgang war philosophisch –
Fichte, Hegel und Kant,
ich habe von all diesen Leuten
keinen gekannt.

Du hast einen Mann dir genommen,
Doktor der Psychiatrie.
Als wir uns einmal getroffen,
sagtest du zu mir Sie.
Dein Doktor rümpfte die Nase,
da meintest du galant,
ich sei ein Bekannter von früher –
einer vom Land.

Als ich gestern vom Kraftwerk nach Hause
in meine Bude kam,
warst weinend du und zitternd
mit deinem Koffer da.
Dein Doktor hat sich verändert,
zerriss das Liebesband.
So sei mir gegrüßt erste Liebe –
aus zweiter Hand.
+++

Die Grillen

Im Garten lag dereinst ´ne alte Brille
mit einem Glas nur und das war sehr stark.
Da kam des Wegs ´ne ziemlich junge Grille
die sah hindurch, erblasste und erschrak.

Wie ist das Gras so riesengroß geworden,
ein jeder Halm so dick fast wie ein Baum?
Der sonst so zirpgewandten fehlt´s an Worten,
sie will sich ihrem Grillrich anvertrau´n.

Sieh an, da kommt auch schon Herr Grille
durchs Gras gehoppelt, wie das Grillen tun.
Er nähert sich der starken alten Brille,
in ihrem Wärmestrahl sich auszuruh´n.

Da lähmt der Schreck der beiden Grillen Glieder,
entsetzt schau´n sie durchs dicke Glas sich an.
Das ist nicht meine Frau im engen Mieder!
Und das ist nicht mein kleiner zarter Mann!

Die riesenhafte Größe beider Grillen,
in der sie ihren Partner nun geseh´n,
erweckte gleichermaßen ihren Willen,
einander künftig aus dem Weg zu gehen.

Was bleibt zu sagen diesen dummen Grillen,
die falsch erkannte Größe hat entzweit?
Wählt ihr den Partner aus nach freiem Willen,
dann setzt die Brille ab und nehmt euch Zeit.

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